Ich packe meinen Koffer: mit dem Rad ins Trainingslager fliegen


Mallorca, Lanzarote, Fuerteventura – Anfang des Jahres zieht es die meisten Triathleten zum Trainieren in die Sonne. Damit nicht nur der normale Koffer ordentlich im Trainingsparadies ankommt, sondern auch euer geliebtes Bike, zeigen wir euch heute, wie man einen Radkoffer richtig packt!

Vor dem Packen: Noch alles fit?

Zunächst einmal ist es wichtig, dass ihr euer Rad durchcheckt und mögliche, bereits vorhandene Schäden ausbessert. Hierauf sollte man besonders achten:

  • Wie sehen die Mäntel aus?
  • Sind die Bremsbeläge (bei Scheibenbremsrädern) noch ausreichend vorhanden?
  • Ist die Kette verschlissen?

Ist euer Rad in Ordnung, könnt ihr euch an die Demontage machen.

Auseinander bauen

Kennt ihr eure Sattelhöhe? Um am Zielort nicht vor diesem Problem zu stehen, markiert ihr euch vorher eure Sitzhöhe mit etwas Kreppband. Danach löst ihr die Sattelstützenklemmung und holt die Stütze aus dem Rahmen. Tipp: Legt hier schon eine Rohrisolierung auf das Oberrohr und schreibt die Sattelhöhe zur Sicherheit nochmal drauf.

Als nächstes schraubt ihr die Pedale ab. Je nach Hersteller benötigt ihr hierfür einen 6er oder 8er Inbusschlüssel oder einen 15er Pedalschlüssel. Die Pedale sind meist schwer zu lösen. Deshalb etwas aufpassen. Die Pedale haben unterschiedliche Gewinde (Merkhilfe: wenn man seitlich zum Rad steht löst man das Pedal, das zu einem gerichtet ist, immer in der Richtung des Hinterrades)! Verpackt sie anschließend so, dass ihr Links- und Rechtsgewinde später noch unterscheiden könnt. (Sollte in der Regel aber auch auf der Pedale stehen.)

„Werkzeug, um die Pedale abzuschrauben: 6er oder 8er Inbusschlüssel oder einen 15er Pedalschlüssel“

Der Lenker muss bei den meisten Radkoffern leider zum Verpacken demontiert werden. Je nach System löst man die Schrauben am Vorbau/Lenker. Dazu vorher ein Streifen Klebeband auf den Lenker kleben und einen Strich horizontal markieren, um nachher die korrekte Lenkerposition wieder einstellen zu können.

Ein Stück Kreppband genügt, um die Lenkerposition vor dem Abbau zu Markieren.
Ein Stück Kreppband genügt, um die Lenkerposition vor dem Abbau zu Markieren.

Alternativ löst man die Schrauben am Vorbau/Gabelschaft, nimmt die A-head-Schraube heraus und zieht den Lenker inklusive Vorbau nach oben hin ab. Auch hier empfehle ich, die Vorbauposition mit Kreppband zu markieren.

Spacer hochhalten und mit einem Streifen Kreppband die Lenkerposition markieren.
Spacer hochhalten und mit einem Streifen Kreppband die Lenkerposition markieren.

Jetzt könnt ihr den Lenker eindrehen und um das Oberrohr legen. Mit Kabelbindern, Klett- oder Kreppband befestigen.

Als nächstes kümmern wir uns um das Schaltauge – das empfindlichste Teil am Rad. Um Beschädigungen am Schaltwerk vorzubeugen, solltet ihr es abschrauben. Sich ein zweites Schaltauge als Ersatz mit in den Radkoffer zu legen, ist nie verkehrt.

„Ein zweites Schaltauge als Ersatz ist nie verkehrt.“

Die Kettenstrebe könnt ihr mit einer passenden Rohrisolierung (erhältlich im Baumarkt) und das Schaltwerk mit etwas Luftpolsterfolie ummanteln. Kette und Schaltwerk werden mit etwas Kreppband fixiert. Mit drei Kabelbindern könnt ihr die Kette dann auf dem Kettenblatt sichern, um Kratzer zu vermeiden.

