Zwischen Bundesliga und WTS – ein Rückblick


Die Saison 2018 ist in vollem Gange – auch bei mir standen zuletzt in kurzem Abstand drei herausfordernde Rennen an. Neben dem WTS-Rennen im Mixed-Team-Relay in Hamburg stand ich bei der Bundesliga in Münster und dem WTS-Rennen in Edmonton an der Startlinie.

Hamburg

Bereits im März hatte ich die DTU-interne Qualifikationsnorm erfüllt, die mich dazu berechtigt, bei Rennen der World Triathlon Series an den Start zu gehen. Aufgrund fehlender Punkte im ITU-Ranking war der Start bei einem Einzelrennen bisher für mich allerdings nicht möglich.

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Auch ein Einzelstart in Hamburg war deshalb trotz nationalem Kontingent für mich leider kein Thema. Umso größer war die Freude, als ich vom Sportdirektor der DTU für die Mixed-Team-Relay Weltmeisterschaft nominiert wurde. Ausschlaggebend dafür war mein 2. Platz bei den Deutschen Meisterschaften in Düsseldorf vor Wochenfrist. Mit guter Form und einem guten Gefühl im Gepäck ging es für mich donnerstags mit dem Auto einmal quer durch Deutschland von Dettingen/Erms nach Hamburg. Die Einzelrennen verfolgte ich noch in der Zuschauerrolle von der Tribüne aus und war hautnah bei der sensationellen Performance von Laura Lindemann dabei. Am nächsten Tag war ich dann selbst bei der Mixed-Team-Relay zusammen mit meinen Teamkollegen Laura Lindemann, Jonas Schomburg und Jonas Breinlinger gefordert.

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Laura legte wie am Vortag den Grundstein für eine gute Team-Platzierung und übergab in Führung liegend an Jonas Schomburg auf Position 2. Nach einem tollen Schwimmen und starken Radfahren musste er die Spitze beim abschließenden Lauf leider etwas ziehen lassen. Dennoch war unser Ziel, eine Top8-Plazierung zu erreichen, weiterhin möglich. Auf Position 8 liegend übernahm ich die Staffel von Jonas. Vorgabe war, die entstandene Lücke nach vorne bereits beim Schwimmen zu schließen. Die letzten Trainingseinheiten haben mir gezeigt, dass meine Form im Wasser passt und entsprechend konnte ich den Anschluss nach der Auftaktdisziplin wieder herstellen. In einer größeren Verfolgergruppe forcierten wir weiter das Tempo, um den Rückstand auf die Top-Nationen gering zu halten. Bereits in Düsseldorf hatte ich das Gefühl, im Laufbereich einen Sprung gemacht zu haben und auch jetzt war zum richtigen Zeitpunkt auf meine Laufbeine verlass. Gemeinsam in einer Gruppe von Platz 5-8 übergab ich die Staffel auf unseren Schlussmann Jonas Breinlinger. Der zeigte ein richtig starkes Rennen und brachte uns letztendlich auf einem im Vorfeld nicht für möglich gehaltenen 6. Platz ins Ziel. Insgesamt haben wir alle an diesem Tag ein richtig starkes Rennen abgeliefert und ich freue mich Bestandteil dieses Teams gewesen zu sein. Gleichzeitig haben wir mit diesem Ergebnis den Status „Olympiakader“ für das nächste Jahr gesichert.

Bundesliga Münster

Eine Woche nach Hamburg ging es für mich wieder in der Bundesliga beim Citysprint in Münster zur Sache. Nach einem sehr guten Start war ich in einer Führungsgruppe u.a. mit Lucy Hall und Gilian Backhouse, bevor ich zum Ende der Schwimmstrecke etwas ablassen musste. Mit einem Rückstand von 18 sec auf die Spitze wechselte ich aufs Rad und nahm sofort die Verfolgung auf. An einem kleinen Anstieg gelang es mir, die Verfolgergruppe durch eine Tempoverschärfung zu verkleinern und auch die Spitze wurde zu diesem Zeitpunkt bereits gestellt.

