Das Zusammenspiel von Kiefer und Körper – Fazit eines Eigenversuchs


Der Beginn meiner kieferorthopädischen Behandlung liegt bereits über ein Jahr zurück und mein „Fall“ ist mittlerweile erfolgreich abgeschlossen. Nun ist es an der Zeit, ein Fazit zu ziehen und – wie in meinem ersten Artikel zum Thema Sportzahnmedizin bereits versprochen – die Ergebnisse zu präsentieren.

Wenn man das Ausgangsbild betrachtet, stellen sich sicherlich einige von euch die Frage, warum ich mich einer festsitzenden Spangentherapie unterzogen habe, obwohl meine Zähne doch gerade waren?!

Ausgangssituation

Nochmals zur Erinnerung – aufgrund meiner hartnäckigen Nackenverspannungen litt ich häufig unter Kopfschmerzen und hatte vor allem bei längeren Radausfahrten Probleme im Nackenbereich. Nach umfassender Befundung und Funktionsanalyse bei meinem Arbeitgeber dentamedic in Bad Neustadt an der Saale,  konnten wir vergangenes Jahr einige interessante Fakten herausfinden. Ich beschloss, einen Eigenversuch zu starten und unterzog mich zunächst einer Schienentherapie zur Entlastung der Kaumuskulatur. Begleitend erfolgten einige manuelle Therapieeinheiten bei meinem Physiotherapeuten. Durch das Tragen der Schiene und die physiotherapeutischen Maßnahmen im Bereich meiner Kau- und Nackenmuskulatur konnten wir mein Kausystem ,,entkoppeln“ und ein Gespür dafür entwickeln, welche Position mein Unterkiefer ursprünglich anstrebt, einzunehmen.

Zur Erklärung:

Ein normales Gebiss weist einen horizontalen Überbiss (Overjet) von 2 bis 3 mm und einen vertikalen Überbiss (Overbite) von 1 bis 2 mm auf. Die Oberkieferfrontzähne stehen also einen kleinen Tick vor den Unterkieferfrontzähnen und überragen diese um 1 bis 2 mm.

Overjet-Overbite

Bei meinem  Ausgangsbild ist deutlich zu sehen, dass vor allem der Overjet, allerdings auch der Overbite zu gering ausgeprägt sind. Zum leichteren Verständnis – mein Unterkiefer hätte gerne mehr Platz nach vorne, ist jedoch durch das ,,Hindernis“ Oberkieferfront eingesperrt. Mein Kausystem befand sich in einem sogenannten Zwangsbiss.

Wir beschlossen nach Abschluss der Vorbehandlungen die Therapie mit einer festen Zahnspange fortzuführen. Ziel dabei war, den Winkel der Oberkieferfront so einzustellen, dass der Unterkiefer mehr Platz erhält. Eine weitere Maßnahme für das Platzschaffen war das ,,Slicen“ im Unterkieferfrontzahnbereich (minimaler Schmelzabtrag in den Zahnzwischenräumen) und die korrekte Ausrichtung der Zahnachsen.

Spangentherapie

Im Laufe der Behandlungen testeten wir des weiteren alle Zähne kinesiologisch aus. Dabei kamen wir zu dem Ergebnis, dass ein aufgrund einer Nichtanlage des bleibenden Zahnes verbliebener Milchzahn ein Störfeld in meinem System darstellte. Ich entschloss mich dazu, den Milchzahn entfernen und die Lücke durch ein Implantat versorgen zu lassen.

Implantat 35Implantatkrone

Da ich meine Nächte wohl leider wie ein großer Teil der Bevölkerung dazu nutze, durch Pressen und Knirschen meinen Stress abzubauen, trage ich nachts eine Michigan-Schiene (= Aufbissschiene). So wird meine Kausystem entlastet und die Kaumuskulatur verspannt weniger.

Overjet-Overbite

Zur Verlaufskontrolle meiner gesamten Behandlung führten wir vor, während und nach meiner kieferorthopädischen Behandlung 3D-Wirbelsäulenvermessungen und Fußdruckmessungen durch, um klinische Fragestellungen der objektiven und quantitativen Analyse der Körperstatik und -haltung darstellen zu können.

Zimmermann, 4D average _ pedoscan vom 05.01.2017 2

Zimmermann, 4D average_ pedoscan von 10.02.2017 1

 Fazit:

Nach Abschluss meiner Therapie kann ich sagen, dass ich seltener unter Kopfschmerzen und Migräne leide und auch meine Muskulatur im Nackenbereich einen deutlich geringeren Tonus aufweist. Dadurch bin ich im Schultergürtel beweglicher geworden und fühle mich beim Schwimmen bei der Überwasserphase entspannter. Auf dem Zeitfahrrad kann ich eine optimierte aerodynamische Haltung einnehmen, indem ich beispielsweise länger die aktive Position realisieren kann.

Endresultat

Über Laura Zimmermann

Laura ist die Frau, die man im Wettkampf nur von hinten sieht. Die Durchstarterin aus dem Allgäu gilt in ihrer Heimat als die größte Triathlon-Hoffnung bei den Frauen und sammelt neben ihrem Job als Zahnärztin Podiumsplätze wie andere Leute Briefmarken. Bei TIME2TRI ist Laura mit vielen Tipps, Tricks und Einblicken rund um den Triathlon-Alltag mit an Bord.

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