Als Fisch im Haifischbecken: Sabrina Stadelmann im Portrait


Sabrina Stadelmann startet in diesem Jahr in ihre erste Saison als Profi-Triathletin. Ein mutiger Schritt für die 26jährige Schweizerin, die erst über Umwege zum Triathlonsport gefunden hat. Gleichzeitig beginnt in 2018 auch für TIME2TRI und Sabrina das erste Jahr der Zusammenarbeit. Gemeinsam werden wir für euch viele spannende Projekte Realität werden lassen.

Damit ihr sie besser kennenlernen könnt, hat Sabrina uns einige interessante Details über sich und ihre erste Profi-Saison verraten. Warum auch größere Rückschläge langfristig zum Erfolg führen können, welche Rolle Brett Sutton und sein Team bei ihrem Training spielen und wie es ist, sich als Jung-Profi der internationalen Konkurrenz zu stellen? Lest selbst!

Sabrina Stadelmann startet in diesem Jahr in ihre erste Saison als Profi-Triathletin.

TIME2TRI: Schwimmen, Radfahren, Laufen – wie hast du deinen Weg zum Triathlon gefunden?

Sabrina:  Als Kind bin ich schon viel geschwommen, habe dann aber in meiner Jugend aufgehört und bin in eine Züricher Frauen-Basketballmannschaft gewechselt. Das Trainieren und Kämpfen in der Gruppe hat mir zwar Spaß gemacht, aber ich habe auch schnell gemerkt, dass man stark von den anderen Teammitgliedern abhängig ist. Wenn einige Spieler unregelmäßig ins Training kommen, ist das Team im Match, wenn es darauf ankommt, nicht richtig eingespielt.

Auch habe ich gespürt, dass es nicht der richtige Sport für mich ist – denn schon von meinem eher zierlichen Körperbau her bin ich in diesem Sport benachteiligt.  In der Regionalauswahl hat der Trainer es dann auf den Punkt gebracht: ich könne super laufen, sei flink und schnell beim Ball, aber das Ballgefühl fehle noch, um ins Regionalkader aufgenommen zu werden.

Zwischenzeitlich habe ich dann eine Ausbildung zum Fitness- und Spinninginstructor gemacht und mich etwas in der Fitnesswelt bewegt und habe meine Leidenschaft für das Schwimmen wieder gefunden. Ich bin dann während meines Bachelorstudiums dann doch wieder ins Hallenbad zurückgekehrt und im Uni-Schwimmteam drei mal pro Woche mitgeschwommen.

Bild: Adrian Rousseau
Bild: Adrian Rousseau

Als Nebenverdienst zu meinem Studium habe ich Spinningkurse geleitet und auch ab und zu bin ich anschließend noch gelaufen (oder wie ich später lernte: „gekoppelt“). Eine meiner Kolleginnen hat mich ab und zu beobachtet und mir dann den Triathlon mit ihren eigenen Erfahrungen schmackhaft gemacht. Ich war total fasziniert von dieser Herausforderung und habe sogleich nach einem Triathlonverein in Zürich gegoogelt. Schon nach den ersten Trainings im Verein habe ich mich dann 2012 erst für einige Wettkämpfe angemeldet und nach meinem Debut beim Ironman 70.3 Rapperswil hat es mich richtig gepackt. Ich habe mir dann einen Coach gesucht, um es „professioneller“ anzugehen.

Erlebnisse und Emotionen – was waren die bislang schönsten Erlebnisse in deiner Triathlon-Karriere?

Meine bisherige Triathlon-Karriere ist geprägt von sehr vielen schönen Erlebnissen, aber auch von ein paar „Downs“.

Durch den Triathlon lernt man immer wieder neue Leute und Orte kennen. Man findet sehr schnell Anschluss über den Sport – wie während meinem Austauschsemester im Herbst 2013 an der University of California, San Diego. San Diego ist gefüllt von Surfern und Triathleten. Schnell wurde ich auf eine lokale Trainingsgruppe aufmerksam und dort herzlich aufgenommen.

