Von 0 auf Mitteldistanz: Trainer Manuel Wyss im Interview


Manuel Wyss ist 43 Jahre alt, studierter Jurist seit 20 Jahren Triathlet und Läufer, davon die ersten 15 Jahre sehr leistungsorientiert und die letzten 5 als Profi-Athlet im Ironman Circuit unterwegs. Zudem ist er seit 7 Jahren auch Trainer, unter anderem in den Jahren 2014/2015 von Patrick Lange und seit diesem Jahr von unserem Triathlon-Rookie Christopher.

„Ist ein Einstieg «von 0 auf Mitteldistanz» nicht viel zu riskant?“

Nach Christophers erstem Bericht und dem Titel „von 0 auf Mitteldistanz“ kam zurecht die Frage auf: ist das nicht viel zu riskant? Und tatsächlich sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der Formaufbau eines Triathlon-Rookies langsam und gezielt erfolgt. Doch wieviel Formaufbau braucht ein Athlet und wann kann er auch schon direkt in seinem ersten Jahr ein Rennen über die Mitteldistanz bestreiten?  Wir haben mit Manuel Wyss über das Projekt von ihm und seinem Schützling gesprochen.

Christophers Trainer Manuel Wyss. Foto: triyourlife
Christophers Trainer Manuel Wyss. Foto: triyourlife

Von 0 auf Mitteldistanz im ersten Jahr“ ist ein gewagtes Projekt. Was hat dich dazu bewogen, Christopher auf diesem Weg zu begleiten?

Christopher ist ambitioniert und motiviert – und es macht Spaß, mit ihm zu arbeiten. Ein Vorteil bei ihm ist es, dass er als Jugendlicher schon leistungsmäßig Fussball trainiert und gespielt hat und er über eine hervorragende körperliche Grundfitness verfügt.

Welche körperlichen Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit das Projekt gelingen kann?

Christopher muss gesund und verletzungsfrei sein, und wie gesagt: sein Körper ist ja bereits über viele Jahre hinweg gewohnt, Sport zu treiben und auch spezifisch zu trainieren. Einzig bei den Umfängen gibt es zu beachten, dass die Belastung auf seine Gelenke und Sehnen nicht zu groß ist und eine Steigerung langsam erfolgt.

Sanfter Einstieg in den Triathlonsport: Christopher nach seinem ersten Triathlon in Hamburg. Foto: privat

Welche Risiken siehst du bei diesem Projekt und wie steuert ihr proaktiv dagegen?

Eine Verletzung durch Überbelastung kommt sehr häufig vor. Da versuchen wir, mit Stabilitäts- und leichtem Krafttraining seinen Körper optimal vorzubereiten, um diesen Problemen aus dem Weg zu gehen. Des Weitern gehören Dehnen und Blackroll oder Massage zur wöchentlichen Routine dazu.

Welchen Einstieg empfiehlst du deinen Athleten für gewöhnlich, wenn sie mit dem Triathlonsport beginnen wollen?

In meinen Augen ist es wichtig, relativ sanft in den Sport einzusteigen. Es macht also wenig Sinn, von null in 4 Monaten einen IRONMAN bestreiten zu wollen. Unsere Zeit ist aber schnelllebiger geworden, die Menschen haben keine Lust mehr, 5 Jahre oder mehr die eigene Form aufzubauen, um dann ihren „großen Tag“ zu haben. Daher ist eine Pauschalaussage sehr schwer, es hängt enorm davon ab, was die Athletin/ der Athlet mitbringt: kommt er aus einer anderen Sportart, hat sie oder er schon mal fokussiert auf etwas hintrainiert? Ebenfalls wichtig ist, dass die Person ein Ziel hat und darauf hinarbeiten kann. Das ist in meinen Augen mit das Wichtigste – viele wissen gar nicht, was ein Training über mehrere Monate heißt, auf was sie sich da einlassen.

Profi und Trainer: Manuel Wyss. Foto: Isaak Papadopoulos
Profi und Trainer: Manuel Wyss. Foto: Isaak Papadopoulos

Wie sieht eine typische Trainingswoche im Projekt „von 0 auf Mitteldistanz“ aus?

Eine typische Woche gibt es nicht, meine Trainings passen sich den Möglichkeiten und Freiräumen von Christoper an. Er steigt sicher 1x ins Wasser, im Sommer auch ins Freiwasser, 1-2x aufs Rad, läuft 1-2x und macht Krafttraining. Ein ganzer Ruhetag ist auch noch da, einfach um sich mal vom Sport zu lösen, sich mit Freunden zu treffen, Essen zu gehen und die Seele baumeln zu lassen.

Zu guter Letzt: deine Prognose für Christophers Mitteldistanz-Debut?

Basierend auf seinen bisherigen Leistungen hoffe ich, dass er nach 5h im Ziel ist.

Über Stephanie Päthe

Steffie ist die Frau für schöne Dinge. Weil sie gutes Design und das Besondere liebt, gestaltete sie ihren Trainingsplan bis zur Geburt von TIME2TRI mangels gefallender Trainingssoftware noch kreativ per Hand. Steffie macht Sport nicht nur aus Spaß an der Bewegung sondern auch, weil sie Herausforderungen liebt. Apropos: Unsere Kreative liebt das Abhaken von To-Do-Listen und gesundes Essen - ihre Schwachstelle ist allerdings der Ritter Sport-Fabrikverkauf...

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