Behind the scenes: ein Besuch bei everve in Albstadt


Auf der schwäbischen Alb, ungefähr zwischen Stuttgart und dem Bodensee, liegt das kleine Örtchen Albstadt. Heute kaum mehr bekannt, war die Region bis in die 70er Jahre hinein die Hochburg der Textilindustrie und einer der führenden Industriestandorte. Durch immer weiter steigende Kosten und die zunehmende Konkurrenz aus dem Ausland verwaisten jedoch immer mehr der Industriebauten und eine Ära ging langsam aber sicher zu Ende.

Das Potential der alten Gerätschaften, aber auch der Menschen, die die Hochphase der Textilindustrie miterlebt und mitgeprägt haben, zu nutzen – das ist das Geheimrezept einiger junger Unternehmen, die nicht nur ihren Ursprung sondern mittlerweile auch den Mittelpunkt ihrer Geschäftstätigkeit in der schwäbischen Alb haben. Eines dieser Unternehmen ist everve. Die Mission: die beste Radhose der Welt zu produzieren.

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Everve – der Name besteht aus zwei Worte: ever und verve. Er bedeutet übersetzt so viel wie „immer in Bewegung“. Immer in Bewegung sind auch die beiden Gründer und Inhaber des Startups, Andreas und Stephan Wolfer. Die Brüder sind von Kindesbeinen an begeisterte Straßenradsporler. Im Laufe der Jahre machten sie vor allem eine Beobachtung: in dem selben Maß, in dem Rennradsättel immer schmaler und härter wurden, nahmen die Polsterungen der Radhose zu. Doch ein dickes Polster ist keine Pauschallösung gegen schmerzhafte Druckstellen und Reibungen – im Gegenteil: neben dem Gefühl, eine Windel zu tragen, reibt es oft unangenehm und bietet vielen Bakterien eine wahre Wohlfühloase.

Sandra und ich durften einen Tag mit Stephan und Andreas verbringen um zu erfahren: was ist die Lösung von everve für lange, schmerzfreie Radausfahrten und wie sieht die beste Radhose der Welt wohl aus?

Ein Tag bei everve – wie alles begann

Ein unscheinbarer Industriebau, wie man ihn auf dem Weg nach Albstadt häufig sieht. Ein kleines Schild mit dem everve-Logo weist uns den Weg zu den beiden Brüdern, die uns entspannt und offen empfangen. Schnell kommen wir ins Gespräch und merken: die Begeisterung  und die Hingabe der beiden Albstädter für den Radsport und ihr Produkt sind zu 100% echt.

„die perfekte Radbekleidung ist die, bei der du nicht nachdenken musst, ob alles sitzt sondern bei der du einfach nur drauf los fahren kannst“

Aufgewachsen in Albstadt, entdeckten sie bereits im Kindesalter ihre Begeisterung für den Radsport, bis zum Beginn des Berufsleben bestimmte er jede freie Minute ihres Lebens.  Mama Wolfer kommt bei unserem Gespräch kurz vorbei und bestätigt: „die ganze Familie ist fahrradverrückt – schon immer!“

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Schon immer gab es für die Brüder auch ein Problem: Radbekleidung zu finden, die man im Einsatz auf dem Rad nicht spürt, mit der man sich zu 100% auf das Radfahren konzentrieren kann. Vor fast 10 Jahren fingen die beiden daher an, an der perfekten Radhose zu tüfteln. Eine Hose, an der einfach alles passt – insbesondere das Sitzpolster, das die Schnittstelle zwischen Fahrer und Rad darstellt. Der erste Prototyp wurde noch mit Mama Wolfers Nähmaschine produziert, in ihrem eigenen Umfeld getestet und weiter entwickelt. Stephan lacht, wenn er an die ersten Schritte zurückdenkt: ein Sattel ohne Polster und falsch sitzende Nähte führten zu dem ein oder anderen blutigen Testergebnis – und wir merken: auch die beste Radhose der Welt hat einmal klein angefangen.

vom Prototypen zur Marktreife

Im Jahr 2011 haben Stephan und Andreas es schließlich gewagt und eigene Produktionsflächen samt Spezialmaschinen angemietet, wenig später kam die erste eigene Kollektion auf den Markt. Dabei immer im Fokus: Radbekleidung zu schaffen, die sie selbst jeden Tag gerne nutzen, erstklassig in Passform, Funktion und Material.

