Von 0 auf Mitteldistanz: Der große Showdown in Köln


Da war ich also, am Sonntagmorgen und bei der Wettkampfbesprechung zum Cologne226 half (die Mitteldistanz). Der Tag, für den mich seit Anfang des Jahres vorbereitet habe und an dem ich zeigen wollte, dass ich bereit für die Mitteldistanz bin. Ich hatte gut trainiert und auch die letzten Gespräche mit meinem Coach Manuel gaben mir nochmal ein positives Gefühl für das anstehende Saisonhighlight.Der Plan war, solide zu schwimmen und auf dem Rad ein gutes Tempo anzugehen und alle 10 Minuten einen Schluck aus meiner Getränke-Mixtur zu nehmen. Gels erst beim Laufen und am Kilometer 5 und dann alle 5 Kilometer das Nächste.

„Egal, was sollten die 8 Kilometer schon groß ausmachen?“

Soweit so gut, bei der Besprechung gab es dann jedoch eine erste kleinere Überraschung: Die Radstrecke wurde kurzfristig wegen einer Baustelle angepasst, sodass wir statt den 90 Radkilometern 98 Kilometer absolvieren mussten. Egal, was sollten die 8 Kilometer schon groß ausmachen? Weiterhin soll es auf der Strecke an dem Tag auch sehr windig sein. Rennstrategie anpassen? Nee, wird schon passen dachte ich mir. Schauen wir mal!

Das Schwimmen

Geschwommen wurde im Fühlinger See auf einer Regattabahn. Hieß also, dass mehrere Leinen gezogen waren, welche man sogar unter Wasser sehen konnte. Es ging auch nur gerade aus bis zur Wendeboje und wieder zurück. Gute Voraussetzungen, dass ich dieses Mal einen Zick-Zack Kurs vermeiden konnte. Die ersten hundert Meter fühlten sich gut an, ich kam direkt in meinen Rhythmus und hatte nicht das Gefühl, das ich es zu locker oder zu schnell angegangen bin. So verlief das Schwimmen bis auf eine kurze Begegnung mit einem Schwan für mich recht unspektakulär und war „schnell“ vorbei. Ich stieg mit 34:46 Minuten aus dem Wasser, was ungefähr die Zeit war, die ich mir vorgenommen hatte. Also ab in die Wechselzone, schnell noch einen Schluck Iso und los geht’s!

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Foto: Nina Bakker

Das Radfahren

Kaum bog ich auf die Radstrecke ab, war er direkt da: Der groß angekündigte Wind. Da ja drei Runden zu fahren waren, musste ich ja irgendwann auch Rückenwind haben. Ich trat also direkt rein und schaute auf meinen Radcomputer, dass ich das angepeilte Tempo von 35 km/h im Schnitt fahre. Alles lief soweit gut, die Verpflegung passte und die Beine fühlten sich gut an. Hier und da ein kleiner Anstieg, aber ansonsten war die Radstrecke überwiegend flach, sodass ich es mir in meiner Aeroposition bequem machen konnte. Überraschenderweise war die Strecke gar nicht so voll wie ich befürchtet hatte, obwohl am frühen Morgen auch die Langdistanzler gestartet sind.Demzufolge gingen die ersten beiden Runden schnell vorbei und ich hatte das Gefühl, dass es ein starker Tag von mir werden konnte. Bis Kilometer 80 zumindest. Da kam ganz kurz der gefürchtete Mann mit dem Hammer vorbei und gab mir nur einen kleinen Hieb. Meine Beine wurden merklich schwerer und ich bekam nicht mehr den Druck auf die Pedale den ich wollte.

