Unser täglich Brot gib uns heute? Hochleistungssport trotz Zöliakie


Was haben Hannelore Kraft, Sabine Lisicki, Andrea Henkel und Katy Perry – abgesehen von ihrem Geschlecht – gemeinsam?
Sie leiden wie hierzulande etwa 100.000 Menschen an einer Glutenunverträglichkeit, auch Zöliakie genannt.

Doch was verbirgt sich hinter dieser Erkrankung? Und worauf müssen Sportler mit Zöliakie achten? Wir haben Caroline Rauscher, Ernährungsberaterin vieler Spitzensportler und Triathlon-Stars wie Laura Philipp, Nils Frommhold, Julia Gaier oder Eva Wutti, sowie Sabrina Stadelmann, Profi-Triathletin mit Gluten-Unverträglichkeit, dazu befragt.

„Was verbirgt sich hinter Zöliakie und worauf müssen Sportler achten?“

Caroline, was genau ist Zöliakie?

Caroline Rauscher: Zöliakie ist eine Erkrankung, bei der der Mensch überempfindlich auf auf Gluten reagiert. Gluten  oder Klebereiweiß kommt in vielen Getreidesorten vor.
Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, mit  Symptomen einer allergischen Erkrankung.

Gluten löst bei den Betroffenen eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus, was mit einer Zerstörung von Darmepithelzellen einhergeht.
Dadurch werden Nährstoffe aus der Nahrung schlecht verdaut bzw. aufgenommen. Typische Symptome sind Durchfälle, starke Blähungen, Appetitlosigkeit und damit verbundener Gewichtsverlust, aber auch Eisenmangel und Defizite an anderen Mikronährstoffen.

Caroline Rauscher
Caroline Rauscher

Was sollte man bei Zöliakie unbedingt beachten?

Bei Zöliakie sollte man natürlich unbedingt alle glutenhaltigen Lebensmittel meiden, aber auch auf Verunreinigungen von eigentlich glutenfreien Lebensmitteln mit Gluten achten! Leider ist eine glutenfreie Diät im Moment die einzige Art der Therapie.

Deine Top 5 Lebensmittel für Sportler mit Zöliakie?

Mais, Reis, Hirse, Amaranth und Quinoa sind geeignete Kohlenhydratlieferanten für betroffene Sportler.

„Carolines Top 5 Lebensmittel für Sportler mit Zöliakie: Mais, Reis, Hirse, Amaranth und Quinoa“

Sabrina, wann hast du die Zöliakie zum ersten Mal bemerkt und wie wurde sie festgestellt?

Sabrina Stadelmann: Eigentlich war der Befund eher ein Zufall. Als ich mit knapp 19 Jahren Studium angefangen habe, bin ich von zu Hause ausgezogen. Am Wochenende bin ich dann jeweils nach Hause zu meiner Familie in Zürich gefahren. Da mich meine Familie nun nicht mehr so häufig sah, sind ihnen Veränderungen aufgefallen. Sie haben mich drauf angesprochen, dass ich mager geworden sei und sogar auf eine Essstörung spekuliert. Es war für sie schwer zu verstehen, dass ich vor ihren Augen normal esse und dann trotzdem abnehme. Die gastrointestinalen Beschwerden und den Eisenmangel habe ich zunächst dem Stress zugeordnet. Unbewusst habe ich aber gewisse Lebensmittel angefangen zu meiden, um Beschwerden zu umgehen. So habe ich beispielsweise sehr selten Brot und Pasta gegessen und die Kohlenhydrate eher in Form von Reis und Kartoffeln aufgenommen. Nach etwas Online-Recherche habe ich die Selbstdiagnose einer Schilddrüsenüberfunktion gestellt, da dies die Diskrepanz meiner Nahrungszufuhr und meines Gewichts erklären konnte. Anfang 2012 bin ich dann zum Arzt und habe dies über das Blut testen lassen. Mit der Schilddrüse war alles in Ordnung, aber da der Anteil von Gliadin-Antikörper stark erhöht war, wurde dann per Zufall der Befund einer Zöliakie erstellt. Eine Magen-Darm Spiegelung folgte, in der man klar sah, dass die Darmzotten mehrheitlich zurückgebildet waren und dies meine Nahrungsaufnahme erschwerte.