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Wie so oft lief es auch dieses Mal auf eine Laufentscheidung hinaus. Was zu diesem Zeitpunkt niemand wusste war, dass sowohl ich als auch der Rest des Team Witten mit einer Zeitstrafe belegt wurde. Scheinbar hatten die Kampfrichter einen Frühstart beim Schwimmen erkannt. Für mich sehr schade, denn dadurch habe ich meinen 3. Platz in der Penalty-Box verloren und meine sehr gute Laufleistung rückte dadurch etwas in den Hintergrund. Auch ein Einspruch nach dem Rennen war aufgrund der Tatsachenentscheidung nicht möglich. Die Auswertung des Bildmaterials zeigte kein klares Vergehen. Schade, dass dadurch in das Rennergebnis eingegriffen wurde, denn eine 10 sec Strafe steht in keinem Verhältnis zu der Millisekunde die wir beim Start gewonnen haben sollen. Am Ende des Tages belegten wir mit Team aus Witten dennoch noch Rang 3.

WTS Edmonton

Nach dem Rennen in Münster war alles angerichtet für die Rückkehr in die World Triathlon Series. Die Vorzeichen standen gut, um auch in Edmonton, Kanada wieder in der Top-Rennserie des Triathlon Fuß zu fassen.

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Doch es sollte anders kommen als erwartet. Bereits die Tage vor dem Rennen spürte ich die Auswirkungen der langen Anreise und der Jetlag machte mir ungewöhnlich stark zu schaffen. Selbst leichtes Training führte nicht zu einer spürbaren Verbesserung. Dennoch hatte ich die Hoffnung, ein gutes Ergebnis erreichen zu können. Entsprechend positiv eingestellt startete ich am vergangenen Wochenende gegen die besten Triathletinnen der Welt ins Rennen. Der Auftakt über die 750 Meter lange Schwimmstrecke verlief zufriedenstellend. An Position 27 erreichte ich die Wechselzone und nahm in der ersten großen Verfolgergruppe das Radfahren in Angriff. Schnell bemerkte ich aber, dass mein Körper auf die hohe Belastung nicht wie gewohnt reagierte und ich meine Power nicht abrufen konnte – so musste ich die Radgruppe ziehen lassen. Auf meine Radstärke war bisher immer Verlass – ausgerechnet dieses Mal jedoch nicht. Der abschließende 5km-Lauf konnte das Ergebnis in keinem Fall mehr korrigieren.

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Ohne Energie im Körper kämpfte ich mich letztlich noch über die Ziellinie. Platz 34 in der Endwertung war für mich eine große Enttäuschung und spiegelte in keinster Weise mein vorhandenes Leistungsvermögen wieder – alleine meine Laufzeit war gegenüber dem Bundesligarennen in der Vorwoche 3 Minuten langsamer und ein Indiz dafür, dass Faktoren außerhalb meiner körperlichen Fitness mein Rennen negativ beeinflusst haben. Gemeinsam mit meinem Coach Dan Lorang werde ich in den kommenden Tagen nochmals in die Analyse gehen.

Der Sieg in Edmonton ging übrigens an die Britin Vicky Holland vor Ahleight Gentle und Georgia Taylor-Brown. Mit insgesamt 4 Britinnen in den Top5 spricht das Ergebnis eine klare Sprache, wer im Moment das Tempo in der Weltspitze des Frauen-Triathlon vorgibt.

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Dennoch gilt es jetzt, das Ergebnis physisch und psychisch schnell zu verarbeiten und mich wieder zurück an die deutsche Zeitzone zu gewöhnen, denn am nächsten Wochenende steht mein Heimrennen bei der 4. Station der Triathlon Bundesliga in Tübingen an. Eine neue Chance, um wieder anzugreifen und meine gute Verfassung unter Beweis zu stellen!

Über Anja Knapp

Anja startet seit einigen Jahren als Profi-Triathletin auf der Kurzdistanz. Ihr Bewegungsdrang war schon im Kindesalter kaum zu bändigen, vor 20 Jahren entdeckte sie schließlich ihre Leidenschaft für den Triathlonsport, der sie bis heute nachgehen kann. Ihr großes Ziel: die Teilnahme an den olympischen Spielen. Auf TIME2TRI berichtet Anja regelmäßig von ihrem Weg dorthin.

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