Asia calling – meine Rennen in Cebu und Bintan


Eine Frage, die mir mehrere Male während meiner 3-wöchigen Asienreise gestellt wurde war: „Did you do specific heat and humidity training in Switzerland to prepare for these Asian races?” Nein, war meine Antwort – und dennoch fühlte ich mich gut vorbereitet. Mir war bewusst, dass diese feuchte Hitze den Körper nochmal zusätzlich herausfordern würde, aber mit genügend Flüssigkeitszufuhr schon die Tage vor dem Rennen und dem Plan, auf den Körper statt auf die Uhr zu hören, war ich zuversichtlich, dass ich mit dem Klima klarkommen würde.

„um einen Jetlag zu umgehen, gilt die Faustregel: 1h Zeitverschiebung pro Tag.“

Viel wichtiger war für mich, dass ich einen guten Trainingsblock in Leysin bei meinem Trainer Jo Spindler und seiner Athletengruppe in den Armen, Beinen und auch im Hinterkopf hatte. 5 Tage vor dem ersten Rennen, der Ironman 70.3 Asia-Pacific Championship in Cebu, kam ich nach 12h Flug in Singapur an. Um einen Jetlag am Renntag zu umgehen, gilt bekanntlich die Faustregel 1h Zeitverschiebung pro Tag. Meine Ankunft 5 Tage vor dem Rennen und 6h Zeitverschiebung sollten also knapp aufgehen.

Singapur war sozusagen das „Headquarter“ meiner Reise, wo ich netterweise bei Freunden wohnen durfte. Da Gastgeberin Anna (Eberhardt) auch professionelle Triathletin ist und sowohl beim Ironman 70.3 Cebu als auch beim Ironman 70.3 Bintan startete, machte die Asientour zu zweit umso mehr Spaß!

2 Tage nach meiner Ankunft in Singapur ging es früh morgens schon wieder ins Flugzeug nach Cebu für das erste Rennen. Asia-Pacific Championships bedeutete vor allem eins: viel Preisgeld und dementsprechend starke Konkurrenz. Mit grossen Namen wie Caroline Steffen, Mel Hauschildt, Radka Vodickova Kahlefeldt oder Beth McKenzie am Start zu stehen, war eine zusätzliche Motivation. Auch hatte ich so die Gelegenheit, mit Beth McKenzie ein Rennen zu bestreiten. Vor 3 Jahren habe ich sie noch als Amateurathletin auf dem Abschlussmarathon bei ihrem Sieg am Ironman Zürich mit dem Rad begleitet und nun durfte ich gegen sie starten!

cebubike

6. Profifrau bei der Ironman 70.3 Asia-Pacific Championship

In Cebu ist das Rennen ein mehrtägiges Event: von Welcome Dinner mit Showeinlage, Pressekonferenz, mehrgängigem Abschlussessen, bis zu Aktivitäten mit den Lokalen war jede Minute um das Rennen gut besetzt. Diese familiäre Atmosphäre und Unterstützung spürten wir Athleten aber vor allem auch vom Streckenrand: die Einheimischen schrien uns vom Start bis ins Ziel! Eine so tolle Stimmung habe ich noch nie erlebt bei einem Triathlon! Von diesen Zurufen inspiriert, konnte ich eine gute Tagesleistung abrufen: beim Schwimmen habe ich eine gute Gruppe erwischt, auf der dreiründigen flachen Radstrecke konnte ich die Pacingvorgaben von meinem Trainer Jo gut umsetzen und auch beim Halbmarathon konnte ich nochmal einige Plätze gut machen in der Hitze und als 6. Profifrau bei der Ironman 70.3 Asia-Pacific Championship ins Ziel einlaufen. Ein für mich geglückter Start meiner Asienreise und die Bestätigung, dass der eingeschobene Trainingsblock in Leysin bei meinem Trainer die richtige Wahl gewesen ist.

