Ab aufs Rad! Rookie Christopher beim Bikefitting


Bad Homburg um 07:00 morgens. Es war endlich an der Zeit, dass mich jemand vernünftig auf mein Giant setzt – das war zumindest meine Hoffnung, als ich vor einigen Wochen bei Jens Machacek einen Termin zum Bikefitting vereinbarte. Mit vielen Erwartungen trat ich die 1-stündige Reise zu ihm an um zu schauen, was wir denn alles an meiner Position verbessern könnten.

Wie ihr vielleicht noch aus meinem ersten Bericht wisst, habe ich mir das Giant Trinity gebraucht gekauft und seitdem lediglich selbst an der Sattelhöhe etwas verändert. Bei Radausfahrten ab ca. 2 Stunden merkte ich, wie meine Füße langsam anfingen zu kribbeln und teilweise die Zehen einschliefen oder ich Ansätze von Muskelkater im Schulterbereich bekam. Ich schob es anfangs darauf, dass ich mich ja erst einmal an die Zeitfahrposition gewöhnen muss. Aber auch im Verlauf der weiteren Trainingswochen wurden die Probleme nicht besser, weshalb ich mich zu einem Bikefitting entschloss. Das Fitting bestand im Wesentlichen aus drei Teilen: Biomechanik, Videoanalyse, Druckmessung.

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Biomechanik

Als erstes schmiss ich mich in meine Radhose und ließ mich von Jens in Sachen Rotationsfehler, Fußfehlstellungen und Beckenstand überprüfen. Die harte Wahrheit: meine Knie rotieren im Stand nach außen, weiterhin bin ich „glücklicher“ Träger eines beiderseitigen Knick-Spreizfußes. Zu guter Letzt kippt meine Hüfte rechts 0,9cm ab. Ist das viel? Anscheinend sehr viel, weshalb ich wohl demnächst mal einen Orthopäden aufsuchen sollte. Ein perfekter Start in den Tag. So hatte ich mir das nicht vorgestellt!

„So hatte ich mir das nicht vorgestellt!“

Videoanalyse

Nachdem wir meine körperlichen Defizite festgestellt hatten, ging es nun endlich auf das Fahrrad. Vorab legte Jens noch zwei Druckmess-Einlagen in meine Radschuhe und eine auf den Sattel, um die Druckverteilung messen zu können. Die Eingangsanalyse ergab, dass meine Knie nicht nur im Stand sondern auch während des Fahrens beiderseits nach außen rotieren, aber nicht gravierend. Das größere Problem lag eher in der Hüfte. Diese kippt in unterer Nullstellung der Pedale nämlich nach links, während der Oberkörper nach rechts kippt. Allgemein war meine Sitzposition eher nach rechts versetzt. Mein Fuß kippte  bei jeder Pedalumdrehung in unterer Nullstellung rechts in die Fußspitze. Außerdem kippten beide Füße in der Druckphase in die Ferse hinein, was zu Kraftverlust, Verschleiß im Knie sowie Belastung von Muskulatur führt, die eigentlich gar nicht benötigt wird. Auch das klang alles eher suboptimal.

Druckmessung

Die Druckmessung ergab: in meinem linken Fuß ist der Mittelwert der Maximalkraft geringer als rechts. Das Ergebnis: ein unrunder Tritt. Generell drücke ich wohl eher über den Kleinzehbereich, weshalb ein großes Potential an Druck verloren geht.

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Die Optimierungen

Nach all den Untersuchungen ging es nun an die Einstellungen. Jens erhöhte zuerst etwas die Höhe des Sattels und schob diesen etwas nach vorn. Auch die Cleats stellte er noch einmal ein. Die Extensions brachte er näher an mich heran. Diese Herangehensweise wiederholten wir Schritt für Schritt, Messung für Messung, um die für mich optimale Position zu finden, mit welcher ich komfortabel sowohl lange, als auch mit ordentlich Druck fahren kann. Das sieht man vor allem auf den Vorher- / Nachher-Bildern der Druckmessung. Vor allem bei der Sitzposition war es wichtig dafür zu sorgen, dass ich insgesamt mehr auf dem Sattel sitze, damit ich auch im Becken stabiler bin.

Empfehlungen

Alles kann man natürlich nicht am Rad einstellen – an ein paar Dingen muss auch der Athlet arbeiten und sie verändern. Das wäre ja sonst auch zu einfach gewesen! Ich muss künftig vor allem auf eine waagerechte Stellung während des Tretens achten, da ich vorher viel mit der Wadenmuskulatur gearbeitet habe. Besonders hat mir Jens Radeinlagen ans Herz gelegt, damit ich noch mehr Druck auf das Pedal bringen kann und das Kribbeln in den Zehen aufhört, da dies durch meinen Spreizfuß hervorgerufen wird. Er hat mir auch noch Übungen für die nächsten fünf Wochen gezeigt, mit welcher ich meine Beckenmuskulatur dehnen kann, damit sowohl diese, als auch der Schambereich entlastet wird.

„Man kann nicht alles am Rad einstellen – bei einigen Dingen muss der Athlet selbst für die Veränderung sorgen.“

Fazit

Leider habe ich tatsächlich vergessen, eine Aufnahme von meinem Ist-Zustand auf dem Rad machen zu lassen. Sorry! Dennoch kann ich nach mehreren Ausfahrten und der OD in Hamburg festhalten, dass sich das Fitting für mich mehr als gelohnt hat. Vor allem weil ich nun auch während der ganzen Ausfahrt die Aeroposition halten kann, was vorher nicht so ohne weiteres ging (Schulterschmerzen). Das Kribbeln in den Zehen taucht hier und da zwar immer noch auf, ist aber nicht mehr so stark ausgeprägt. Dennoch werde ich nun auch mal intensiver über entsprechende Schuheinlagen nachdenken. Ach ja – und mein ausgeprägter Beckenschiefstand muss wohl auch von einem Profi unter die Lupe genommen werden. Schauen wir mal, was sich da machen lässt. Hat jemand Erfahrungen damit? Für eure Tipps wäre ich sehr dankbar!

 

Über Christopher Brüschke

Christopher ist als Quereinsteiger aus dem Fußball ein echter Triathlon-Rookie und bestreitet im Jahr 2018 seine ersten Wettkämpfe. Dennoch hat er sich gleich für sein erstes Jahr das Ziel gesetzt, seine erste Mitteldistanz mit einem guten Ergebnis zu finishen. Auf TIME2TRI berichtet Christopher über seinen Weg dorthin mit persönlichen Einblicken in sein Training, Ernährung, Equipment, Rennberichten und vielem mehr.

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