Den empflindlichsten Part des Rads am besten abschrauben und einpacken: das Schaltwerk.
Den empflindlichsten Part des Rads am besten abschrauben und einpacken: das Schaltwerk.

Danach baut ihr eure Laufräder aus. Um das Ganze zu vereinfachen, schaltet ihr vorher aufs große Kettenblatt und das kleinste Ritzel. Danach löst ihr die Schnellspanner/ Steckachsen und nehmt sie heraus. Denkt daran, die Steckachsen wieder locker in den Rahmen zu schrauben und die Schnellspanner weg zu packen, sodass nichts vergessen werden kann. Bei Rädern mit Scheibenbremsen kommt zusätzlich ein Abstandhalter zwischen die Belege.

Tipp: Schaltet vorher aufs große Kettenblatt und das kleinste Ritzel.

Mythos hin oder her: Den Reifendruck vor dem Verpacken um die Hälfte zu reduzieren ist nicht verkehrt.

Verpacken

Grundsätzlich seid ihr mit einem Baumarktbesuch vor dem Einpacken des Rads bestens bedient. Luftpolsterfolie, Schaumstoff/-folie und Rohrisolierungen in verschiedenen Größen sollten auf eurer Einkaufsliste stehen. Schützt damit unbedingt die empfindlichen Bereiche wie Gabelschaft, Schaltung, etc. Auch die Sattelstütze und die Pedale werden eingewickelt und in den Radkoffer gepackt. Tipp: Euer Radhändler kann euch mit Verpackungsmaterial sicher auch aushelfen 😉 Ein kleiner Karton eignet sich gut für Kleinteile.

 Achtung, am Flughafen!

Wollt ihr Unannehmlichkeiten am Flughafen vermeiden, gilt es, ein paar Punkte zu beachten. CO2-Kartuschen beispielsweise sind grundsätzlich verboten. Besser also, man hat seine klassische Minihandpumpe dabei – so ist man auf der sicheren Seite.

„Im Zweifel immer bei der Airline nachfragen!“

Elektronische Schaltungen, wie z. B. die Shimano DI2/SRAM eTap enthalten einen Lithium-Ionen-Akku, welcher eigentlich nur im Handgepäck erlaubt ist. In der Regel sind die Akkus aber auch in Radkoffern meist kein Problem. Das gleiche gilt für die Dichtmilch: Im Handgepäck max. 100ml in einer transparenten Flasche oder direkt mit in den Radkoffer. Generell gilt: Im Zweifel lieber vorher bei der Airline nachfragen!

Dieses Werkzeug solltet ihr zur Demontage und vor Ort dabei haben.
Dieses Werkzeug solltet ihr zur Demontage und vor Ort dabei haben.

Werkzeug vor Ort

Zu guter Letzt empfiehlt es sich, das Werkzeug der Demontage und ein paar andere Utensilien einzupacken. Ich empfehle eine kleines Paket aus:

  • Inbus-/Torx-Schlüssel
  • Zange
  • Kreppband
  • Drehmomentschlüssel
  • Ersatzschläuche
  • zweites Schaltauge
  • Kettenöl
  • Reifenheber
  • Carbon-Montagepaste

 Schaut, dass am Ende keine Teile mehr außerhalb des Koffers liegen 😉

Über Jens Strubel

Jens ist Mitinhaber des Frankfurter Renn- und Triathlonradladen Flamme Rouge Bikes. Als leidenschaftlicher Rennrad- und Criterium-Fahrer gibt er sein Wissen bei TIME2TRI weiter, indem er Artikel rund um die Radthemen schreibt. Neben gutem Espresso und getrockneten Tomaten ist Jens am liebsten bei heißen Temperaturen auf dem Rad unterwegs…

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