REV-Paddles im Test


Paddles beim Schwimmen kennt jeder. Sie werden mit einem Gummiband um den Mittelfinger an der Handinnenfläche angebracht, um damit Techniktraining und Kräftigungstraining im Wasser durchzuführen.

Paddles, die einen völlig anderen Ansatz als herkömmliche Paddles haben, sind die REV-Paddles. Aus diesem Grund haben wir diese Paddles auch aus unserem ursprünglichen Paddles – Test ausgeklammert und widmen ihnen einen eigenen Beitrag.

REV-Paddle kommt vom Wort „reverse“, also „andersherum“. Sie werden nicht, wie die üblichen Modelle, an der Handfläche angelegt, sondern auf dem Handrücken und über dem Handgelenk. Sie dienen ausschließlich der Technikverbesserung und können sogar mit den klassischen Paddles im Training kombiniert werden, um ein zusätzliches Kräftigungstraining durchzuführen. Erfunden hat die Paddles Holger Lüning, Sportwissenschaftler, Schwimmtrainer und bekannt für gute Beiträge bei triathlon-training und swim.de.

Die Idee hinter den Paddles ist, dass die neongrüne Schiene das Abknicken des Handgelenks während der Unter­wasserphase verhindert. ­Dadurch bilden Unterarm und Hand eine gemeinsame Abdruckfläche.

Der erste Eindruck

Besonders positiv finde ich das Täschchen, in welchem die REV-Paddles geliefert werden. Darin können die Paddles nach dem Training aufbewahrt werden, können gut abtrocknen und es gibt keine weitere Verpackung, die Abfall produziert.

Holger Lünings REV-Paddles
REV-Paddles im Täschchen

Die REV-Paddles werden mit einem Gummiband um die Handfläche und einem Klettverschluss um den Unterarm angelegt. Das gestaltet sich zunächst etwas schwierig – beim zweiten Versuch klappt das schon etwas besser. Unangenehm ist, dass die Kunststoffplatte etwas scharfkantig ist und in den Unterarm drückt.

Holger Lüning - REV-Paddles angezogen
REV-Paddles angezogen

Schon beim Anlegen der Paddles im Hallenbad ziehe ich die Blicke auf mich. Es sieht recht ungewohnt, fast schon orthopädisch aus und fällt auf Grund der grellen Farbe doppelt auf. Mir erschließt sich anfangs nicht, wofür die weiteren vier Löcher in den Paddles sind. Ein Blick auf die Webseite zeigt auf Bildern, dass hier die Gummibänder zur Fixierung erneut durchgeführt werden – schade, dass dies nicht bereits der Auslieferungszustand ist. Eine Bedienungsanleitung wird nicht mitgeliefert, aber wer die Paddles bestellt, hat vorher auf jeden Fall die Webseite des Herstellers besucht, da sie nur dort erhältlich sind.

Quelle: www.rev-paddles.de
Quelle: www.rev-paddles.de

Schwimmen mit den REV-Paddles

Wer es gewohnt ist, mit einer Uhr zu schwimmen, der muss diese zum Schwimmen mit den REV-Paddles entweder ablegen oder zumindest nach unten drehen – dann drückt es nur geringfügig, ist aber bezogen auf das Wassergefühl ungewohnt. Dies ist meiner Meinung nach wiederum kontraproduktiv, da die REV-Paddles speziell das Wassergefühl und die Wasserverdrängung durch Einsatz des Unterarms schulen sollen.

REV-Paddles angezogen
REV-Paddles angezogen

Der Hersteller schreibt bereits auf der Webseite, dass nicht das Schwimmen MIT den Paddles, sondern das Schwimmen OHNE Paddles im Anschluss das Erfolgserlebnis bringen soll. Zum Glück hatte ich diese Information vor dem Test, denn das Schwimmen mit den Paddles ist äußerst gewöhnungsbedürftig – das absolute Gegenteil von gutem Wassergefühl.

Nach 25m rutscht mir der rechte Paddle nach unten. Also ziehe ich das gelbe Klettband etwas fester. Nach 100m lege ich die Paddles an den Beckenrand und schwimme motiviert los. Es fühlt sich gut an – aber das ist lediglich eine subjektive Wahrnehmung (wer mal mit Fäusten Kraul geschwommen ist, hat danach beim normalen Kraulschwimmen auch das Gefühl zu „fliegen“). Ich schwimme erneut 100m mit den Paddles – der rechte rutscht erneut runter – und 100m ohne Paddles. Eine Technikverbesserung oder einen „Aha-Effekt“ kann ich nicht feststellen.

