earthweek: Mikroplastik in Sportkleidung und ein Gastbeitrag von Fe226


Preisfrage: wie verseucht man unsere Meere jeden Tag mit 12 Millionen Plastiktüten, obwohl diese gar nicht produziert wurden? Der Verursacher ist Mikroplastik. Winzige Kunststoffteile, die von unseren Kläranlagen nicht gefiltert werden können. An der University of California wurde im Rahmen einer Studie herausgefunden, dass alleine in einer Stadt in der Größe von Berlin täglich eine Menge von umgerechnet 500.000 Tüten durch Mikroplastik in unsere Gewässer gelangt.

Gerade unsere Sportbekleidung enthält häufig Kunststoff-Materialien wie Acryl und Polyester, von denen bei jeder einzelnen Wäsche hunderttausende Fasern ins Gewässer gelangen und damit wesentlich zur Verschmutzung unserer Meere mit Kunststoff-Partikeln beitragen. Die Partikel sind bei einer Größe von 0,012 bis 0,018 Millimeter so klein, dass sie weder von Waschmaschinen noch von unseren Kläranlagen gefiltert werden können.

Im Gegensatz zu Naturfasern sind diese Fasern nicht biologisch abbaubar. Sie sammeln sich in den Gewässern an -es ist zudem erwiesen, dass diese Partikel in den Meeren weitere Schadstoffe geradezu anziehen. Unsere Kleidung verteilt somit winzige giftige Partikel überall auf der Welt – die unter Umständen irgendwann (z.B. durch den Konsum von Fisch) wieder auf unseren Tellern landen.

Infografik - Quelle: GUPPYFRIEND
Infografik – Quelle: GUPPYFRIEND

Forscher der britischen Plymouth University haben untersucht, wie viele Fasern bei einer üblichen Wäsche bei 30 bzw. 40 Grad Celsius aus synthetischen Textilien herausgelöst werden. Ich wette, das Ergebnis wird nicht nur mich sondern auch euch erschrecken: aus einem Polyester-Baumwoll-Mischgewebe werden pro Wäsche rund 138.000 Fasern an das Wasser abgegeben – bei reinen Polyester-Textilien etwa 496.000 Fasern pro Wäsche und bei Acryl-Textilien sogar 730.000 Fasern pro Wäsche.

Dabei ist es so einfach zu verhindern, dass Mikroplastik durch Sportkleidung in unsere Gewässer gelangt. Eine Möglichkeit ist die Verwendung eines speziellen Waschbeutels, der die Mikroplastik-Teile noch während des Waschgangs herausfiltert. Das Start-up GUPPYFRIEND hat einen solchen Waschbeutel entwickelt – ich selbst nutze ihn seit mehreren Wochen und bin sehr zufrieden mit ihm – vor allem aber bin ich immer wieder aufs Neue erstaunt, wie viele Partikel tatsächlich in dem Wäschenetz hängen bleiben.

 

Eine noch viel bessere Variante ist es natürlich, gleich beim Kauf seiner Sportbekleidung auf Materialien zu setzen, die möglichst wenig bis keine Mikroplastik an das Wasser abgeben, langlebig und dennoch hochqualitativ sind. Eine solche Marke ist Fe226. Ich bin schon seit längerer Zeit Fan des Unternehmens mit dem Slogan BE IRON – umso mehr freut es mich, dass Nis Sienknecht von Fe226 mir ein paar Dinge über das Thema Nachhaltigkeit bei Sportbekleidung erzählt und mit einen kleinen Gastbeitrag Einblick in das Thema nachhaltige Sportkleidung aus Sicht eines Unternehmens gibt. Here we go.

Nis Sienknecht über Nachhaltigkeit bei Fe226

Fe226 als nachhaltige Marke zu bezeichnen wäre etwas vermessen. Andere Firmen setzen da weitaus stärker drauf. ABER: es gibt doch einige Felder, in denen auch wir als „Performance Fashion Brand“ unseren Beitrag leisten können – und es auch tun! Zudem achten wir bei zukünftigen Projekten zunehmend auf Nachhaltigkeit. Ganz einfach ist das nicht, weil es doch im Sportbereich recht klare Preisstrukturen gibt und man als Firma mit wirklich hochwertigen und möglichst fair produzierten Produkten eher auf einen Teil der eigenen Marge verzichten muss, als „reelle“ Preise zu verlangen.

Andi Boecherer beim Bahntest im Trisuit von Fe226
Andi Boecherer beim Bahntest im Trisuit von Fe226

Bevor wir zu unsere Maßnahmen kommen – und das klingt jetzt komisch für einen Hersteller, der ja auch etwas verkaufen will (und muss): Das Beste, was man als Sportler tun kann, ist WENIGER kaufen. Denn die Produktion von Sportbekleidung ist wasserintensiv, oft mit langen Transportwegen verbunden, es kommen viele synthetische Fasern zum Einsatz und die knallbunten, vielfarbigen Klamotten sind oft mit chemischen Keulen zum Färben erkauft. Außerdem wird Sportbekleidung sehr oft gewaschen, das verbraucht erneut viel des kostbaren Wassers – und meist wird Mikroplastik herausgewaschen, das sich auch in der Umwelt anlagern kann.