Gerade das Reisen und Bestreiten von Wettkämpfen unter unterschiedlichsten Bedingungen macht den Triathlonsport für mich faszinierend. Zu meinen Highlights gehören mein erster Overall-AK Sieg bei den Frauen 2014 beim Ironman 70.3 Silverman (Las Vegas) oder der Overall AK Sieg bei den Frauen in meinem Heimrennen Zürich 5150 auf der olympischen Distanz.

Emotional schöne Momente für mich waren mein erster Zieleinlauf beim IM 70.3 Rapperswil 2012, als mein Vater und meine Schwester überraschend im Ziel standen oder mein 5. Platz damals bei der Ironman 70.3 WM Zell am See 2015, weil meine ganze Familie mitgereist ist und mich da unterstützt hat. Dieser Support von meinen Liebsten bedeutet mir sehr viel!

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Natürlich hat man ab und zu auch „Downs“. Ich bin vom Typ her sehr ehrgeizig – nicht umsonst ist mein Lebensmotto „be your best“. Mein größter Konkurrent bin ich selbst und ich gebe mir Mühe, überall das Beste zu geben: sei es im Doktorandenstudium, als Tochter/Schwester/Freundin oder im Triathlon. Dies kann zeitlich jeweils sehr viel werden und mein Körper reagiert auf diese Überbelastung dann mit Stressfrakturen. Die Stressfraktur war aber einmal auch ein Glücksfall. Gerade einen Tag vor Abflug ins Trainingscamp bei Brett Sutton im April 2016 wurde eine Stressfraktur in meiner rechten Ferse diagnostiziert. Ich dachte schon, das Trainingscamp sei nun vergebens – aber Brett hat mir viel alternatives Training gezeigt und v.a. auch, wie derartige Verletzungen in Zukunft möglichst vermieden werden können. Über eine Freundin bin ich dann in Kontakt zu Joseph Spindler (European Head Coach Trisutto) geraten und er hat mich trotz Verletzung aufgenommen und mich innerhalb von 7 Wochen so gut auf die EM der olympischen Distanz in Lissabon 2016 vorbereitet, dass ich ohne richtiges Lauftraining dazwischen den 3. Rang in der AK 25-29 mit dem zweitschnellsten Run-Split overall sichern konnte. Somit war dieses „Down“ ein langfristiges „Up“ :-)

Warum hast du dich dazu entschlossen, ab der Saison 2018 als Triathlon-Profi zu starten?

Ich mag Herausforderungen, um mich stets weiterentwickeln zu können. Mit der Trainingsphilosophie und Betreuung von Jo Spindler konnte ich mich gut weiterentwickeln und einige Erfolge feiern. Nun ist es an der Zeit, mich mal mit einem anderen Umfeld zu messen, um mich weiter voranzutreiben und neue Herausforderungen zu finden.

Welches Ziel hast du für deine erste Saison?

Der Start als Profi ist physisch sowie psychisch eine neue Herausforderung. Mein Ziel für diese Saison ist es, mich in dieser neuen Szene etwas einzuleben, um mich dann stetig nach Vorne zu arbeiten.

Wie sieht deine derzeitige Saisonplanung 2018 aus?

Momentan befinde ich mich noch im Trainingslager auf Mallorca mit meinem Trainer Jo Spindler und seinen anderen Profi-Athleten. Diese Saison werde ich hauptsächlich Mitteldistanzen bestreiten, wobei meine Heimrennen IM 70.3 Rapperswil und Zurich 5150 nicht fehlen dürfen. Meine erste Mitteldistanz wird die Challenge Rom sein am 15.04. – die Rennen danach müssen mehrheitlich noch von Jo abgesegnet werden. :-)

Was ist die größte Herausforderung, mit der man als Jung-Profi beim Start in die Profi-Karriere zu kämpfen hat?

Als Jung-Profi fühlt man sich ein bisschen wie ein Fisch im Haifischbecken. Wir Jungen sind neugierig und motiviert, aber die Älteren haben uns jahrelange Erfahrung voraus.
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Für uns ist noch alles Neuland, was es oft schwierig, aber natürlich auch spannend macht. Als Jung-Profi muss man sich zuerst in der Szene etablieren und dort einen Namen machen. Leider (oder vielleicht zum Glück) geht dieser Weg nur über eigene Erfahrungen – sowohl positive, als auch negative.