„Für die Eintauchphase und Zugphase ist es korrekt und wichtig, mit einem steifen Handgelenk zu schwimmen.“

Ein steifes Handgelenk wird mit den REV-Paddles zwanghaft herbeigeführt. Somit soll geschult werden, dass man die Wasserverdrängung mit dem Unterarm spürt. Das steife Handgelenk kann, meiner Meinung nach, besser an Land mit einem Theraband geübt werden. Der Vorteil des Theraband-Trainings ist, dass dabei auch automatisch die Muskulatur gestärkt wird und eine visuelle Kontrolle möglich ist, ob das Handgelenk wirklich steif bleibt. Zusätzlich können mit dem Theraband weitere Punkte des Kraulzugs geübt und kontrolliert werden, wie zum Beispiel ein hoher Ellenbogen. Ob ein Athlet auf Basis einer Schiene auch ohne diese das Handgelenk steif lässt, kann ich nicht beurteilen.

Zugphase beim Kraulschwimmen
Zugphase beim Kraulschwimmen
Übergang Zugphase zu Druckphase beim Kraulschwimmen
Übergang Zugphase zu Druckphase beim Kraulschwimmen

Ich bin es gewohnt, dass meine Handfläche in der Druckphase beim Schwimmen leicht nach hinten angestellt wird – diese Technik ist auch bei den mir bekannten Schwimmtrainern verbreitet. Idee der Paddles ist jedoch, dass Handfläche und Arm während der kompletten Schwimmbewegung eine Linie bilden. Dadurch ist es unangenehm, dass die Paddles in der Druckphase in den Unterarm drücken, da sie das leichte nach hinten Stellen der Handfläche verhindern. Zudem wird dadurch verhindert, dass der Druck über die Handfläche nach hinten erfolgt, sondern nach oben, was nicht korrekt und ein typisches Fehlerbild bei Krauleinsteigern ist.

Druckphase beim Kraulschwimmen
Druckphase beim Kraulschwimmen

Die Zweitmeinung

Um weitere Meinungen zu erhalten, habe ich drei Freunde unterschiedlichen Schwimmniveaus mit den Paddles schwimmen lassen. Einer meldete zurück, dass ihm der Paddle in der Eintauch- und Gleitphase hilft, da er fälschlicherweise die Fingerspitzen nach oben schiebt und „bremst“ – dies ist mit den REV-Paddles nicht möglich. Für eine Korrektur dieser Fehlhaltung sind sie also gut geeignet.

Zwei Freunde teilten meine Meinung, dass sich das Schwimmen nach der Paddles-Nutzung sehr gut anfühlt, aber keine Technikverbesserung auffällt. Alle drei melden, dass die Paddles rutschen und kompliziert anzulegen sind – „ich bekomme doch schon den Knopf am rechten Hemdärmel nicht zu“.

Preis

Der Preis von 27,50€ liegt im üblichen Bereich für Paddles. Dafür würde ich mir eine bessere Verarbeitung wünschen.

Fazit

Die Paddles können, was eine Verbesserung von Eintauch- und Zugphase betrifft, eine Technikverbesserung bringen. Allerdings sollten sie aus meiner Sicht nur mit einem Personal Trainer verwendet werden, der das Tool sowie den Athleten kennt und daher klare Anweisungen machen kann. Es ist kein selbsterklärendes Produkt, vor allem was die Druckphase betrifft. Dem Athleten sollte klar sein, dass die REV-Paddles hauptsächlich die Eintauch- und Zugphase schulen sollen. Für Personal Trainer sind die REV-Paddles eine Empfehlung, für Athleten, die keine Erklärung zu dem Produkt bekommen, kann ich keine Empfehlung geben. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

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Über Sandra Schlichenmaier

Als Leistungssportlerin mag Sandra Abwechslung beim Sport und nutzt TIME2TRI, um Struktur in ihr Training zu bringen. Sandra ist die Disziplin in Person, aber wenn bei ihr morgens ein Nüchternlauf auf dem Plan steht, fällt er öfters mal auf dem Weg vom Bett zum Frühstückstisch dem Hunger zum Opfer. Da die Athletin in ihrer Karriere mit zahlreichen Trainern zusammen gearbeitet hat und selbst als Trainer aktiv ist, hält sie bei uns den Kontakt zu den Coaches.

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