Den Swissman finisht man mit dem Herzen – Rennbericht von Dominique


Dominique Chassot hat sich am Wochenende auf ein ganz besonderes Abenteuer begeben: den Start beim Swissman Extreme Triathlon.  Nach 22:02:48 Stunden und über 5500 Höhenmetern erreichte sie müde aber glücklich das Ziel. Wie es ihr auf der Strecke erging? Für TIME2TRI hat sie einen Rennbericht verfasst.

Es war ein langer Tag beim SWISSMAN Extreme Triathlon, zumal ich in der Nacht schon kaum geschlafen hatte, da ich hypernervös war. Mein Wecker klingelte um 2:30 Uhr, es hieß die letzten Vorbereitungen treffen, Frühstücken, Wechselzone einrichten und dann ging es auch schon mit dem Boot hinaus auf die Brissago-Insel.

Dominique Chassot vor dem Schwimmstart
Dominique Chassot vor dem Schwimmstart

Kurz vor 05:00 morgens tauchten wir ins Wasser – zum Glück fiel der Startschuss ziemlich zügig, denn ein Wasserstart, wo man an Ort und Stelle paddeln muss, kann schnell ermüden. Anfangs gab es wie gewohnt bei einem Massenstart etwas Gerangel, das Feld zog sich aber schnell in die Breite und danach war es sehr angenehm zu schwimmen, auch von den Temperaturen her, der Lago Maggiore hatte ungefähr 20 Grad. Ich hatte sehr schnell ein Paar Füße vor mir, denen ich folgen konnte, musste deshalb kaum selber navigieren und konnte dadurch etwas Kraft sparen.

Das Boot für die Schwimmer
Das Boot für die Schwimmer

Leider haben die Füße vor mir nach etwa 2 Kilometern schlapp gemacht und haben auf Brustschwimmen umgestellt, d.h. von diesem Moment an war ich auf mich alleine gestellt, kam aber dennoch entspannt aus dem Wasser.

Dominique Chassot in der T1
Dominique Chassot in der T1

Der Wechsel zum Rad ging zügig und problemlos, auf dem Fahrrad habe ich schnell meinen Rhythmus gefunden. Da ich ahnte, dass der Tag noch sehr lang werden würde (ich hätte in dem Moment nicht gedacht, dass er SO lang werden würde) bin ich es relativ „gemütlich“ angegangen. Wie ich mir vorgenommen hatte, habe ich mich regelmäßig flüssig ernährt (hochkonzentrierte Kohlenhydrate als Gel in der Trinkflasche). Merkwürdigerweise hatte ich aber trotzdem schon relativ früh ein „Hungergefühl“.

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Ich bekam leider auch relativ schnell Knieschmerzen und habe zudem meinen Rücken immer wieder etwas gespürt, deshalb habe ich häufig meine Position gewechselt, von der Aeroposition in die Aufrechte und dazwischen immer auch wieder in den Wiegetritt. So gestaltete sich das Radfahren etwas zäh.

Die Tremola mit ihren Kopfsteinpflastern war sehr langwierig mit teilweise sehr viel Gegenwind und auch unangenehm kalten Temperaturen. Oben angekommen, wurde ich von meinem Betreuer Oli auch gleich mit warmer Kleidung eingedeckt. Auf dem Gipfel wurde ich sogar noch kurz für ein TV-Interview angefragt, der Moderator war aber eine mittlere Pfeife, konnte sich seine Fragen nicht merken und dementsprechend zog sich auch das in die Länge….hätte ich das mal vorher gewusst! Endlich ließ er mich dann auch wieder weiterfahren, so konnte ich die Abfahrt zum Hospental in Angriff nehmen. Trotz meinen hohen Felgen und dem böigem Wind bin ich gut runtergekommen und schon kam der nächste lange Aufstieg zur Furka-Passhöhe. Der Aufstieg ging sehr gut, ich hatte trotz Knieschmerzen gute Beine und konnte auch hier schon einige Athleten einholen.

