Konzentration – Wohin damit, wenn es anstrengend wird?


Der eine oder andere wird sich mal gefragt haben: worauf konzentriere ich mich am sinnigsten, wenn es anstrengend wird? Denn wir sind ja ständig einer Vielzahl von Reizen ausgesetzt.

Aufmerksamkeit und Konzentration erfüllen dabei die Funktion, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Die Fähigkeit, sie gewinnbringend und sinnvoll auszurichten, unterstützt, eine optimale Leistungsfähigkeit herzustellen. Dabei kann die Aufmerksamkeit in zwei Richtungen gelenkt werden: nach außen und nach innen. External ausgerichtet bedeutet, dass die Aufmerksamkeit auf die Umwelt gerichtet wird, während bei einer internalen Ausrichtung Empfindungen oder Gefühle des Körpers in den Fokus rücken. Wohin sollten Ausdauersportler ihre Aufmerksamkeit jedoch sinnvollerweise richten? Auf die Prozesse im Körper oder auf die Umwelt?

„Wohin sollten Ausdauersportler ihre Aufmerksamkeit jedoch sinnvollerweise richten?“

Es finden sich verschiedenste Belege, die für eine externale Ausrichtung in Aufgaben sprechen, die eine hohe koordinative Leistung erfordern. Beispielsweise fanden Zachry, Wulf, Mercer & Bezodis (2005) in einer mit EMG unterlegten Studie, dass Basketballer Freiwürfe genauer platzierten, wenn sie sich auf den Korb fokussierten, als wenn sie ihre Konzentration auf ihr Handgelenk ausrichteten. Auch für Golfer schient ein externaler Fokus die Erfolgsaussichten zu verbessern (Wulf & Su, 2007).

Wie sieht es nun im Ausdauersport aus, wenn die maximale Leistung abgerufen werden soll?

Schücker, Hagemann, Strauss & Völker (2009) untersuchten den Einfluss der Aufmerksamkeitsausrichtung auf den Sauerstoffbedarf bei Läufern. Sie stellten fest, dass eine nach außen gerichtete Aufmerksamkeit mit einer verbesserten Laufökonomie in Zusammenhang steht. Eine weitere Studie, die in diese Richtung weist, kommt von Williams und Kollegen (2015).

„Sie stellten fest, dass eine nach außen gerichtete Aufmerksamkeit mit einer verbesserten Laufökonomie in Zusammenhang steht.“

Sie untersuchten den Einfluss eines Avatars auf physiologische und psychologische Faktoren während eines Zeitfahrens. Die beste Leistung und Geschwindigkeit wurden konstant erbracht, wenn gegen einen virtuellen Gegner gefahren wurde und somit die Aufmerksamkeit nach außen gerichtet war. Für die wahrgenommene Anstrengung war es jedoch unerheblich, ob die Sportler in einen virtuellen Wettkampf verstrickt waren, sie nur ihren Avartar beobachteten oder ob sie auf einen schwarzen Bildschirm blickten, obwohl sie bei einem schwarzen Bildschirm deutlich weniger Leistung aufs Pedal brachten. Daraus lässt sich schließen, dass ein infernaler Fokus die wahrgenommene Anstrengung größer erscheinen lässt.

Es macht durchaus Sinn in sich zu hören, um nicht zu überpacen. Jedoch ist es im Wettkampf genauso wichtig auf den Gegner zu fokussieren, in harten Trainings Gegner zu visualisieren oder den Trainingspartner und die Umgebung zu beachten, um das Maximum abrufen zu können. Im Techniktraining sollte diese jedoch definitiv im Vordergrund stehen!

Literatur

Linda Schücker, Norbert Hagemann, Bernd Strauss & Klaus Völker (2009). The effect of attentional focus on running economy. Journal of Sports Sciences, 27:12, 1241-1248, DOI: 10.1080/02640410903150467

Williams EL, Jones HS, Andy Sparks S, Marchant DC, Midgley AW, Mc Naughton LR (2015). Competitor presence reduces internal attentional focus and improves 16.1km cycling time trial performance. Journal of Science and Medicine in Sport, 18 (4), 486-491.

Wulf, G. & Su, J. (2007). An External Focus of Attention Enhances Golf Shot Accuracy in Beginners and Experts. Research Quarterly for Exercise and Sport, 78 (4), 384-389.

Zachry, T., Wulf, G., Mercer, J. & Bezodis, N. (2005). Increased movement accuracy and reduced EMG activity as the result of adopting an external focus of attention. Brain Research Bulletin, 67 (4), 304-309.

Über Christian Hoverath

Christian ist unser Mann fürs Köpfchen - seine Beiträge beschäftigen sich mit dem Zusammenspiel aus Körper und Geist. Er ist nicht nur Psychologe sondern auch begeisterter Triathlet und weiß aus erster Hand: Sportler ticken anders. Durch seine Kombination aus Sport und Psychologie kann er nachvollziehen, welche Gefühle mit Sieg und Niederlage einhergehen, wie Druck von außen aber auch innen wächst, aber auch wie Begeisterung und Euphorie antreiben und dabei helfen, die eigenen Ziele zu erreichen und über sich selbst hinauszuwachsen.

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