Das Birthday Swim Set

Viel Zeit für einen weiteren Trainingsblock blieb nicht: Schon 2 Wochen später fiel der Startschuss für den Ironman 70.3 Bintan. Das Wichtigste war in dieser Zeit, die richtige Balance zu finden. Ich sollte zwar erholt an den Start gehen, aber auch keine Fitness verlieren. Jo kennt mich langsam sehr gut und weiß, dass er mich ab und zu bremsen muss. Bei Trisutto wird zum Geburtstag das „Birthday Swim Set“ geschwommen: 100x100m. Mein Geburtstag war zwar nur 3 Tage nach Cebu, aber ich fühlte mich fit genug, um diese Challenge anzunehmen.

birthday

Ich versuchte ,Jo davon zu überzeugen, aber sein Fokus war, dass ich in Bintan fit am Schwimmstart stehe und groß Zeit, um sich danach zu erholen blieb uns nicht. So haben wir dann einen Kompromiss bei 65 mal gefunden für die diesjährige Geburtstagsfeier im Wasser. Abends ging die Feier dann gemütlich mit Mocktails über den Dächern von Singapur weiter!

Das Rennen in Bintan

Das Startfeld in Bintan war deutlich kleiner mit 7 Profifrauen, dennoch aber gut besetzt. Einige davon sind schon mit mir 2 Wochen davor in Cebu gestartet, daher konnte ich mich schon relativ gut auf die Schwimmgruppe einstellen. Auch die Radstrecke mit ihren „rolling hills“ war kein Neuland für mich, da ich diese am Wochenende zwischen den Rennen abgefahren bin. Beim Lauf würde das Rennen entschieden, hiess es aus mehreren Ecken. Die Laufstrecke war zwar relativ flach, aber im Vergleich zu Cebu nochmal deutlich wärmer, da sie komplett der prallen Sonne ausgesetzt war. Hier war es wichtig, schon auf dem Rad genügend zu trinken und beim Halbmarathon durfte keine Wasserstation ausgelassen werden!

48_m-100832974-DIGITAL_HIGHRES-2445_027691-19204494

Erstes 70.3 Pro Podium

Es war wieder ein früher Start am Sonntag: 6:03 morgens fiel der Startschuss auf Bintan mit einem Landstart. Nach etwas schlechtem „Aquajogging“ zu Beginn, konnte ich relativ schnell meine Schwimmgruppe finden und so die 1.9km im Rundkurs in der zweiten Gruppe hinter Kate Bevilaqua und Kirralee Seidel absolvieren.

Da die Radstrecke nicht vollkommen abgesperrt war, wurde jeder Profiathlet von einem Motorrad begleitet. Im Vergleich zur Stimmung in Cebu war dieses ein relativ einsames Rennen. Die 90km in einem einründigen, aber dennoch abwechslungsreichen Radkurs, bedeutete, dass wir kaum andere Athleten gesehen haben. Als 5. Frau kam ich in die T2 und wusste in dem Moment den Abstand leider nicht genau nach vorne. Die Vorgabe von meinem Trainer war, den Halbmarathon wegen der Hitze etwas verhaltener mit einer Pace von 4:10 anzulaufen und dann zu schauen, was hinten raus geht. Nach ca. 4km gab es einen „out and back“ Abzweiger vom See weg. Dort rief der Speaker meinen Namen und meine Position durch das Mikrofon aus und meinte, dass ich aber schnell laufen müsse, um den Anschluss nach Vorne zu packen. Dies hat mich etwas demotiviert, aber als mir Beth (McKenzie) mit dem Rad „1. Frau“ flott entgegen kam, habe ich zum Glück schnell gemerkt, dass dem nicht so war. Die 3 anderen Frauen mussten sich irgendwo dazwischen befinden. So konnte die Jagd weitergehen und bis kurz nach der ersten von zwei Runden konnte ich mich auf das Podium laufen. Überglücklich lief ich nach 4:41h als 3. Frau ins Ziel ein. Dass dies mein erstes 70.3 Pro Podium war, hat man spätestens bei der Feier gemerkt: das Öffnen des Champagners auf dem Podest muss wohl auch trainiert werden. :-)

champagneshower

Ich hätte mir kaum einen schöneren Abschluss dieser Asienreise wünschen können, als das Podium mit Beth und Anna teilen zu dürfen! Jetzt heißt es für mich erstmal wieder zurück an die Uni und dann schließe ich meine erste Profisaison noch mit ein paar Rennen ab. Stay tuned!

 

 

 

Über Sabrina Stadelmann

Sabrina startet seit der Saison 2018 als Profi-Triathletin. Die Schweizerin verfoglt ihre Ziele mit Ehrgeiz und einem klaren Fokus. Bei TIME2TRI berichtet Sabrina regelmäßig aus ihrem Triathlon-Alltag und gibt Tipps rund um die glutenfreie Ernährung.

Schreibe einen Kommentar


Nach oben