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Es sollte weitere 4 Jahre dauern, bis die heutige erfolgsversprechende Idee umgesetzt wurde: die me-Hose, für die sogar zwei Patente angemeldet wurden. Dahinter verbirgt sich eine völlig neue Radhose: die erste Radhose mit individualisierbaren Polstern. Sie lässt sich für jeden Fahrer und für jedes individuelle Bedürfnis so ausstatten, dass sie perfekt sitzt – mit einem Polster, das gerade so dick ist wie nötig, aber eben auch nicht darüber hinaus. Dabei spielt eine ganze Palette von Faktoren eine Rolle: die Sitzposition, das Körpergewicht, der Sattel.

Mit Hilfe eines Konfigurators wird daraus die passende Polsterstärke errechnet. Der Clou: die Polster sind nicht fest mit der Hose vernäht sondern werden in kleinen, nahtfreien Taschen positioniert und können jederzeit ausgetauscht und vergrößert / verkleinert werden.

Käufer, die direkt im Fabrikverkauf vor Ort ihre Hose kaufen, kommen auf Wunsch sogar in einen ganz besonderen Genuss: eine individuelle Druck-Analyse auf dem eigenen Rad. Stephan misst mittels einem Spezialgerät, wie viel Druck auf dem Sattel verteilt ist – und zeigt so anhand verschiedener Vergleiche, wie erstaunlich wenig Polster man tatsächlich benötigt.

alles aus einer Hand

Qualität, Design, Regionalität. Das ist, worauf die Macher von everve besonders großen Wert legen. Von Idee, Design, Schnitten hin zu Produktion und Versand kommt alles aus einer Hand. Die Materialien kommen, wo möglich aus der näheren Umgebung. Wir sind beeindruckt von der hochwertigen Verarbeitung und dem durchdachten Design der Kleidungsstücke.

Inmitten der Maschinen steht eine Schneiderpuppe in Rennrad-Position. Wo es so etwas zu kaufen gibt? Gar nicht!

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„das ist ein Problem bei vielen Herstellern, dass die Klamotten an stehenden Puppen vermessen werden und dann in der endgültigen Position nicht mehr richtig sitzen“, erklärt uns Stephan. Seine Lösung: ein Nachmittag mit einer Portion Gips in der heimischen Küche – wir hätten mit ihm nicht tauschen wollen, wenn wir es uns vorstellen, wie er dort stundenlang ruhig in Rennrad-Position verharren musste, bis der Gips trocken war. Aber genau das ist es, was das Unternehmen für uns so sympathisch und authentisch macht: der Blick fürs Detail – und die Gabe, auch mit wenigen Mitteln und cleveren Tricks etwas zu schaffen, wovon viele große Hersteller meilenweit entfernt sind.

Mittlerweile 10 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen – allesamt aus der näheren Umgebung. Die Nähmaschinen erzählen eine Geschichte von jahrelanger Nähtradition und Handwerkskunst – bereit, sich auch in der Zeit von Digitalisierung und Automatisierung Stich für Stich zu behaupten und den Radfahrern dieser Welt ein neues Fahrerlebnis zu verschaffen.

die Welt von everve

Ihr seid neugierig geworden? Die Produkte von everve bekommt ihr im unternehmenseigenen Online-Shop sowie vor Ort in ihrem Factory Store.

Von uns gibt es ein ganz großes „Daumen hoch!“ für die Idee, die Passion und die Umsetzung – danke für den interessanten Nachmittag und den Einblick in euer Unternehmen!

Über Stephanie Päthe

Steffie ist die Frau für schöne Dinge. Weil sie gutes Design und das Besondere liebt, gestaltete sie ihren Trainingsplan bis zur Geburt von TIME2TRI mangels gefallender Trainingssoftware noch kreativ per Hand. Steffie macht Sport nicht nur aus Spaß an der Bewegung sondern auch, weil sie Herausforderungen liebt. Apropos: Unsere Kreative liebt das Abhaken von To-Do-Listen und gesundes Essen - ihre Schwachstelle ist allerdings der Ritter Sport-Fabrikverkauf...

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