#girlswhotri: ein Plädoyer für mehr Miteinander


November 2018. Auf unserer Knowledge Base veröffentlicht Eva Helms einen Artikel über mehr Selbstvertrauen und Mut für Frauen im Ausdauersport. Die Reaktionen auf diesen Artikel machen uns sprachlos, fassungslos und betroffen.

Wunderhübsche Mädels schreiben uns ihre Geschichten – Geschichten von Mobbing, Bodyshaming und sogar davon, wie sie auf offener Straße bedroht wurden, nur weil sie nicht dem Bild der typischen Triathletin entsprechen.

Die „Täter“ in diesen Geschichten sind nicht durchweg Männer, wie man es vielleicht vermuten könnte. Es sind in vielen Teilen auch Frauen, die Vertreterinnen ihres eigenen Geschlechts derart respektlos und herabwürdigend behandeln.

Februar 2019. Die Triathlon-Frauenzeitschrift tritime women sucht mit dem Slogan „#beyourself“ in den sozialen Medien nach Triathletinnen, die Lust haben, an einem Fotoshooting teilzunehmen, bei dem die Anzahl der Bekleidungsschichten potentiell auf dem ein oder anderen Bild geringer ausfallen dürfte. Die Reaktionen darauf: ein Wechselbad aus Begeisterung und tiefster Empörung. Verbale Attacken. Per Kommentar und per Nachricht. Von Frauen. Gegenüber Frauen. Sexismus-Vorwürfe. Und das immer wiederkehrende Mantra: „ich möchte nicht reduziert werden“ / „ich habe das nicht nötig“ / „ich muss mich nicht entblößen, nur um ernst genommen zu werden“. Puh. Mädels. Was passiert hier gerade mit uns?

„Nacktheit bedeutet nicht automatisch Sexismus. Sexismus fängt in unseren Köpfen an.“

Abgesehen davon, dass niemand zu einer Teilnahme gezwungen wurde – ich stelle mir die Frage: ist das tatsächlich so? Nehmen wir die Frauen, die schlussendlich für das Shooting ausgewählt wurden, nun weniger ernst? Und falls ja: warum? Weil wir nackte Haut gesehen haben, so, wie sie uns in den sozialen Medien tagtäglich in rauen Mengen begegnet? Ernsthaft?

Ohne eine erneute Diskussion provozieren zu wollen – ich habe zu diesem Thema eine recht klare Meinung. Wenn Frauen, die sich freiwillig so zeigen, wie sie es offenbar gerne möchten, nicht ernst genommen werden – dann ist das kein Problem der Frauen selbst sondern ein Problem unserer Gesellschaft. Nacktheit bedeutet nicht automatisch Sexismus. Sie ist zunächst einmal etwas vollkommen Natürliches. Sexismus fängt in unseren Köpfen an.

tritime-women_Cover-Shooting-2019_02100_ttw_titel_ © Isaak Papadopoulos  weitsprung.de for tritime-magazin.de
Cover der aktuellen tritime women Ausgabe. Bild: Isaak Papadopoulos

Ich versuche, das Ganze etwas neutraler zu sehen. Die Cover-Models aus der „be yourself“-Kampagne der tritime women sind  allesamt Mütter von wundervollen Kindern. Frauen, die Beruf, Mama-Dasein und Familie, aber auch den Sport rocken und man sich mitunter fragt, wie sie das alles unter einen Hut bekommen. Frauen, die bei diesem Shooting offenbar einen Tag lang richtig viel Spaß hatten – die zu nichts gezwungen wurden sondern freiwillig und voller Freude einen Tag der guten Laune verbracht haben. Wer die Kanäle der Kandidatinnen verfolgte, konnte Momente des Mutes, der Gemeinschaft und der puren Freude miterleben. Mit Bekleidung, aber eben auch ohne. Und weiter? Ich für mich kann sagen: ich habe mich dazu entschieden, mich mit den Mädels zu freuen. So einfach. Für mich waren die Frauen vorher schon toll und sie sind es auch immer noch. Ich nehme sie weiterhin ernst. Ich bin den meisten von ihnen schon vor der Aktion gefolgt und tue dies auch heute noch.

Wem ich jedoch nicht mehr folge, ist jeder einzelne Account, der in den letzten Wochen mit wiederkehrenden Postings dafür gesorgt hat, dass Frauen, die all ihren Mut zusammen nehmen und sich für das Shooting bewerben wollten, einen Rückzieher gemacht haben. Die andere Frauen unter ihren Bildern oder in persönlichen Nachrichten beleidigt haben. Kurzum: die sich unsportlich verhalten haben.

„Für mich ist Triathlon ein Sport, in dem Platz für alle ist.“

Für mich ist der Triathlon ein Sport, in dem Platz für alle ist. Deshalb wünsche ich mir eine Welt, in der wir Mädels aufhören, einander zu schwächen. In der wir zu uns und unseren Körpern stehen und uns nicht dafür schämen, sie zu zeigen. In der wir uns von der Nacktheit anderer nicht persönlich angegriffen fühlen. In der wir aufhören, uns zu vergleichen und damit anfangen, uns in unserer eigenen Haut wohlzufühlen und darauf zu *pupsen*, ob andere Frauen 5kg leichter oder 5 Minuten schneller sind als wir. Und in der wir uns unabhängig von der Anzahl der Kleidungsschichten an unserem Körper so akzeptieren und lieben, wie wir sind: unperfekt perfekt.

PS: zum ganzen Beitrag bei tritime women geht es übrigens hier entlang.

 

Über Stephanie Päthe

Steffie ist die Frau für schöne Dinge. Weil sie gutes Design und das Besondere liebt, gestaltete sie ihren Trainingsplan bis zur Geburt von TIME2TRI mangels gefallender Trainingssoftware noch kreativ per Hand. Steffie macht Sport nicht nur aus Spaß an der Bewegung sondern auch, weil sie Herausforderungen liebt. Apropos: Unsere Kreative liebt das Abhaken von To-Do-Listen und gesundes Essen - ihre Schwachstelle ist allerdings der Ritter Sport-Fabrikverkauf...

Schreibe einen Kommentar


Nach oben