Womit verbringst du deine Zeit am Liebsten, wenn du nicht gerade sportlich aktiv bist?

Um ehrlich zu sein, bin ich neben dem Sport meistens mit meiner Doktorandenstelle an der Universität St.Gallen beschäftigt. Als Teil meiner Dissertation untersuche ich beispielsweise den Effekt von Sport auf die kognitiven Fähigkeiten älterer Personen in Europa. Die Forschung bereitet mir großen Spaß und ist sicherlich eine meiner größten Leidenschaften neben dem Triathlon. Wenn ich dann doch mal Zeit nebenbei habe, reise ich viel, unternehme  gerne etwas draußen in der Natur oder mache mir einen ruhigen Abend zu Hause mit einem leckeren Essen.

A propos Ernährung. Gerade im Profi-Bereich spielt diese eine entscheidende Rolle. Wie sieht deine Ernährungsstrategie aus?

Da ich Zöliakie habe, ist meine Ernährung etwas eingeschränkt. Dies ist aber eigentlich nur ein Problem, wenn ich nicht selber kochen kann (bspw. bei Wettkämpfen im Ausland). Deshalb habe ich immer einen kleinen Notvorrat im Gepäck, damit ich nicht verhungere 😊 Außerdem esse ich nun seit etwa einem Jahr auf Empfehlung meines Trainers sehr fettreich und kohlenhydratreduziert. Das heißt, ich esse viel Sahne, Creme Fraiche, aber auch Käse oder Nüsse. Somit kann ich bei gleicher Kalorienmenge ein geringeres Volumen aufnehmen, sodass ich zwar genügend Energie für die Trainings habe, mein Magen zwischen den mehreren täglichen Sessions jedoch nicht überfüllt werden muss. Außerdem trainiere ich durch diese Methode obendrein noch den Fettstoffwechsel.

Bild: Adrian Rousseau
Bild: Adrian Rousseau

Das Beste kommt zum Schluss – 5 facts about Sabrina: wie würdest du dich selbst beschreiben / was sollte man unbedingt über dich wissen?

  1. Meine Familie und deren Halt sind mir enorm wichtig. Mit einer meiner vier Schwestern wohne ich sogar zusammen in einer Wohngemeinschaft und auch den Rest der Familie sehe ich regelmäßig.
  2. Ich bin ehrgeizig und diszipliniert. wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann möchte ich das so durchziehen – koste es (fast), was es wolle. Einerseits ermöglichen mir diese Charaktereigenschaften die Doppelbelastung mit PhD in Economics and Finance und Profikarriere im Triathlon. Andererseits stehe ich mir dadurch manchmal selbst im Weg und verpasse eine gewisse Spontanität.
  3. Chocolate makes me happy :-) Obwohl ich meiner Mutter früher versprochen habe, dass ich mich später mal ausschließlich von Schokolade ernähren werde, ist es zum Glück nicht ganz so schlimm geworden!
  4. Ich bin ein kleiner Streber – meine Mutter erzählt mir immer, dass ich schon als Kleinkind stur meine Ziele verfolgt habe. So habe ich mir bspw. das Zeitlesen selber beigebracht. Nach regelmäßigem Fragen nach der Uhrzeit und einem Vergleich mit der Zeit auf der Armbanduhr habe ich die Verbindung irgendwann verstanden :-)
  5. Zahlenmensch: schon in der Schule war Mathematik mein Lieblingsfach. Nun äußert sich dies bspw. beim Schwimmen, sodass ich bei meinen Trainingskollegen meist für das Bahnenzählen und die Abgangszeiten zuständig bin.
Über Stephanie Päthe

Steffie ist die Frau für schöne Dinge. Weil sie gutes Design und das Besondere liebt, gestaltete sie ihren Trainingsplan bis zur Geburt von TIME2TRI mangels gefallender Trainingssoftware noch kreativ per Hand. Steffie macht Sport nicht nur aus Spaß an der Bewegung sondern auch, weil sie Herausforderungen liebt. Apropos: Unsere Kreative liebt das Abhaken von To-Do-Listen und gesundes Essen - ihre Schwachstelle ist allerdings der Ritter Sport-Fabrikverkauf...

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