Sollte ein Triathlet verschiedene Schwimmarten beherrschen?


Sollte ein Triathlet verschiedene Schwimmarten beherrschen? Die kurze Antwort darauf ist: Ja.

Einige  Triathleten werden jetzt sagen „aber im Wettkampf schwimme ich doch auch nur Kraul!“. Das stimmt, aber es gibt viele Vorteile dadurch, unterschiedliche Schwimmarten in das Training einzubringen, anstatt ausschließlich Kraul zu schwimmen.

Es gibt vier offizielle Schwimmarten: Delfin, Rücken, Brust und Kraul. Für mich gibt es noch eine fünfte Schwimmart: Altdeutsch. Altdeutsch wird auch als Rücken-Gleichschlag bezeichnet. Die Arme werden dabei wie beim Rückenschwimmen bewegt, allerdings nicht nacheinander sondern gleichzeitig. Dazu wird ein Brustbeinschlag ausgeführt – ein Beinschlag pro Armzug. Es folgt eine Gleitphase während die Arme am Körper angelegt und die Beine gestreckt sind.

Der Einsatz von Delfin, Rücken, Brust und Altdeutsch im Training beugt dem monotonen Kachelnzählen vor.

Aktive Pause

Eine aktive Pause von 100m locker zwischen einzelnen Intervallblöcken bringt den Puls runter und baut das Laktat besser ab, als 2 Minuten am Beckenrand zu stehen. Altdeutsch, Rücken oder Brust sind hier sehr geeignet, um die Arme und Beine locker auszuschütteln.

Verletzungen vorbeugen

Wer immer dieselbe Bewegung durchführt, läuft Gefahr, sich zu verletzen. Vor allem bei längeren Einheiten über 3km ermüdet immer die gleiche Muskelgruppe, wenn nur eine Schwimmart geschwommen wird. Das führt dazu, dass die Bewegung nicht mehr sauber durchgeführt wird und das Verletzungsrisiko steigt. Daher ist es wichtig, eine aktive Pause ins Training einzubauen, um vor allem bei vielem Kraulschwimmen die Schulter zu entlasten. Hierzu ist vor allem Brustschwimmen gut geeignet.



Trainiere andere Muskelgruppen

Bei einseitigen Bewegungen werden immer die gleichen Muskelgruppen trainiert. Beim Kraulschwimmen kommt die meiste Kraft aus der Schulter. Rückenschwimmen trainiert ebenfalls die Flexbililität der Schulter, allerdings in die andere Bewegungsrichtung wie beim Kraulschwimmen. Beim Kraulschwimmen kommt der Hauptantrieb aus den Armen, beim Brustschwimmen aus den Beinen. Während weiterhin die Ausdauer trainiert wird, können sich die Arme etwas erholen, während mehr aus den Beinen gearbeitet wird. Der Armzug beim Delfinschwimmen ist dem beim Kraulschwimmen sehr ähnlich, außer dass die Arme zeitgleich nach vorne bewegt werden. Delfinschwimmen ist deutlich kraftinseniver, weshalb bereits über kurze Strecken ein sehr gutes Armkrafttraining erzielt werden kann.

Rückenschwimmen
Rückenschwimmen

Koordinative Fähigkeiten

Das Schwimmen von verschiedenen Schwimmarten verbessert die koordinativen Fähigkeiten, wie z.B. Rhythmisierung, Kopplung, Umstellung, Gleichgewicht und Orientierung. Durch die Kombination von zwei Schwimmarten wird dies weiter gestärkt, wie zum Beispiel zur Kopplung und Rhytmisierug Kraularme mit Brustbeinschlag oder die sehr effektive Übung zur Orientierung „Indianerkraul“, was bedeutet: ein Zug Kraul im Wechsel mit einem Zug Rücken.

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Abwechslung

Wird im Training ausschließlich Kraul geschwommen, wird das Training monoton und langweilig (Kacheln zählen). Ein Wechsel verschiedener Schwimmarten beschäftigt den Kopf, schafft Abwechslung, macht das Training kurzweilig und hilft beim Zählen von längeren Strecken oder Wiederholungen. Besonders beliebt ist hierfür die olympische Lagenreihenfolge: Delfin, Rücken, Brust, Kraul.  Üblicherweise werden sie beim Schwimmen als 100m, 200m oder 400m Lagen geschwommen, wobei der Anteil jeder Schwimmart gleich ist. Für Triathleten ist es empfehlenswert diese Lagenreihenfolge mit der Hauptschwimmart Kraul zu kombinieren, wie z.B. 4x100m (25m in Lagenreihenfolge plus 75m Kraul).

Ausdauer für Krauleinsteiger

Als Krauleinsteiger steht man oft vor der Problematik, dass man kurze Strecken bereits schafft, aber es nicht für Ausdauerstrecken reicht. Durch den Wechsel zwischen 100m Kraul plus 50m Brust können zum Beispiel 600m am Stück Grundlage geschwommen werden.

Brustschwimmen
Brustschwimmen

Unterbrechungen trainieren

Beim Wettkampf im Freiwasser kann es schon mal vorkommen, dass an der Boje Gedrängel entsteht oder man sich unterwegs einen Überblick verschaffen muss. Dann ist es hilfreich, das Kraulschwimmen mit ein paar Brustzügen zu unterbrechen. Diese Umstellung will geübt sein. Zur Übung ist es ausreichend immer mal wieder 100m Lagen zu schwimmen.

Schwimmarten erlernen

Die meisten Athleten starten mit dem Brustschwimmen und erlernen dann das Kraulschwimmen. Rückenschwimmen ist koordinativ und kräftemäßig ähnlich dem Kraulschwimmen lernbar, wobei sogar der Knackpunkt der Atmung entfällt. Delfinschwimmen ist sehr kraftaufwändig. Vor allem für Einsteiger ist es nicht ratsam Delfinschwimmen zu lernen. Es ist vollkommen ausreichend zwischen Brust, Rücken und Kraul zu wechseln. Empfehlenswert ist, das Delfinschwimmen als Delfin-Abschlag zu starten, sprich: Delfinarmzug mit dem rechten Arm (Atmung zur Seite wie beim Kraul) plus 2 Delfinbeinschläge, nach Beenden ist der rechte Arm wieder vorne und der linke Arm startet den Armzug (Atmung ebenfalls zur Seite) plus 2 Delfinbeinschläge.

Prinzipiell ist es empfehlenswert sich zum Erlernen einer neuen Schwimmart an einen Trainer zu wenden.

Abwechslungsreiches Beispielprogramm (3,0 km)

Schwimmplan gegen Monotonie
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Über Sandra Schlichenmaier

Als Leistungssportlerin mag Sandra Abwechslung beim Sport und nutzt TIME2TRI, um Struktur in ihr Training zu bringen. Sandra ist die Disziplin in Person, aber wenn bei ihr morgens ein Nüchternlauf auf dem Plan steht, fällt er öfters mal auf dem Weg vom Bett zum Frühstückstisch dem Hunger zum Opfer. Da die Athletin in ihrer Karriere mit zahlreichen Trainern zusammen gearbeitet hat und selbst als Trainer aktiv ist, hält sie bei uns den Kontakt zu den Coaches.

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