„…so haben mir der Wind und die
98 Kilometer komplett den Stecker gezogen.“

Wie es dann so ist, wenn man nach km/h fährt, versuchte ich wie ein Besessener noch irgendwie den Schnitt zu halten. Eine unfassbare Schinderei, welcher ich am Ende ziemlich Tribut zollen musste. Der erhoffte Rückenwind blieb größtenteils auch aus und so haben mir der Wind und die 98 Kilometer komplett den Stecker gezogen. Also irgendwie noch durchkommen und beim Laufen gut verpflegen, damit das Ganze nicht doch noch böse endet. Als ich dann endlich nach 2:47h vom Rad stieg und in die Wechselzone lief, fühlten sich die Beine noch einigermaßen in Ordnung an. Reiß dich nochmal zusammen und laufe einen soliden Halbmarathon!

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Das Laufen

Ich lief also los und konnte mich gut bei 4:30 min/km einpendeln. Sehr gut, genau das was ich wollte und vielleicht geht hinten raus doch noch was. Bei Kilometer 5 dann das erste Gel. Dann kam Kilometer 6 und er war wieder da, der Mann mit dem diesmal richtig großen Hammer. Ich fiel in ein Loch, aus dem ich während der drei Laufrunden nicht mehr richtig rausgekommen bin.

„Mit Cola fing ich nach 15 Kilometer an – wahrscheinlich zu spät.“

Ich dachte nur noch von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation, welche glücklicherweise alle 2,5 Kilometer kam. Mit Cola fing ich nach 15 Kilometer an – wahrscheinlich zu spät. Ich lief zwischen 4:45 min/km und 5 min/km, mehr war nicht mehr drin. Im Kopf habe ich mir immer wieder versucht hervorzurufen, wie ich solche Situationen im Training gemeistert habe, um positive Gedanken zu bekommen und so nochmal auf den letzten Kilometern anlaufen zu können. Ich lief mit einer Zeit von 1:45h ins Ziel und war komplett leer. Ich musste mich auch erstmal sammeln und die vergangenen 5:10h aufarbeiten.

Fazit

Ich war enttäuscht, wie der Tag gelaufen ist. Ich habe auf dem Rad ganz viel Lehrgeld mit meiner Strategie gezahlt. Vielleicht hätte ich mehr auf mein Gefühl während des Fahrens und nicht den Radcomputer hören sollen. Aus diesem Grund wird meine nächste Investition sicher ein Leistungsmesser sein. Mit ein paar Tagen Abstand bin ich aber dennoch sehr zufrieden, wie die Saison gelaufen ist. Ich habe viel gelernt, was man machen sollte und was nicht und weiß auch, was ich besser machen will. Mir wurden auch immer wieder meine Grenzen aufgezeigt, sei es im Training oder im Wettkampf, weshalb ich auch weiß, wo ich mich verbessern kann und muss.

„…in die Planung für 2019 gegangen und worauf wir im Training den Fokus legen wollen.“

Ich habe bereits ein längeres Gespräch mit meinem Trainer gehabt und sind sogar schon in die Planung für 2019 gegangen und worauf wir im Training den Fokus legen wollen. Stand jetzt werde ich 3-4 Olympische Distanzen machen und 2 Mitteldistanzen. Glücklicherweise sieht er in mir noch großes Potenzial, da ich bereits in den 3 Monaten die wir nur zusammen gearbeitet haben, deutlich stärker geworden bin. Also bin ich jetzt schon gespannt, was 2019 für eine Saison wird. In die Vorbereitung werden wir aber erst im November gehen. Jetzt heißt es erstmal eine Woche lang gar nichts machen und zukünftig nur noch dann Sport zu machen, wann und wie ich Lust habe.

Über Christopher Brüschke

Christopher ist als Quereinsteiger aus dem Fußball ein echter Triathlon-Rookie und bestreitet im Jahr 2018 seine ersten Wettkämpfe. Dennoch hat er sich gleich für sein erstes Jahr das Ziel gesetzt, seine erste Mitteldistanz mit einem guten Ergebnis zu finishen. Auf TIME2TRI berichtet Christopher über seinen Weg dorthin mit persönlichen Einblicken in sein Training, Ernährung, Equipment, Rennberichten und vielem mehr.

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