Grundlagentraining Ernährung – Teil 9: wie viel „Sünde“ darf sein bzw. verzeiht der Körper?


Es gibt zahlreiche Diätformen, die sogenannte Cheat Days zulassen oder sich intermittierende Diäten nennen. Hinter diesen Diäten steckt das Prinzip, dass man sich auch Schummeltage bzw. diätfreie Tage leisten darf. Funktioniert diese Methode bzw. wie viel Sünde ist erlaubt?

„Cheat Days oder intermittierende Diäten – funktioniert diese Methode?“

Es gibt keine verbotenen Lebensmittel

Die Herangehensweise, dass auch Ausrutscher bei einer Diät erlaubt sind, bringt positive wie auch negative Effekte mit sich. Bereits die Richtlinien einer durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zertifizierten Ernährungsberaterin besagen, dass es keine Verbote geben soll. Denn wer kennt das nicht: wer sich etwas verbietet, denkt den ganzen Tag an dieses Verbot und greift schlussendlich nach den verbotenen Produkten. Erlaubt man sich jedoch immer, eine kleine Sünde zu sich zu nehmen, wird meist aus einer kleinen eine kalorienreiche Sünde. Gerade bei Süßigkeiten ist es für viele Menschen schwer, diese in Maßen und nicht in Massen zu sich zu nehmen. Aus dieser Not eine Tugend gemacht. Es entstanden sogenannte „Cheat Days“. An „Cheat Days“ dürfen so viele Süßigkeiten und Leckereien aufgenommen werden, wie es einem beliebt.

Mit Cheat Days zur Gewichtsabnahme

Im Rahmen einer US-Studie am New Yorker Skidmore College wurden über einen Zeitraum von zwölf Wochen die Essgewohnheiten und Gewichtsschwankungen einer Gruppe von Probanden beobachtet. Sie sollten sich dauerhaft fettarm und proteinreich ernähren, durften jedoch jeweils am siebten Tag der Woche essen, was (und wie viel) sie wollten. Im Schnitt verloren die Teilnehmer dennoch fünf Kilo ihres Ausgangsgewichts. Psychologisch scheint sich der „Cheat Day“, also ein Tag, an dem geschummelt werden darf, ebenfalls positiv auszuwirken. Denn während die Teilnehmer zu Beginn der Zeitspanne noch recht hemmungslos geschlemmt haben, genügte den meisten nach ein paar Wochen bereits eine zusätzliche Portion oder ein zweiter Nachtisch. Zum Ende hin nutzten viele den „Cheat Day“ nur noch hin und wieder oder verzichteten sogar ganz darauf.



Die negative Seite dieser Ernährungsstrategie

Doch leider birgt auch diese Ernährungsstrategie Gefahren. Geht man die Liste der Essstörungen durch, so bleibt man bei Binge Eating Disorder hängen. Dies ist eine Essstörung, bei der es zu periodischen Heißhungeranfällen (Fressanfällen) mit Verlust der bewussten Kontrolle über das Essverhalten kommt. Im Gegensatz zur Bulimie werden anschließend keine Gegenmaßnahmen unternommen. Vom „Cheat Day“ ist der Weg zum Fressanfall nicht weit, sodass diese Diätform bei extremer Durchführung auch schnell in eine Essstörung münden kann.

„Bei extremer Durchführung von Cheat Days, kann der Weg auch schnell in eine Essstörung münden.“

Fazit

Wer gelegentlich mal einen Tag eine Auszeit von seiner gesunden und isokalorischen Ernährungsweise nimmt, der braucht sich keine Sorgen bezüglich einer Gewichtszunahme zu machen. Das Essen bei Feierlichkeiten darf daher gerne in vollen Zügen genossen werden und die Sahnetorte ohne Gewissensbisse verspeist werden, solange dies nicht zur Gewohnheit wird. Wer bewusst mit einer Ernährungsumstellung inkl. sogenannter „Cheat Days“ seine Ernährung und seinem Gewicht auf die Sprünge helfen möchte, sollte diese nicht zu ausgiebigen Fressorgien münden lassen, denn dann ist der Weg zur Essstörung leider nicht weit.

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Ausgewogenheit: Wie viel
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Cheat Days oder sich intermittierende Diäten. Dahinter steckt das Prinzip, dass man sich Schummel- bzw. diätfreie Tage leisten darf. Aber funktioniert das?
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TIME2TRI GmbH
Über Dr. Katrin Stücher

Katrin hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Als promovierte Ernährungswissenschaftlerin ist sie die ideale Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um die richtige Ernährung im Trainingsalltag und im Wettkampf. In ihrem Kundenstamm sind bereits zahlreiche Erfolgsgeschichten von Ironmansiegen hin zu Podestplätzen bei der Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii vertreten. Wenn sie nicht gerade die Ernährung ihrer Kunden optimiert, ist Katrin selbst als Triathletin aktiv. Im Training liebt sie kurze, knackige Intervalle – langen Laufeinheiten und langsamem Tempo kann sie hingegen so gar nichts abgewinnen.

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