Rohkost im Triathlon – kann das gut gehen?


Kaum ein Thema ist im Triathlon-Alltag so heiß diskutiert wie das der richtigen Ernährung. Ob aufgrund aktueller Trends wie Paleo, Clean Eating oder Veganismus – oder aus Anlässen wie Unverträglichkeiten oder Allergien – die Anzahl der Ernährungsformen scheint schier unendlich zu sein.

Generell ist jedoch ein Trend weg von der industriell verarbeiteten Nahrung, hin zu natürlichen Lebensmitteln zu beobachten.

Eine Extremform hiervon ist seit langem die Rohkost-Ernährung. Hierbei werden ausschließlich rohe und unverarbeitete Lebensmittel konsumiert. Doch kann so eine Ernährung auch im Triathlon funktionieren? Wir haben mit Peter Dreverhoff, dem Leiter der Keimling RohAkademie darüber gesprochen.

Peter Dreverhoff
Peter Dreverhoff

Viele Menschen denken beim Begriff „Rohkost“ nur an Gemüsesticks und Salat. Was genau verbirgt sich hinter der Rohkost-Ernährung?

Peter: Diese Einstellung kenne ich und merke immer wieder, dass es für die meisten Menschen unmöglich scheint, hier eine Nahrung zu haben, die genussvoll ist, befriedigt, satt macht und dann auch noch gesund ist. Hinter der Rohkost Ernährung verbirgt sich eine Nahrung, die fast alles, was wir gekocht oder zubereitet zu uns nehmen, auch in der rohen, unverfälschten Form ermöglicht. Die Vorlieben verschieben sich allerdings – wo sonst die Sattmacher aus Reis, Kartoffeln und Brot kommen, liefern unter Rohkostbedingungen frisches Obst und Gemüse die Kohlehydrate.

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Welche Vorteile bringt Rohkost für unseren Körper?

Nicht umsonst sprechen wir beim Kochen, Braten, Backen von einem Denaturierungsprozess. Eine gekochte Tomate sieht ganz anders aus als eine rohe; ein roher Apfel in den Boden gesetzt keimt neu aus – ein gekochter verfault nur. Wenn wir uns die Zutatenlisten vieler Nahrungsergänzungsmittel anschauen, die gerade bei sportlichen Menschen sehr beliebt sind, dann kommen doch die meisten dieser Vitamine, Enzyme, Mineralien und Spurenelemente ursprünglich aus Obst und Gemüse. Da sie extrahiert sind und meistens noch künstlich hergestellt werden, kommen sie in sehr hohen Dosen daher, damit sie im menschlichen Körper überhaupt eine Wirkung entfalten können. Das Naturprodukt mit den ganzen pflanzlichen Begleitstoffen kann hier eine ganz andere Wirkung entfalten und tut es auch. D.h. mit jedem Bissen Rohkost geben wir unserem Körper den Treibstoff, für den unser Organismus wie geschaffen ist: voller unverfälschter Makro und Mikro Nähstoffe.

Rohkost und Ausdauersport/Triathlon: kann das funktionieren?

Naja, ich bin nur ein Gelegenheits-Triathlet, der ein bis zweimal im Jahr nur zum Spaß einen Volkstriathlon absolviert, um die persönliche Fitness einmal im Jahr auf den Prüfstand zu stellen. Dabei fällt mir allerdings auf, dass ich einige Athleten, die wesentlich besser trainiert aussehen als ich, hinter mir lassen kann. Ich kenne auch einen Rohköstler, der es bis in die deutsche Triathlon Nationalmannschaft geschafft hat und dessen Ironmanbestzeit bei 8:40 Stunden liegt.  Heute betreibt er einen eigenes Radsportgeschäft in der Nähe von Freiburg und ist der Rohkost immer noch treu.

Wie lange dauert es, bis sich erste Veränderungen am Körper zeigen?

In den Kursen der Keimling RohAkademie sehe ich erste Erfolge schon nach 7 Tagen 100 % Rohkost. Gerade bei den Kursen, in denen wir das Standard Bewegungsprogramm noch mit Bodyweight- und Functional Training kombinieren, gibt es sichtbare Unterschiede im Muskelaufbau, in der Beweglichkeit, in der Beschaffenheit der Haut und natürlich dem Allgemeinbefinden. Wer langsam einsteigen möchte und z.B. mit einer Rohkost Mahlzeit am Tag anfängt, sollte sich einen Monat Zeit für erste spür- und sichtbare Erfolge nehmen.

