earthweek: barfuß laufen für den Klimaschutz?


Mehr als 9 Millionen Paar Laufschuhe werden in Deutschland jährlich gekauft. Ein kurzweiliges Vergnügen, liegt die durchschnittliche Laufstellung pro Schuh laut den meisten Herstellern doch nur bei 1000km.

Bei der kurzen Lebensdauer kommt die schlechte Klimabilanz von Laufschuhen noch mehr zum Tragen: knapp sieben Kilogramm CO2 enthält ein Laufschuh, wie Forscher der US-amerikanischen Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology (MIT) ermittelt haben. Im Detail: zwischen 11,3 und 16,7 Kilogramm CO2 stecken in einem Paar. Damit „macht die Schuhindustrie einen gewaltigen Anteil an der Umweltbilanz der gesamten Bekleidungsindustrie aus“, so die Wissenschaftler in ihrer Studie. Test-Exemplar war der beliebte asics Gel Kayano, den jeder von uns kennen dürfte. 65 verschiedene Einzelbestandteile und 360 Produktionsschritte werden benötigt, um ihn zu fertigen. Allein auf das Konto der verwendeten Materialien gehen 30% der CO2-Werte. Enorme Transportwege für Rohmaterialien und innerhalb der Produktion schlagen ebenfalls ordentlich zu Buche. Die Produktion in China erfolgt in Fabriken, die mit Kohlestrom betrieben werden.

Doch was ist die Lösung des Problems? Weniger Schuhe kaufen und stattdessen barfuß laufen? Für ein paar Menschen sicherlich denkbar, für die meisten von uns jedoch kaum.

barfuß laufen- eine Option für manche, aber nicht für die Masse
barfuß laufen- eine Option für manche, aber nicht für die Masse

Daher haben wir uns damit beschäftigt, welche Möglichkeiten es gibt, Laufschuhen ein zweites Leben zu schenken. Die meisten Laufschuhe landen entweder direkt oder über einen kurzen Umweg über den Altkleidercontainer im Restmüll. Ein Recycling im Sinne der Umwelt ist hier kaum möglich – in der Regel werden die Schuhe verbrannt, die giftigen Dämpfe gelangen dabei in unsere Atmosphäre. Doch das muss nicht sein – mit ein bisschen Recherche stößt man auf viele sinnvolle Alternativen. Hier kommen unsere Top 3.

Spenden für den guten Zweck

Zugegeben – auch hier werden die Schuhe am Ende sicherlich nicht vorbildlichst recycelt – allerdings kann man mit seinen gut erhaltenen Schuhen noch einmal etwas richtig Gutes tun und andere Menschen glücklich machen. Der Verein shoe4africa kümmert sich nicht nur um die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens in Kenia durch den Bau des ersten öffentlichen Kinderkrankenhauses, sie fördern auch die Bildung und Erziehung in Kenia und all die Menschen, die ihr Leben zum Besseren verändern möchten. Daher freuen sich bei shoe4africa.org viele Menschen in Kenia über unsere ausrangierten Schuhe.

Wie genau die Schuh-Spende geht, könnt ihr direkt auf der Seite des deutschen Fördervereins nachlesen.

Auch innerhalb von Deutschland gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit seinen gut erhaltenen Laufschuhen etwas Gutes zu tun. In der JVA trainieren die Insassen regelmäßig auf einen Lauf – gerade Geld für Sportbekleidung ist hier knapp. Es kann also lohnen, einfach mal bei einem nahe gelegenen Gefängnis nachzufragen, ob dort ein Bedarf an Schuhen besteht.

Upcycling im großen Stil

Hersteller Nike ist in Sachen Upcycling ganz vorn mit dabei – das Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, mit dem u.a. alte Laufschuhe zu einem elastischen Granulat verarbeitet werden, das für Laufbahnen, Sportplätze oder Kinderspielplätze, aber auch für neue Sportbekleidung oder Trinkflaschen verwendet werden kann. Das Material hört auf den Namen „Nike Grind“ und besteht aus einer Mischung aus Gummi, Schaumstoff, Fasern und Textilmischungen. Mehr als 10.000 Oberflächen weltweit wurden bereits mit Nike Grind ausgestattet.

Nike Grind auf einer Laufbahn in China - Bildquelle: nike.com
Nike Grind auf einer Laufbahn in China – Bildquelle: nike.com

„wir wollen, dass Materialien in mehr als nur einem Produkt  Fortbestand haben. Schuhe, die ihren letzten Kilometer hinter sich gebracht haben, werden zu Laufbahnen für die schnellsten Läufer der Welt. Wasserflaschen feiern ihr Comeback in den größten Fußballstadien der Welt.Bei der Herstelllung jedes mit NIKE GRIND- Materialien hergestellten Produktes haben wir dessen Performance im Blick.“

Die notwendigen Schuhe für die Herstellung von Nike Grind sammelt Nike direkt über die unternehmenseigenen Stores im Rahmen des „REUSE-A-SHOE-PROGRAMM„.

Was mir dabei besonders gut gefällt: ihr könnt hier auch unternehmensfremde Laufschuhe abgeben und ihnen zu einem neuen Leben verhelfen.

Im Februar 2018 schrieb Nike zudem einen Wettbewerb aus, bei dem Unternehmen ihre innovativen Ideen einreichen konnten, wie man Schuhabfälle besser recyclen bzw. was man außerhalb von Bodenbelägen noch aus Nike Grind bauen kann. Aus mehr als 600 Vorschlägen aus 58 Ländern wurden sechs Gewinner gekürt. Es entstanden Yoga-Accessoires und Klettergriffe und Möbel.

Ozeane retten mit Adidas – dieses Mal aber richtig.

