Nonverbale Kommunikation – Die Regeln der Gruppenausfahrt


Die Zeit des Trainingslagers und der Gruppenausfahrten beginnt nun wieder. Beim Fahren in der Gruppe ist es wichtig, dass man sich aufeinander verlassen kann. Das beginnt damit, dass jeder mit Helm fährt und mit einem sicheren Rad (funktionsfähigen Bremsen und Schaltung) zur Ausfahrt erscheint. Aber auch die Kommunikation untereinander ist auf dem Rad elementar.

Damit es bei eurer nächsten Gruppenausfahrt keine Überraschungen gibt, findet ihr nachfolgend die wichtigsten Handsignale und Regeln der StVO.

Warum ein geringer Abstand zum Vordermann wichtig ist

Das Fahren in der Gruppe mit einem geringen Abstand zum Vordermann hat neben dem positiven Effekt des Windschattens den wichtigen Grund, dass man durch einen geringen Abstand im Straßenverkehr als „geschlossener Verband“ wahrgenommen wird und gilt. Hierzu eine kurze Regelkunde: Ein Autofahrer sollte für gewöhnlich hintereinander oder ab 16 Personen in 2er Reihe nebeneinander (§ 27 Abs. 1 Satz 2 StVO) fahrende Radler nur so überholen, „dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen ist. Beim Überholen muss ein ausreichender Seitenabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere zu den zu Fuß Gehenden und zu den Rad Fahrenden, eingehalten werden.“ (§ 5, Absatz 4 StVO). Die fehlende Definition des Seitenabstands haben Gerichte in der Rechtssprechung vorgenommen. So findet man die Angabe von 1,5m Abstand beim überholen z.B. auf der Internetseite Anwaltauskunft mit dem Zitat des Rechtsanwalt Christian Janeczek von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV): „Die Rechtsprechung geht davon aus, dass der Abstand beim Überholen eines Fahrrads mindestens 1,5 Meter betragen muss“.



Ob ein geschlossener Verband (also eine zusammengehörende Gruppe) vorliegt, fällt einem Autofahrer dann sehr schwer einzuschätzen, wenn zwischen den Radfahrern immer wieder eine größere Lücke herrscht. Das wird oft genutzt, um die Gruppe (oftmals gefahrenreich) in mehreren Schritten zu überholen. In diesem Fall – zu große Lücken – gilt der Verband auch nicht mehr als geschlossen.

Zurück zum Thema Kommunikation innerhalb der Radgruppe. Damit man sich innerhalb einer Gruppe ohne viele Worte versteht, gibt es einige wichtige Handzeichen, welche sich in dieser oder leicht abgewandelter Form immer wiederfinden. Wichtig ist, dass die Handzeichen von jedem innerhalb der Gruppe weitergegeben werden.

„Handzeichen werden frühzeitig, und von JEDEM in der Gruppe, gegeben.“

Stopp

Um eine Stoppsituation (Kreuzung, Ampel, etc.) anzuzeigen, wird der Arm mit flacher Hand deutlich nach oben, über den Kopf, gestreckt und langsam runtergebremst. Das Handzeichen mit einem lauten „Stopp“ oder „Halt“ verbal kommunizieren. Optional kann das Wiederanfahren mit einem „Weiter“ oder „Los“ kommuniziert werden.

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Richtungswechsel

Ein Richtungswechsel wird, wie in der Schule gelernt, mit dem entsprechenden ausgestreckten Arm angezeigt. Für den Führenden ist es empfehlenswert, das Handzeichen deutlich auf Kopfhöhe anzuzeigen. Den Richtungswechsel durch rufen der Fahrtrichtung anzukündigen ist sehr gut.

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Hindernis umfahren

Ein in Fahrtrichtung zu umfahrendes Hindernis (parkendes Auto o.ä.) wird mit der rechten Hand und einer Bewegung von der Seite hinter den Rücken angezeigt. Das Hindernis wird auch in einem deutlichen Bogen umfahren, damit es für die hinteren Fahrer sichtbar wird.

