Leistungsdiagnostik – Teil 1: Laktatdiagnostik


Um die momentane Ausdauerleistungsfähigkeit bzw. die Verbesserung derer im Laufe der Zeit feststellen zu können werden auch im „Amateurbereich“ immer häufiger Leistungstests durchgeführt. Allgemein kann man aus sportwissenschaftlicher Sicht dabei zwischen Feld-, Labor-, und Wettkampftests unterscheiden. Deren Ziel ist es die aktuelle Leistungsfähigkeit sowie Stärken und Schwächen des Sportlers zu beurteilen und die Trainingsbelastung zu steuern. Bei der Trainingssteuerung spielt insbesondere die Intensitätsfestlegung eine wichtige Rolle.

Folgend werden Labortests auf dem Laufband und dem Fahrradergometer genauer vorgestellt.

„Ziel: Ermittlung der Ausdauerleistungsfähigkeit.“

Stufentests in der Leistungsdiagnostik

In den Ausdauersportarten haben sich insbesondere Stufentests bewährt. Diese folgen dem Prinzip, dass die Belastung stufenförmig ansteigt, dabei bleiben Leistung und Zeit konstant. Nach jeder Stufe wird die Belastung nach einem vorher festgelegtem Protokoll gesteigert. Während jeder Belastungsstufe werden verschiedene relevante Parameter analysiert. Diese sind bei einer Laktatdiagnostik klassischerweise die Herzfrequenz und die Blutlaktatkonzentration. Mittels Spirometrie können zusätzlich die Atemgase permanent analysiert werden.

Folgende Stufenprotokolle werden in der Ausdauerdiagnostik klassicherweise verwendet:

Stufentest Laufband

  • Startgeschwindigkeit: 8-10 km/h (je nach Leistungsfähigkeit)
  • Steigerung: 1 – 2 km/h
  • Stufendauer: 2 – 3 min

Stufentest Fahrradergometer

  • Startbelastung: 50 – 100 Watt (je nach Leistungsfähigkeit)
  • Steigerung: 30 – 50 Watt
  • Stufendauer: 2 – 3 min

Die Belastung wird so lange gesteigert, bis eine Ausbelastung des Sportlers erreicht ist oder dieser den Test abbricht. Am Ende jeder Stufe bzw. zwischen den Stufen erfolgt eine kapillare Blutentnahme. Üblicherweise geschieht dies am Ohrläppchen. Bei einer Laufbandbelastung ist dazu eine meist 30-sekündige Pause notwendig. Aus den gewonnenen Laktatwerten und der aufgezeichneten Herzfrequenz wird die Laktat- und Herzfrequenzleistungskurve erstellt (siehe Abbildung). Anhand derer erfolgt die Berechnung der „anaeroben Schwelle“.

beispielhafte Herzfrequenz- und Laktat-Leistungskurve (Leistungsdiagnostik)
beispielhafte Herzfrequenz- und Laktat-Leistungskurve

Anaerobe Schwelle

Ziel einer Laktatleistungsdiagnostik ist es anhand der ermittelten Laktatkonzentrationen während der Belastung die im deutschen Sprachgebrauch sogenannte „anaerobe Schwelle“ zu bestimmen. Sie soll zeigen, wo die Dauerleistungsgrenze des Sportlers liegt. Physiologisch gesehen ist dies der Punkt an dem Laktatbildung und –abbau im Gleichgewicht stehen. Dieser Punkt wird auch „Maximales Laktat-Steady-State“ (MaxLass) genannt. Bei höherer Belastung steigt die Laktatkonzentration im Blut exponentiell an und die Belastung muss nach einiger Zeit abgebrochen werden.