Manchmal kann es auch schon helfen, von vornherein die richtigen Produkte zu kaufen, bevor man sich am Ende um das Thema Upcycling / Recycling Gedanken machen muss. IRONMAN Weltmeister Patrick Lange setzt bei seinen Schuhen seit dieser Saison auf die drei Streifen aus Herzogenaurach – und auch ich muss gestehen, dass ich von der Nachhaltigkeitsstrategie von adidas sehr angetan bin.

Mit seiner Parley-Produktlinie aus recycelten PET-Flaschen und Meeres-Müll wie Tiefsee-Netzen machte adidas in den vergangenen Monaten zum ersten Mal auf das Thema Plastikmüll und Schutz der Meere aufmerksam. Die PET-Flaschen werden auf den Malediven gesammelt und in Taiwan zu speziellen Garnen verarbeitet. Ab einem Anteil von 50% Parley-Garn darf ein Produkt bei adidas auch das Parley-Label tragen. Eine tolle Idee, allerdings noch nicht ganz bis zu Ende gedacht. Denn obwohl ein Parley-Laufschuh zu 85% auf recyceltem Plastik besteht, werden dennoch in der Zwischensohle der Schuhe weiterhin höchst umweltschädliche Materialien verarbeitet. Diese Materialien benötigt die herkömmliche Schuh-Industrie, damit die Funktionalität der Schuhe weiterhin gegeben ist. Je höher die Anforderungen an einen Schuh (zum Beispiel ein klassischer Marathon-Schuh), desto geringer kann der Recycling-Anteil daher ausfallen. Ein Teufelskreis!

adidas parley - Bildquelle: adidas group
adidas parley – Bildquelle: adidas group

2019 wird adidas 11 Millionen Paar Schuhe aus Ocean Plastic® by Parley fertigen, ein Material, das aus dem Kunststoffmüll stammt, der bereits an Stränden, abgelegenen Inseln und in  Küstengemeinden aus dem Meer gefischt wurde. adidas verpflichtet  sich, ab 2024 für alle Produkte und Anwendungsbereiche, für die eine Lösung besteht, nur noch recyceltes Polyester zu verwenden. Das Erstellen von Produkten mit Premium-Materialien von Parley, die aus aufbereiteten Kunststoffabfällen aus dem Meer gefertigt sind, bildet die erste Säule der Nachhaltigkeitsstrategie von adidas.

Darüber hinaus spendet adidas über alle Mitläufer in der runtastic „Run for the Ocean“-Community einen Euro pro Kilometer zum Schutz der Weltmeere.

Die Idee hinter Parley finde ich gut, richtig und wichtig. Dennoch besteht insbesondere hinsichtlich der Zwischensolen-Problematik noch enormes Verbesserungspotential. Das weiß man auch in Herzogenaurach – weshalb das Unternehmen nun einen Schritt weiter geht.

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adidas futurecraft – Bildquelle: adidas group

Jüngst stellte adidas nun den FUTURECRAFT.LOOP vor – einen Performance-Laufschuh, der immer weiter laufen wird. Wie das geht? Der FUTURECRAFT.LOOP ist ein zu 100% recyclebarer Performance Laufschuh. Die abgelaufenen Schuhe können bei adidas zurückgegeben werden, wo sie zermahlen und zu 100% in ein neues Paar Performance Laufschuhe verarbeitet werden. Aktuell befindet sich der FUTURECRAFT.LOOP in einer Betaversion zum Testen für einen kleinen Test-Kreis, die breite Markteinführung ist für Frühjahr 2021 geplant.  Mit diesem Statement untermauert adidas sein Engagement für eine von Kunststoffabfällen freie Welt.

was passiert mit den Schuhen, wenn sie komplett abgetragen sind? Man wirft sie weg. nur, dieses „weg“ gibt es eben nicht. Es gibt nur Abfalldeponien und Müllverbrennungsanlagen und letztendlich landet alles in der Atmosphäre, die in einem Übermaß an KOhlendioxid erstickt, oder in den Weltmeeren, die mit Plastikabfällen zugemüllt werden. Der nächste Schritt ist, das Konzept „Abfall“ ganz abschaffen. Unser Traum ist, dass die gleichen Schuhe immer wieder neu laufen können“. – Eric Liedtke, Executive Board Member adidas

Das Geheimnis des FUTURECRAFT.LOOP ist ein Ansatz für das Design von Performance Schuhen, die aus nur einem Materialtyp ohne Klebstoffe bestehen und von Anfang an für die Wiederverwendung bestimmt sind. Sobald die Schuhe das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben und wieder bei adidas gelandet sind, werden sie gewaschen, zu Pellets zermahlen und in das Material für die Bestandteile eines neuen Schuhs umgeschmolzen. Ohne Müll, ohne Abfall, nichts wird weggeworfen oder verschwendet. Genial!

Mein Fazit: egal, ob spenden, zu Bodenbelägen verarbeiten oder direkt von Anfang an einen recyclebaren Schuh kaufen – jede Option ist besser als einen Schuh zu kaufen und nach Ablauf seiner Lebensdauer im Restmüll zu entsorgen. Seinen ökologischen Fußabdruck beim Laufen zu verbessern kann so einfach sein!

Über Stephanie Päthe

Steffie ist die Frau für schöne Dinge. Weil sie gutes Design und das Besondere liebt, gestaltete sie ihren Trainingsplan bis zur Geburt von TIME2TRI mangels gefallender Trainingssoftware noch kreativ per Hand. Steffie macht Sport nicht nur aus Spaß an der Bewegung sondern auch, weil sie Herausforderungen liebt. Apropos: Unsere Kreative liebt das Abhaken von To-Do-Listen und gesundes Essen - ihre Schwachstelle ist allerdings der Ritter Sport-Fabrikverkauf...

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