Wie funktioniert eine Rohkost-Ernährung im Wettkampf?

Bei mir kleben keine Energieriegel auf dem Oberrohr, ich bediene mich aus den hochkonzentrierten, aber leicht zu verstoffwechselnden Zuckern aus der Natur, ohne eine Zutat aus dem Chemiebaukasten. D.h. Datteln und Feigen sind bei mir dabei und liefern mir neben Zucker auch noch wichtige Mineralien. Dabei versuche ich, die Aufnahme über die Mundschleimhäute zu nutzen und lutsche die Früchte so lange wie möglich.

Nie wieder Kuchen bei der Radausfahrt, kein Eis im Schwimmbad, keine Pasta vor dem Wettkampf? Wie viel Sünde ist im Rahmen einer Rohkost-Ernährung erlaubt?

Alles ist erlaubt, aber ich verzichte lieber auf meine Beschwerden von früher – Asthma, Allergien, beginnende Arthrose in den Knien – und lasse dafür Koch-Experimente beim Essen weg. Ich fühle mich also mit meiner 100 % Rohkost am besten. Aus der Arbeit mit meinen Kursteilnehmern kann ich sagen, wer durch reichliche und regelmäßige Bewegung seinen Ofen immer gut auf Temperatur hält, der verträgt auch mal ein feuchtes Stück Holz als Brennmaterial. Wenn der Ofen allerdings mit niedriger Temperatur überwiegend mit schlechtem Brennmaterial versorgt wird, bleibt dies nicht ohne Folgen. Zudem gibt es jeden Tag wieder die Chance, von neuem in eine natürliche, vitale und voller Mikronährstoffe steckende Rohkost einzusteigen.

100% Rohkost ist vielen Menschen zu radikal – gibt es eine Empfehlung, wie man einzelne Rohkost-Mahlzeiten sinnvoll in die Alltags-Ernährung integrieren kann?

Hier möchte ich zwei Tipps weitergeben: Obst möglich nur auf leeren Magen verzehren, daher bietet sich hier die Frühstücksmahlzeit an, sonst kann es schnell zu Gärungs- und Fäulnis-Prozessen im Verdauungstrakt kommen. Wie wäre eine Obstmahlzeit als Start in den Tag, z.B. auch als Obstsalat, frischgepresster Saft oder grüner Smoothie? Frische Gemüse hingegen können besser mit gekochter Nahrung kombiniert werden, darum immer erst den Salat vor der eigentlichen Hauptmahlzeit. Das wären doch schonmal zwei Möglichkeiten, um mehr frische und lebendige Nahrung aufzunehmen.

Der ultimative Rezept-Tipp für Rohkost-Einsteiger?

Mein Lieblingsrezept, um die Kohlehydratspeicher zu füllen, welches nur mit zwei Zutaten auskommt: 4 reife Bananen schälen und in 3 cm große Stücke gebrochen über Nacht einfrieren. Kurz vor der Mahlzeit die Bananen aus dem Gefrierfach nehmen und mit einer ca. 1 cm dicken Bio-Zitronenscheibe mit Schale im Hochleistungsmixer oder in der Küchenmaschine zu einer festen Creme verarbeiten. Leichter wird die Arbeit, wenn eine frische, nicht eingefrorene Banane mit vermixt wird. Fantastisch – ein leckerer Snack, ohne Michprodukte, Farb- und Geschmacksstoffe, Emulgatoren und Co!

 

Über Stephanie Päthe

Steffie ist die Frau für schöne Dinge. Weil sie gutes Design und das Besondere liebt, gestaltete sie ihren Trainingsplan bis zur Geburt von TIME2TRI mangels gefallender Trainingssoftware noch kreativ per Hand. Steffie macht Sport nicht nur aus Spaß an der Bewegung sondern auch, weil sie Herausforderungen liebt. Apropos: Unsere Kreative liebt das Abhaken von To-Do-Listen und gesundes Essen - ihre Schwachstelle ist allerdings der Ritter Sport-Fabrikverkauf...

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