„Viele verschiedene Schwellenkonzepte.“

Um die „anaerobe Schwelle“ zu bestimmen, werden Laktatschwellenmodelle eingesetzt. Das wohl bekannteste Modell in diesem Zusammenhang ist die 4-mmol-Schwelle von Mader aus dem Jahr 1976. Irrtümlicherweise wird heute noch oftmals behauptet, er habe die „anaerobe Schwelle“ bei einer Laktatkonzentration von 4 mmol/l festgelegt. Jedoch stellte er in seiner Studie lediglich fest, dass die Leistung bei einem Laktatwert von 4 mmol/l im Mittel dem MaxLass der Sportler entsprach. Interindividuelle Unterschiede sind demnach durchaus sehr gut möglich und müssen im Einzelfall ermittelt werden.

In den folgenden Jahrzenten haben sich zahlreiche Arbeitsgruppen mit der Thematik der Schwellenmodelle beschäftigt, sodass mittlerweile über 50 unterschiedliche Modelle existieren. Welches Modell eingesetzt wird hängt unter anderem von der Philosophie des jeweiligen Diagnostikers ab. Beachtet werden muss dabei jedoch, dass alle Modelle nur Versuche sind den Punkt des MaxLass zu berechnen. Eine exakte Bestimmung ist nur über einen aufwendigen MaxLass Test möglich, bei dem mehrere Dauerbelastungen von mind. 30 Minuten durchgeführt werden müssen.

Was bringt die Anaerobe Schwelle dem Sportler?

In der Auswertung eines Leistungstests erhält man die Geschwindigkeit bzw. Leistung, sowie die dazugehörige Herzfrequenz und Laktatkonzentration an der anaeroben Schwelle. Mit der Laktatkonzentration lässt sich im Training relativ wenig anfangen. Anhand von prozentualen Angaben der Geschwindigkeit bzw. der Leistung und Herzfrequenz können individuelle Trainingsbereiche angegeben werden. Bei der Einteilung und Festlegung dieser existieren wiederum verschiedene Ansätze.

„Anhand der anaeroben Schwelle können individuelle Trainingsempfehlungen gegeben werden.“

Weitere wichtige Parameter

Neben der anaeroben Schwelle können die folgenden Parameter außerdem für die Auswertung relevant sein.

Maximale Herzfrequenz (HFmax)

Dies ist die maximal erreicht Herzfrequenz, während des Tests. Anhand ihrer prozentualen Anteile lassen sich verschiedene Trainingsbereiche bestimmen. Diese Methode ist aber nur bedingt geeignet. Wie hoch die HFmax ist hat nichts mit der Leistungsfähigkeit zu tun, sondern hängt einzig und allein von genetischen Faktoren und dem Alter ab.

Maximale Leistung (in km/h oder Watt)

Die maximal erreichte Leistung repräsentiert die Leistung, die ein Sportler beim Abbruch des Tests erreicht. Bei gleichem Stufenprotokoll kann die maximale Leistung als Kriterium zum Vergleich verschiedener Tests herangezogen werden. Bei einem Test auf dem Fahrradergometer erfolgt meist eine Angabe der relativen Leistung bezogen auf das Körpergewicht (Watt pro kg).

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Leistungsdiagnostik - Teil1: Laktatdiagnostik
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Um die momentane Ausdauerleistungsfähigkeit bzw. die Verbesserung derer im Laufe der Zeit feststellen zu können werden auch im „Amateurbereich“ immer häufiger Leistungstests durchgeführt. Im ersten Teil geht es um die Laktatdiagnostik.
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Über Florian Heck

Florian ist Sportler durch und durch. Neben Fußball und Wintersport ist vor allem eines seine große Leidenschaft: Triathlon. Er ist Master-Absolvent der Sportwissenschaften mit Schwerpunkt „Training und Diagnostik“ und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Neben dem Training im Wasser, auf dem Rad oder in den Laufschuhen verbringt Florian daher viel Zeit mit Trainingsplanung, Trainingsanalyse und den neuesten Trainingsmethoden. Der Naturliebhaber genießt gern die Ruhe ohne viele Menschen um sich herum ...zum Beispiel beim Schreiben von neuen Beiträgen für die TIME2TRI Knowledge Base...

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