#BeatTheRecordBreaker – Andi Boecherer im Interview


Andi Böcherer ist mit zwei Siegen bei Crossduathlons und einem starken zweiten Platz bei der Challenge Gran Canaria in seine Triathlonsaison 2018 gestartet. Im Interview erzählt der Freiburger Profi aus seiner konkreten Vorbereitung.

Andi Böcherer, du musstest beim letztjährigen Ironman Hawaii verletzungsbedingt zuschauen und bist früh in diese Saison gestartet. Tat das nach der Auszeit besonders gut?

Naja, wenn der Einstieg dafür schlechter gewesen wäre, hätte ich liebend gern auf die Verletzung verzichtet. Aber das gehört leider zum Sport dazu. Ich hatte über den Winter Zeit, langsam und stabil neue Form aufzubauen. Mein Trainer Lubos Bilek und ich haben dabei einen Schwerpunkt auf das Laufen gelegt und die ersten Rennen haben gezeigt, dass es sich gelohnt hat.

Bei der Challenge Gran Canaria konntest du den Ironman-Weltmeister Patrick Lange auf der Laufstrecke in Schach halten und ihn auf den letzten Kilometern sogar etwas distanzieren, nachdem er fast auf dich aufgelaufen war. Ist das ein Resultat der besseren Lauf-Form?

Vielleicht auch. Allerdings glaube ich, dass meine Renneinteilung auch etwas anders war. Ich bin auf dem Rad weggefahren und musste dadurch etwas mehr Energie investieren als die Verfolger, die in der Gruppe unterwegs waren. Das macht sich beim Laufen ja vor allem auf den ersten Kilometern in weniger Speed bemerkbar. Hinten raus bauten die anderen wohl etwas ab – ich bin ja auch dem späteren Sieger wieder näher gekommen – während ich mein Tempo halten konnte.

Auf dem Rad hast du die Konkurrenz trotz Alleinfahrt und großer Bemühungen durch Lange und Sven Riederer stehen gelassen und dein Cube Aerium zwei Minuten vor den anderen in die Wechselzone gestellt. Auch dort scheint die Form zu stimmen?

Ja, die ist schon ganz ok. Allerdings habe ich mich noch nicht wirklich wie eine Dampframme gefühlt. Wir haben im Vorfeld viel an der Sitzposition und am Material gefeilt und das hat sich ganz offensichtlich ausgezahlt.

©Marcel Hilger
©Marcel Hilger

Dürfen wir von den Änderungen erfahren?

Mit Fe226 habe ich einen neuen Ausrüster für die Wettkampfbekleidung – auf der Radbahn haben wir festgestellt, dass die Anzüge für mich sehr, sehr gut funktionieren. Der Standard-Suit ohne Ärmel war schon schneller als alle Aero-Anzüge, die ich bisher getragen habe. Und das neue Rennmodell mit Armen spart mir auf einer Langdistanz 3 bis 4 Minuten, was zwischen zwei Zeitfahranzügen eine Menge ist. Dass beide Anzüge so gut sind, hat mich ehrlich gesagt etwas überrascht. Aber das nehme ich natürlich gern mit!

Zum anderen haben wir auf der Radbahn und im Labor zusammen mit STAPS und GebioMized an meiner Sitzposition gedreht. Durch den Austausch des Sattels kann ich mein Becken stärker rotieren und dadurch flacher und gestreckter auf dem Rad sitzen. Das und den Wechsel von 175 – auf 170-Millimeter-Kurbeln haben wir vorher im GebioMized-Labor getestet und auf der Bahn gesehen, wie viel wir damit gewinnen können. Durch zusätzliche Anpassungen am Cockpit haben wir noch weitere Verbesserungen erreicht.

©Marcel Hilger
©Marcel Hilger

Welche Anpassungen meinst du?

Zum Beispiel ist mein Lenker jetzt etwas höher, die Pads stehen breiter und die Extensions sind vorn angewinkelt. Das ist immer eine individuelle Sache, aber in meinem Fall war das in Summe ein großer Schritt voran.

Der sich gegen starke Konkurrenz auf Gran Canaria gleich ausgezahlt hat?

Das war der erste richtige Test unter Wettkampfbelastung. Und ich bin sehr happy mit dem Ergebnis. Allerdings passen wir jetzt nochmal ein paar Kleinigkeiten an. Die perfekte Sitzposition ist eben immer ein Prozess und nicht mit einem einzelnen Test abgeschlossen. Auf Gran Canaria konnte ich aber auch zum ersten Mal meinen neuen Zone3-Neoprenanzug im Rennen testen und hatte neue Laufräder von Zipp montiert. Insgesamt war es wichtig, das neue Material im Renneinsatz zu haben – und ich bin sehr, sehr zufrieden mit meinem Set-up!

Der nächste Härtetest steht am kommenden Wochenende beim Buschhütten Triathlon an. Im Gegensatz zu Gran Canaria warten diesmal keine 58 Steigungen, sondern eine flache Strecke auf der Stadtautobahn auf euch. Was rechnest du dir dort aus?

Ich glaube, dass mir das sehr gut liegt und habe ja auch die letzte Auflage dieses Frühjahrsklassikers gewonnen. Spätestens nach den angesprochenen Verbesserungen habe ich den Radstreckenrekord von Sebastian Kienle im Blick. Den würde ich gern knacken, weiß aber natürlich, dass das stark von den Bedingungen abhängt.

©Marcel Hilger
©Marcel Hilger

In Buschhütten triffst du erneut auf Patrick Lange. Kann er sich auf einer weniger anspruchsvollen Strecke vielleicht revanchieren für die Niederlage auf Gran Canaria?

Ehrlich gesagt: Ich glaube, dass mir die flache Radstrecke eher noch besser liegt – und ihm weniger. Ich bin muskulöser, größer und damit schwerer als Patrick und kann deutlich höhere Wattzahlen treten. Das kann und werde ich auf der Autobahn noch besser ausspielen können als beim ersten Aufeinandertreffen. Ich freue mich auf ein Re-Match! Er nutzt den Hashtag #BeTheRecordBreaker, ich würde gern  etablieren.

Über Stephanie Päthe

Steffie ist die Frau für schöne Dinge. Weil sie gutes Design und das Besondere liebt, gestaltete sie ihren Trainingsplan bis zur Geburt von TIME2TRI mangels gefallender Trainingssoftware noch kreativ per Hand. Steffie macht Sport nicht nur aus Spaß an der Bewegung sondern auch, weil sie Herausforderungen liebt. Apropos: Unsere Kreative liebt das Abhaken von To-Do-Listen und gesundes Essen - ihre Schwachstelle ist allerdings der Ritter Sport-Fabrikverkauf...

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