145 km gegen den Wind: Von Windstärke 3 auf 6 in 24 Stunden


Wenn man im Frühjahr nach Lanzarote ins Trainingscamp fliegt, rechnet man natürlich mit Wind. Wind gehört einfach dazu. Und Höhenmeter.

Windstärke 3 wird auf der Insel fast schon als „windstill“ belächelt und bis Windstärke 10 wurde hier tatsächlich schon so ziemlich alles (es gibt insgesamt nur 12 Windstärken) gemessen.

„Seglern sagt man bei diesen Bedingungen, dass sie mal besser im Hafen bleiben sollen, weil es gefährlich werden könnte.“

Als wir früh morgens zu unserer geplanten 160 km Tour aufbrechen, sagt einer der Teilnehmer des Camps: Seglern sagt man bei diesen Bedingungen, dass sie mal besser im Hafen bleiben sollen, weil es gefährlich werden könnte. Aber wir sind ja keine Segler…

Etwas mulmig war uns schon, aber
Den Lenker sollte man hier gut festhalten…lach…

Also brechen wir auf und brauchen für die ersten 52 Kilometer ganze 2:35. Eine Flasche ausgetrunken, 2 Gels verbraten. Soweit so gut. Mit meinen 60 kg bin ich nicht gerade ein Radschwergewicht und werde von unvorhersehbaren Böen des öfteren auch mal gern um 1 Meter nach links oder rechts versetzt. Sehr zur Freude unserer Gruppe fahre ich auch einmal fast in einen Busch. Ich kann das Steuer aber im letzten Moment noch rumreißen und komme mit einem Streifschuss davon. Götz sagt daraufhin, ich solle mehr Nutella essen. Die El Golfo-Runde ist geschafft, weiter gehts in Richtung Norden.

asdfaefawef
Weiter geht´s in Richtung Norden der Insel.

Wir fahren durch den Timanfaya National Park und unseren zweiten Stopp machen wir nach knapp 100 km am Club La Santa. Unterwegs habe ich nochmal eine Flasche Wasser, 1 Banane und einen Riegel gekillt. Es wird zunehmend still in der Gruppe. Wir hoffen auf Rückenwind bei der Fahrt durch das kleine Surfer Dorf Famara, bekommen aber stattdessen ein ordentliches Sandpeeling. Timo sagt einen Tag später „er habe an der Stelle einfach die Augen zu gemacht“. Niemand lacht.

Timo sagt einen Tag später „er habe an der Stelle einfach die Augen zu gemacht“.

Von Famara aus kämpfen wir uns durch Wind und Wetter bis wir (nach einem weiteren Stop zum Auffüllen) nach 145 km und 6 Stunden wieder an unserem Hotel ankommen. Statt des gefühlt verdienten Ritterschlages für diese Torturen bekommen wir einen 6Km langen Koppellauf in 4:35/Min. Aber genau deswegen sind wir ja eben auch hier. Spät am Nachmittag lässt der Wind nach und die Sonne scheint. Die All-Inclusive Hotelgäste liegen jetzt wieder am Pool und wissen nichts von unserer Schlacht. Völlig unbeeindruckt und fast ein wenig herablassend werde ich schmunzelnd von einigen 14 jährigen Nachwuchsschwimmerinnen und -schwimmern im Hotel beäugt.

sdfsadfas
Die Fahrt hat in jedem Fall Spuren hinterlassen!

Im Zimmer fällt mir auf, dass ich aussehe wie eine Brezel, die mal kurz auf den Boden gefallen ist. Salzig und dreckig. Aber Glücklich. Das sind wir alle aus der Gruppe, denn wir haben den Hafen trotz allem verlassen :)

Nutella mag ich aber trotzdem nicht.

Über Daniel Welsch

Daniel ist seit mehr als 9 Jahren Triathlet aus Leidenschaft. Er sagt: „Es geht nicht nur darum, zu schwimmen, mit dem Rad zu fahren und zu laufen – es geht um ein Lebensgefühl.“ Dabei hat er ein Ziel fest im Blick: die Teilnahme bei der IRONMAN Weltmeisterschaft auf Hawaii. Mit seinem Coach Timo Bracht hat er einen routinierten Hawaii-Profi an seiner Seite, der ihn auf diesem Weg begleiten wird.

Schreibe einen Kommentar


Nach oben