Radstrecke SWISSMAN
Radstrecke SWISSMAN

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich jedoch bereits ein kleines „Ernährungsproblem“ – meine zweite Trinkflasche habe ich schon gar nicht mehr angerührt, da mein Magen bereits etwas zu rebellieren begann. Ich habe mich noch etwas mit „Gummibärchen“ über Wasser gehalten, mein Speicher war jedoch vermutlich da schon leer. Trotz allem habe ich auch den Grimsel noch problemlos geschafft und war happy, da ich wusste, dass mich eine schöne und lange Talabfahrt erwarten würde. Der Wind hatte jedoch bereits deutlich zugenommen und mit meinen Felgen war es dann sehr tricky, auf Spur zu bleiben – ich wurde so ziemlich in alle Richtungen geschoben. Zum Glück kam ich aber heil unten an und nach einem kurzen und knackigen Gegenanstieg (Aareschlucht) lagen nur noch etwa 20 Kilometer vor mir bis zu T2.

Radstrecke SWISSMAN
Radstrecke SWISSMAN

Diese letzten Kilometer hatten es wirklich in sich, denn mit dem heftigen Gegenwind schienen sie endlos.
Mega froh endlich vom Rad runterzukommen, freute ich mich, meine Laufschuhe anzuziehen und loszulaufen! Nach wie vor fühlte ich mich trotz der leichten Magenprobleme auf dem Rad sehr gut! Anfangs lief ich auch noch sehr entspannt ohne Probleme, mit der Zeit meldete sich mein Magen aber immer deutlicher zurück. Ich konnte immerhin noch 2 Gummibärchen und ein paar Salzstängel zu mir nehmen, danach war leider definitiv Feierabend – mein Magen hatte sich verabschiedet und komplett zugemacht.

Bis etwa Kilometer 21 konnte ich noch ein einigermaßen „normales“ Tempo rennen, danach war mir so übel, dass ich immer wieder einen Würgereiz hatte. Ich schleppte mich also immer noch halb gehend, halb trabend bis zur nächsten Verpflegungsstation. Olis Frau Viola hatte auf meine Bitte hin noch Bananen organisiert, da ich dachte, dass ich die runterbekomme – aber auch dem war nicht so. Wir haben es auch noch mit Brot versucht, aber in meinen Magen ging einfach nichts mehr rein. Das hieß für mich: DNF ist keine Option – die letzten 10 Kilometer mit 1000 Höhenmetern mussten ohne Nahrung in Angriff genommen werden.

mit vereinten Kräften auf der Laufstrecke
mit vereinten Kräften auf der Laufstrecke

Es waren vermutlich die längsten 10 Kilometer in meiner Sportkarriere. Unterwegs gab ich dann auch noch den letzten Rest, den ich noch im Magen hatte, her. Aber gut – ich sagte mir: wenn man es bei einem SWISSMAN bis hierhin schafft, dann schafft man es auch bis ins Ziel. Meine Supporter haben mich die restliche Strecke über gezogen, gestoßen, angefeuert, motiviert und abgelenkt. Irgendwann war dann auch endlich das Ziel in Sicht. Die Hintergrundkulisse mit Eiger, Mönch und der Jungfrau im Mondschein hat uns für einige Strapazen entschädigt!

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mit den Helfern auf den letzten Metern

Und dann hieß es auf einmal: „nur noch ein paar Treppenstufen und du hast es geschafft!“

Den Moment, in dem wir ins Ziel marschiert sind, werde ich wohl nie wieder vergessen, es war unbeschreiblich! Es waren Emotionen pur!!!

Dominique und ihre Helfer
Dominique und ihre Helfer im Ziel

Danke an das beste Supporter-Team, ohne sie hätte ich das nicht geschafft. Einen Tag nach dem Rennen sind die größten Schmerzen und das Leiden schon wieder passé und es bleiben wunderschöne Erinnerungen in einer traumhaften Landschaft mit wundervollen Freunden umgeben, ich möchte dieses Erlebnis auf keinen Fall missen, ganz nach dem Motto: einen Marathon finisht du mit den Muskeln, einen Triathlon mit dem Kopf und den SWISSMAN mit dem Herzen.

Eure Dominique

Über Stephanie Päthe

Steffie ist die Frau für schöne Dinge. Weil sie gutes Design und das Besondere liebt, gestaltete sie ihren Trainingsplan bis zur Geburt von TIME2TRI mangels gefallender Trainingssoftware noch kreativ per Hand. Steffie macht Sport nicht nur aus Spaß an der Bewegung sondern auch, weil sie Herausforderungen liebt. Apropos: Unsere Kreative liebt das Abhaken von To-Do-Listen und gesundes Essen - ihre Schwachstelle ist allerdings der Ritter Sport-Fabrikverkauf...

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