Sabrina Stadelmann - Triathletin mit Zöliakie. Bild: Finisherpix
Sabrina Stadelmann – Triathletin mit Zöliakie. Bild: Finisherpix

Von der Diagnose bis zur Beschwerdefreiheit: wie sah dein Weg aus?

Die Diagnose war nach der Magen-Darm Spiegelung auf dem Papier klar, aber ich brauchte etwas Zeit, um die Konsequenzen davon zu verstehen. Zöliakie kannte ich nur vom Hörensagen. Ich erinnerte mich, dass es bei einem zurückliegenden Ausflug mit der Uni einen Teilnehmer gab, der nur Salat essen durfte, als wir anderen Pasta aßen. Nicht mal ein Stück Brot durfte er dazu essen. Er hat mir sehr leid getan.

Als ich den Arzt am Telefon gefragt habe, was es nun heisse, dass ich Zöliakie habe und was ich noch essen dürfe, hat er nur gelacht und gesagt: „Sie können jetzt praktisch nur noch Wasser trinken und Reis essen!“ So ist es aber zum Glück nicht. Anfangs ist man überrascht, wo überall Gluten enthalten ist und man macht auch anfangs noch viele Diätfehler. So habe ich beispielsweise asiatischen Reis mit Sojasauce gegessen und mich gewundert, wieso ich immer noch gastrointestinale Probleme hatte. Es ist ein Lernprozess, der sich aber lohnt. Mittlerweile habe ich meine Ernährung gut im Griff und fühle mich deutlich besser.

Bild: Adrian Rousseau
Bild: Adrian Rousseau

Was sind deine persönlichen Do’s and Don’ts ?

Zöliakie ist schwarz/weiß: bleibe fern von jeglichen Spuren von Gluten. Dein Darm und dein ganzer Körper danken es dir! Gerade im Leistungssport muss der Körper gesund und leistungsbereit sein. Es lohnt sich!

Deine Top 3 Lebensmittel für Betroffene?

Da ich mich nach dem „low carb high fat“ Prinzip ernähre, ernähre ich mich viel über Sahne, Crème fraîche, Nüsse, etc., die zum Glück von Natur aus glutenfrei sind. Wenn es dann doch etwas anderes sein soll, dann empfehle ich:

  1. Maiswaffeln (super Ersatz zum glutenfreien Brot, das mir weniger schmeckt – kann man verpackt auch gut als Snack mitnehmen)
  2. Alles auf Reisbasis – ich bin ein großer Fan von asiatischem Essen: aber Achtung – die Sojasauce muss glutenfrei sein!
  3. Selbstgebackene glutenfreie Blueberry Muffins von meinem Freund (er verwendet hierfür glutenfreies Mehl der Marke Schär) – das Rezept folgt in Kürze auf der TIME2TRI Knowledge Base 😉

„Sabrinas Top 3 Lebensmittel für Sportler mit Zöliakie: Maiswaffeln, alles auf Reisbasis, selbstgebackene Blueberry Muffins“

Wie sieht deine Ernährung insbes. im Wettkampf aus?

Im Wettkampf ernähre ich mich nur flüssig, da es besser verträglich ist. Hier spielt Gluten eigentlich keine Rolle. Auf dem Rad empfehle ich Sponser Maltodextrin und beim Lauf High5 Isogel (mit Koffein für den letzten Kick).

Was tun im Akutfall: womit kannst du besonders schnell Abhilfe schaffen?

Im Akutfall kann man leider nicht viel machen, außer abzuwarten, bis der Körper sich dieser „Giftstoffe“ entledigt. Man leidet zwar unter gastrointestinalen Beschwerden, aber zum Glück sind diese nicht lebensbedrohlich. Wenn es dann doch mal schneller gehen soll, dann hilft Rizinusöl mit seiner schnellen, abführenden Wirkung.

Über Stephanie Päthe

Steffie ist die Frau für schöne Dinge. Weil sie gutes Design und das Besondere liebt, gestaltete sie ihren Trainingsplan bis zur Geburt von TIME2TRI mangels gefallender Trainingssoftware noch kreativ per Hand. Steffie macht Sport nicht nur aus Spaß an der Bewegung sondern auch, weil sie Herausforderungen liebt. Apropos: Unsere Kreative liebt das Abhaken von To-Do-Listen und gesundes Essen - ihre Schwachstelle ist allerdings der Ritter Sport-Fabrikverkauf...

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