Darf es einen Plan B geben?


Neulich hat mich ein aufstrebender Triathlet gefragt: „Astrid, wenn ich mit dem Fahrrad fahren fertig bin, kann ich ziemlich genau hochrechnen, ob ich mein Zeitziel erreichen werde. Was mache ich, wenn ich merke, dass ich es nicht schaffe?“ Mir war klar, dass dieser Sportler nach einem Plan B suchte.

Darf es einen Plan B geben?

Ambitionierte Sportler und Profis trainieren monate-, teilweise jahrelang, auf ein konkretes Ziel hin. Sie wollen gewinnen, sie wollen die Ersten oder die Einzigen sein. Dieser Plan A ist meist verlockend, motivierend, ehrgeizig und doch mit den verfügbaren Mitteln realisierbar. Plan A darf zum Zeitpunkt der Formulierung für die Verhältnisse des Sportlers eine Nummer zu groß sein. Das ist ganz normal, denn schließlich möchte man wachsen und sich zu neuen Ufern bewegen. Erfolgversprechend ist, wenn der Weg bis zur Realisierung von Plan A konkret und penibel auf dessen Zielerreichung ausgelegt ist.

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Das Training sollte mit konkreten Maßnahmen bespickt sein, die zur Erreichung von Plan A führen. Besser noch: Professionelles Training zielt auf einen Plan A plus Reserve nach oben ab (siehe letzter Artikel „Spaßmanagement im Sport?“). Durch die konsequente körperliche Belastung auf einem sehr hohen Level, sowie einer mentalen Auseinandersetzung mit Plan A werden beste Voraussetzungen zur stabilen Zielerreichung geschaffen.

„Konsequente körperliche und mentale Auseinandersetzung mit Plan A schafft beste Voraussetzungen zur Zielerreichung.“

Rein rational betrachtet hat jeder Plan B den Charme, dass er weniger anspruchsvoll, d.h. leichter als Plan A ist. Dadurch wird er für das Unterbewusstsein erstrebenswerter. Willst du das? Nein! Also ab in den Tunnel, Fokus auf Plan A.

Wenn Plan A doch nicht klappt

Sollte das Zeitziel tatsächlich außer Reichweite sein, dann hast du die Wahl: aussteigen oder weitermachen. Wenn du dich für letzteres entscheidest, überlege dir vorher, wie du in diesem Fall weitermachen möchtest. Überlege dir eine emotionale Strategie. Was möchtest du fühlen? Was möchtest du denken? Was sagst du dir dann? Was sagst du anderen? Kannst du mit dem Ergebnis leben, d.h. kannst du es ertragen, dass eine nicht erwartete Zeit neben deinem Namen erscheint?

„Kannst du mit dem Ergebnis leben? Handele so, dass du damit leben kannst!“

Abgesehen von diesem Beispiel eines Zeitziels, bei dem irgendwann der Zug definitiv abgefahren ist, gibt es natürlich andere Beispiele, bei denen es förderlich ist, einen Plan B (oder C bis Z) zu haben. Ich denke da unter Anderem an Expeditionen (räumliche Ziele oder Erstbegehungen) oder Projektarbeit (ergebnisorientierte Ziele). Bei diesen Zielen ist der Zug nicht abgefahren, wenn Möglichkeiten, das Ziel zu erreichen, nicht funktionieren. In diesen Fällen ist man sogar gut beraten, wenn man sich bereits Gedanken über einen Plan B gemacht hat, um schneller reagieren zu können.

Wenn das Ziel zeitunabhängig ist, macht ein Plan B durchaus Sinn.

Interessant zu beobachten ist hier, dass nicht jeder Mensch in diesem Punkt gleich tickt. Je nach individuellem Zeitempfinden gibt es Menschen, die sich im Vorfeld Gedanken über Alternativwege machen. Aber es gibt auch diejenigen, die sich ganz auf Plan A fokussieren, vielleicht sogar versteifen, und erst bei Nichtgelingen nach einem Plan B suchen. Übrigens empfinden diese Menschen das Nichtgelingen von Plan A als Scheitern. Plan B ist für sie oftmals keine Alternative, sondern eine minderwertige Ersatzhandlung.

Entscheidung für Plan B?
Entscheidung für Plan B?

Jeder darf entscheiden, aus welcher Perspektive er die Dinge betrachtet. Ich betrachte die Dinge gerne so, dass ich schnell weiterkomme und mich möglichst wenig ärgere.

Über Astrid Ecke (sportsbirne)

Astrid hat ihre eigenen Triathlon-Disziplinen: Mountainbiken, Bergsteigen und Tennis. Als alpine Ausdauersportlerin hat die Mentaltrainerin schon so manche Extremsituation gemeistert. Bei TIME2TRI sorgt Astrid mit vielen Tipps und Tricks für Kopfarbeit und mentale Stärke - und Bestleistung, wenns drauf ankommt.

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