Das gleiche Handzeichen mit der linken Hand, wird dazu genutzt um Gegenverkehr anzuzeigen.

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Gefahrenstelle anzeigen

Der Zeigefinger am ausgestreckten Arm deutet auf das Hindernis (Schlagloch, Poller, o.ä.) und warnt die im Verband nachfolgenden über die Gefahrenstelle.

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Großflächige Gefahrenstelle

Eine größere Fläche von bspw. Splitt, Scherben oder groben Unebenheiten werden durch die flach ausgestreckte Handfläche zum Boden angezeigt.

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Langsamer / Abstand

Für den Guide, oder den ortskundigen Fahrer empfiehlt es sich, durch die flache, nach hinten gerichtete Hand der Gruppe mitzuteilen das etwas langsamer gefahren werden soll, aufgrund einer scharfen Kurve oder weil er bereits weiß, dass eine überraschende Situation (Kreuzung o.ä.) aktuell noch nicht ersichtlich ist.

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Querverlaufendes Hindernis

Schienen, Speedbumps oder Absätze in der Straße, welche quer verlaufen, werden deutlich durch ein Abknicken des Unterarms und einer Pendelbewegung von diesem angezeigt.

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Wiegetritt anzeigen

Das Zeichen um das Fahren im Wiegetritt anzuzeigen ist sehr hilfreich, da man den Rhythmus kurz wechselt, ggf. etwas Geschwindigkeit verliert und so die nachfolgenden Fahrer nicht unnötig überrascht. Mit dem Zeige- und Mittelfinger wird hinter dem Rücken, auf Höhe des unteren Rückens eine Aufwärtsbewegung gemacht und anschließend in den Wiegetritt gewechselt.

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„Empfehlenswert ist es, die Handzeichen durch laute, eindeutige Worte zu ergänzen.“

Am einfachsten ist es, wenn ihr in eurer Gruppe vor der Ausfahrt, die Handzeichen erklärt und auf die Wichtigkeit dieser Kommunikation hinweist.

Aus meiner Erfahrung als Trainer und Guide nachfolgend Tipps für Gruppenausfahrten:

  • Dicht hintereinander fahren (ab 16 Radler in 2er Reihe nebeneinander)
  • Nach hinten geschaut wird, in 2er Reihe, nur mit Abstützten/Stabilisieren beim Nebenmann (Absprechen!)
  • Gruppenneulinge am besten zuerst am Ende der Gruppe einreihen – nicht als letzte!
  • Leicht versetzt zum Vordermann fahren
  • Wer nach vorne fährt, hält das Tempo bei
  • Jeder gibt die Handzeichen weiter
  • Kommandos von hinten werden nach vorn durchgerufen (bspw. kürzer = langsamer)
  • Stoppsituationen langsam anrollen
  • Im Pannenfall wird aufeinander gewartet, oder etwas anderes abgestimmt
  • Höchste Konzentration um abrupte Steuer- und/oder Bremsmanöver zu vermeiden
  • Führungswechsel absprechen
  • Handzeichen durch Rufkommandos ergänzen bspw. Stopp, Gegenverkehr, Poller, Bodenwelle,…
  • Keine falschen „Spaß“ Kommandos verbreiten (bspw. rechts rufen, wenn es links geht)
  • Am Berg wird auch dem Letzten eine Pause gegönnt
  • Kleidung wird auf dem Rad nur am Gruppenende und mit ausreichender Radbeherschung während der Fahrt aus- oder angezogen. Alternativ um einen kurzen Stopp bitten.

 

Über Simon Schlichenmaier

Simon ist Triathlet aus Passion und will nicht nur sportlich immer besser werden. Sein Ziel ist es, durch TIME2TRI diese Leidenschaft an andere Athleten weiterzugeben. Als User der ersten Stunde ist er bei TIME2TRI besonders kritisch und will die perfekte Software als Trainingsbegleiter. Privat ist Simon ein "Mitesser" und spekuliert immer darauf, dass andere ihre Portion nicht schaffen.

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