Deshalb haben wir uns entschieden, auf einige Dinge (ohne feste Reihenfolge) besonders zu achten:

Andi Boecherer in Fe226
Andi Boecherer in Fe226
  • Höchste Qualität Damit man lieber einmal etwas Gutes kauft, dass dann auch lange hält. In der Entwicklung achten wir auf lange Haltbarkeit, unterziehen die Stoffe dem Martindale Abrasion Test und verwenden nur die Fabrikate, die lange halten. Die meisten unserer Produkte haben mit 5/5 abgeschnitten. Das bedeutet mit maximaler Punktzahl. Nach 50.000 Zyklen (entspricht 50.000 Stunden auf dem Fahrrad) werden keinerlei Verschleißspuren festgestellt.
  • Zeitloses Design Das mag auf den ersten Blick langweilig wirken, weil wir nicht jeden Trend mitgehen. Aber Trends sind nie von Dauer und dann kauft man sich gleich das nächste Stück… Viele Farben bedeuten auch viele Färbungen. Und die Farben sind oft alles andere als umweltschonend.
  • Produktion in Europa Damit vermeiden wir lange Transportwege auf Schiffen oder in Flugzeugen. Außerdem können wir so faire Arbeitsbedingungen sicher stellen.
  • Zusammenarbeit mit dem Fachhandel Dort kann man alle Sachen anprobieren, vergleichen und sich für das entscheiden, was man wirklich mag – und die richtige Größe. Ohne über das Internet bestellen zu müssen und damit lange Transportwege und mehr Verpackung in Kauf zu nehmen. Bei nicht passender Größe sogar mindestens doppelt. P.S.: Wir bauen unser Netz dafür gerade erst auf und sind froh über jeden interessierten Händler oder Sportler, die uns schreiben, welche Händler gute Arbeit leisten, damit wir uns dort melden können!
  • Antibakterielle Behandlung Unsere Laufbekleidung hat beispielsweise Silberionen eingearbeitet, andere Produkte eine antibakterielle Behandlung erfahren. Beides ist umwelttechnisch an und für sich nicht supertoll. Aber dafür muss man die Sachen sehr viel seltener waschen. Wir haben berechnen lassen, dass der ökologische Fußabdruck dadurch deutlich kleiner ist.
  • Merino-Wolle bei den Radtrikots Im Training braucht man unserer Meinung nach kein Produkt mit synthetischen Stoffen. Deshalb sind unsere Radtrikots zu 100 % aus hochwertiger Merinowolle. Das Naturprodukt ist besser für die Haut, hat natürliche Temperaturregulation, ist biologisch abbaubar und stinkt nicht (muss damit auch seltener gewaschen werden = weniger Wasserverbrauch und KEIN Mikroplastik).

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Bei neuen Produkten achten wir während der Entwicklung auf alle Aspekte und haben das Thema Nachhaltigkeit immer im Kopf. Wir testen auch gerade neue Stoffe (recyceltes Plastik, Holzfasern usw.). Da müssen wir aber erst sicher sein, dass sie wirklich besser sind. Außerdem verzichten wir bei allen neueren Produkten auf Plastikverpackungen und haben den Versand aus dem Online-Shop gerade in eigene Hände genommen, um hier so effektiv wie möglich zu sein.

Sicher gibt es hier noch viel zu tun und in einzelnen Bereichen können wir mehr beitragen, in anderen weniger. Aber grundsätzlich darauf zu achten, ist wichtig! Für jeden. Unser Aufruf: Überlegt, wo und was ihr wirklich kaufen wollt, was ihr tatsächlich braucht. Kauft beim Fachhandel in der Nähe und probiert die Sachen dort an, um nicht mehrere Größen zu bestellen und grundlos Pakete durch die Welt zu schicken. Gebt lieber für gute Qualität einmal etwas mehr Geld aus, statt für schlechte Qualität mehrfach. Wer billig kauft, kauft zweimal – mindestens. Und wenn ihr ein Kleidungsstück wirklich satt habt, es aber noch nicht kaputt ist: Spendet es im Verein an den Nachwuchs oder Freunde mit weniger finanziellen Mitteln.

BE IRON

Andi Boecherer // Fe226
Andi Boecherer // Fe226
Über Stephanie Päthe

Steffie ist die Frau für schöne Dinge. Weil sie gutes Design und das Besondere liebt, gestaltete sie ihren Trainingsplan bis zur Geburt von TIME2TRI mangels gefallender Trainingssoftware noch kreativ per Hand. Steffie macht Sport nicht nur aus Spaß an der Bewegung sondern auch, weil sie Herausforderungen liebt. Apropos: Unsere Kreative liebt das Abhaken von To-Do-Listen und gesundes Essen - ihre Schwachstelle ist allerdings der Ritter Sport-Fabrikverkauf...

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