Wie im Märchen: Paratriathletin Christiane Reppe im Portrait


Live your dream – no limits! Das ist das Motto von Christiane Reppe. Christiane ist eine echte Powerfrau und gehört zu den erfolgreichsten deutschen Spitzensportlerinnen. 

Im Alter von fünf Jahren musste Christiane aufgrund eines bösartigen Nerventumors das rechte Bein amputiert werden, bis heute verzichtet Christiane auf eine Prothese. Wer Christiane kennenlernt, der merkt schnell: Trübsal blasen passt so gar nicht zu diesem gut gelaunten Energiebündel, deren Bewegungsdrang schier keine Grenzen zu kennen scheint. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie bereits heute, im Alter von 31 Jahren, auf eine steile Karriere zurückblicken kann.

Christiane und ich haben dasselbe Baujahr. Was sich in den folgenden Zeilen so einfach liest, muss man sich wirklich einmal bildhaft anhand seines eigenen Lebenslaufs vorstellen, um das Ausmaß der Leistung wirklich zu begreifen. Übrigens: parallel zu ihrer sportlichen Karriere ging Christiane übrigens ganz normal wie wir alle zur Schule und absolvierte nach dem Schulabschluss noch erfolgreich ein BWL-Studium!

Christiane
Christiane

Von 0 auf WM

Bereits mit zwölf Jahren startete Christiane ihre Sportkarriere im Schwimmen und qualifizierte sich im Winter 2002 im Alter von 15 Jahren für ihre ersten Weltmeisterschaften, bei denen sie zwei Bronze-Medaillen gewann. Das intensive Training am Bundesstützpunkt Dresden zahlte sich aus und so gewann sie nur zwei Jahre später bei ihren ersten Paralympics in Athen 2004 zweimal Bronze in den Einzeldisziplinen 100m und 400m Freistil.

„Bereits im Alter von 15 Jahren, qualifizierte sich Christiane für ihre ersten Schwimm-Weltmeisterschaften.“

Ausgezeichnet dafür wurde sie im selben Jahr mit dem Silbernen Lorbeerblatt – der höchsten verliehenen sportlichen Auszeichnung in der Bundesrepublik Deutschland. Nach einer Teilnahme an den Paralympics in Peking 2008 sowie den Paralympics in London 2012, bei denen sie neben mehreren Finalteilnahmen einen 5. Platz über 400m Freistil erschwamm, beendete die damals 21-jährige Christiane ihre Schwimmkarriere.

Christiane mit ihrem Handbike
Christiane mit ihrem Handbike

Eigentlich wollte sie damals auch den Leistungssport an den Nagel hängen – bis sie ein Jahr später ihre Liebe zum Handbike entdeckte und fortan auf Rädern durchstartete. Bereits in ihrer ersten Saison war Christiane ganz vorn mit dabei und schaffte es durchgängig, bei allen Wettkämpfen einen Medaillenplatz zu belegen. Während eines Weltcups qualifizierte sie sich für ihre erste Weltmeisterschaft in Greenville, USA. Einige Wochen später gewann sie als Newcomerin völlig überraschend Gold im Straßenrennen und Bronze im Einzelzeitfahren. Damit legte sie den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft in der Handbike-Szene.

Im Sommer 2015 schaffte sie es, neben dem erneuten Weltmeistertitel im Straßenrennen einen neuen Weltrekord über die Marathondistanz in einer Zeit von 01:00:26h aufzustellen. 2016 krönte Christiane ihre bisherige Sportkarriere mit einer Goldmedaille bei den Paralympics in Rio de Janeiro. „Ich wusste immer, dass ich das Zeug dazu habe mal ganz oben zu stehen! Nun ist mein Traum endlich in Erfüllung gegangen!“ sagte sie nach ihrem Sieg.

Der Traum von Doppel-Gold

Auch nach dem großen Erfolg bei den Paralympics in Rio de Janeiro stand das Handbike nicht still. Christiane wollte sich einen weiteren Traum erfüllen: Den Traum von Doppel-Gold bei einer Weltmeisterschaft. Dieser Traum wurde zu einem echten Abenteuer und im Sommer 2017 zunächst durch einen kleinen Fehler seitens des Verbandes durchkreuzt: Nachdem sich Christiane die ganze Saison intensiv auf die WM vorbereitet hatte, bekam sie zwei Wochen vor dem geplanten WM Start von ihrem Verband gesagt, man hätte vergessen sie dafür zu melden. Eine Nachmeldung wäre nicht möglich, dafür sei es bereits zu spät.

Christiane
Christiane

Den Kopf in den Sand stecken? Das gibt es bei Christiane nicht. Sie entschied sich für echtes Teamplay: Wenn sie selbst nicht an der Startlinie stehen konnte, dann wollte sie zumindest ihr Team supporten. Kurzer Hand entschloss sie sich daher dazu, dennoch – nur mit Rollstuhl und ohne ihr Handbike – als Teil der Deutschen Nationalmannschaft nach Südafrika zu reisen, um vor Ort ihre Teamkollegen anzufeuern und zu unterstützen. Angekommen in Südafrika, drei Tage vor dem Wettkampf, bekam sie noch im Auto den Anruf, dass der Internationale Radweltverband UCI eine Nachmeldung nun doch zulassen würde. Nur: eine Weltmeisterschaft ohne Bike? Das war nicht möglich.

„Eine Weltmeisterschaft ohne Bike? Das war nicht möglich.“

Dann passierte etwas Unglaubliches! Ihr Vater, der sie schon von Beginn an unterstützte, flog mit dem nächsten Flieger, das Handbike im Gepäck, nach Südafrika. Und Christiane nutzte diese Chance und gewann zweimal Gold. Eine Geschichte, wie es sie nur im Märchen gibt!

Christiane
Christiane unterstützt auch ihre Teamkolleginnen und -kollegen, wo sie kann

Auf zu neuen Abenteuern

Nach ihrem Erfolg  bei der WM 2017 hatte Christine alles erreicht, wovon sie geträumt hatte. Aber anstatt das Handbike nun an den Nagel zu hängen, suchte sie sich eine neue Herausforderung: zum Schwimmen und Handbike kam nun noch der Rennrollstuhl hinzu, sodass Christiane seit dem letzten Jahr die Herausforderung Paratriathlon in Angriff nimmt. Das Ziel: ihre fünfte Teilnahme bei den Paralympics. Nach nur wenigen Wochen Training sicherte sich Christiane bei ihrer ersten Teilnahme an einem Paratriathlon auf Madeira den ersten Platz und merkte schnell: Paratriathlon wird ihre neue Leidenschaft!

Als Teil der Deutschen Paratriathlon Nationalmannschaft bereitet sie sich derzeit auf die Paralympics in Tokyo 2020 vor. Aber natürlich hat Christiane auch schon weitere Pläne: der Start beim IRONMAN auf Hawaii.

Über Stephanie Päthe

Steffie ist die Frau für schöne Dinge. Weil sie gutes Design und das Besondere liebt, gestaltete sie ihren Trainingsplan bis zur Geburt von TIME2TRI mangels gefallender Trainingssoftware noch kreativ per Hand. Steffie macht Sport nicht nur aus Spaß an der Bewegung sondern auch, weil sie Herausforderungen liebt. Apropos: Unsere Kreative liebt das Abhaken von To-Do-Listen und gesundes Essen - ihre Schwachstelle ist allerdings der Ritter Sport-Fabrikverkauf...

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