Triathlon-Profi auf der Kurzdistanz: das kleine Kader-1×1 mit Anja Knapp


Was machst du eigentlich beruflich?“

„Ich bin Triathlon-Profi und nebenberuflich Mikrotechnologin!“

„Wow, krass! IRONMAN auf Hawaii und so, das, wo man am Schluss den Marathon laufen muss??“

„Nein nicht ganz, ich starte über die olympische Distanz für die Nationalmannschaft.“

„Wie? Da gibt es auch was anderes außer dem IRONMAN?“

„Ja, ich schwimme 1500m, fahre 40 Kilometer Rad und Laufe 10 Kilometer am Ende.“

„Achso! Mhm na gut, das könnte ich ja glatt auch noch schaffen – wenn das Schwimmen nicht wäre!“

So oder so ähnlich laufen regelmäßig Gespräche mit mir ab.

Hallo, mein Name ist Anja Knapp, ich bin Jahrgang 1988 und komme vom Fuß der schwäbischen Alb aus Dettingen an der Erms (viele werden wohl eher die Outlet City Metzingen kennen 😉 ).

„Hallo, mein Name ist Anja Knapp! Ich bin Jahrgang 1988 und Triathlon-Profi auf der Kurzdistanz.“

Seitdem ich 10 Jahre alt bin betreibe ich Triathlon und feiere somit in diesem Jahr mein 20-jähriges Dienstjubiläum. Seit knapp der Hälfte dieser Zeit starte ich mittlerweile als Elite Athletin bei nationalen und internationalen Rennen.

Als Triathletin über die sogenannte Kurzdistanz, auch olympische Distanz genannt, möchte ich euch zukünftig mit auf meine Reise nehmen und euch mehr über das Leben als Kurzdistanz-Profi erzählen.

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Die Ringe im Blick

Als Triathletin der Kurzdistanz sind das Highlight ganz klar die olympischen Spiele alle 4 Jahre. Doch auch dazwischen gibt es immer öfter wichtige Rennen und Wettkämpfe. Diese gehen aber meist unter, da sie nicht so sehr im Fokus der medialen Berichterstattung stehen und auch die Nominierungen nicht ganz so einfach sind wie z.B. bei den Mittel- und Langdistanz-Rennen der beiden großen Marken Challenge und IRONMAN.

Doch wie wird man überhaupt Triathlon-Profi auf der Kurzdistanz? Und wie war mein persönlicher Weg?

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Hintergrundwissen

Unser komplettes System ist in einzelne Kader aufgeteilt. Die Kaderstruktur des BWTV – meinem Heimat-Verband, aus dem heraus ich mich entwickelt habe – beginnt mit dem E-Kader (Altersbereich 14 bis 16 Jahre), daran knüpft der D-Kader an (16 bis 19). Auf Bundesebene folgen dann D/C- und C-Kader im Juniorenbereich, im Anschluss daran ist es möglich, in den B- und A-Kader der Deutschen Triathlon Union (DTU) aufzusteigen. Andere Landesverbände können etwas hiervon abweichende Strukturen haben aber das grundsätzliche Prinzip ist immer ähnlich.

Die erste Stufe, die Nachwuchsförderung und damit die Sichtung, Förderung und Weiterentwicklung von Talenten obliegt dem jeweiligen Landesverband. Hierzu werden jährliche Sichtungslehrgänge veranstaltet, bei denen sich die Vereinstrainer mit ihren Nachwuchsathleten zeigen können. Für die Besten besteht hier die Möglichkeit, in einen der Altersklasse entsprechenden Kaderkreis einsteigen zu können und gefördert zu werden.

Die Kriterien der Kadernominierung sind für gewöhnlich online auf den Internet-Präsenzen des Landesverbandes einsehbar.

Im Anschluss an den Landeskader beginnt, wie bereits erwähnt, die Bundeskader-Struktur der DTU mit dem Ziel, den Nachwuchs gezielt an das Niveau der Weltelite heranzuführen. Auch hier werden Leistungskriterien zur Berufung herangezogen. Diese sind unglaublich kompliziert und im Detail auf der DTU-Webseite einzusehen.

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Aufbau der DTU-Kaderstruktur

Grundsätzlich besteht der DTU-Nationalkader aus den folgenden Elementen:

  1. Perspektivkader (PK) Als Athlet des Perspektivkaders ist die Teilnahme an den (über)nächsten Olympischen Spielen das Ziel. Der Perspektivkader umfasst somit talentierte Nachwuchssportler, denen der Sprung in die Weltspitze zugetraut wird. Junioren, welche bereits frühzeitig herausragende Leistungen erzielt haben, erhalten eine frühe Berücksichtigung, bereits ab dem Alter von 20 Jahren. Ebenso tragen herausragende Leistungen in Rennen der Mixed Team Relay zu einer Berufung in den Perspektivkader bei. Mit dem Einstieg in das Wettkampfsystem der Erwachsenen (20 Jahre und älter) beginnt der Kaderbereich zwischen 22-26 Jahren. Die Zugehörigkeit muss durch eine jährliche Leistungsbestätigung erfolgen und die Zugehörigkeit ist auf maximal 5 Jahre begrenzt. Aufgrund von Einzelfallentscheidungen obliegt dem Präsidium die Hoheit, über die Zugehörigkeit zum PK zu entscheiden (z.B. Krankheit, Verletzungen, sehr gute Platzierungen WC/WTS und sehr gute Leistungsperspektiven). In der Saison 2018 besteht der PK aus Athleten wie Justus Nieschlag, Laura Lindemann und Lasse Lührs.
  2. Olympia Kader (OK) Wie der Name bereits sagt, ist der Olympia Kader das große Ziel eines Kurzdistanzathleten. Als Athlet mit diesem Kaderstatus lautet die Zielstellung die Teilnahme an den nächsten Olympischen Spielen. Die Nominierung erfolgt daher durch den sportlichen Nachweis mit dem Niveau von Medaillen- oder Finalplatzierungen im Rahmen von bisherigen Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften. Im Fokus des OK sind Athleten im Hochleistungsalter des Triathlons, also von 25-35 Jahren.
  3. Ergänzungskader (EK) Sparringspartner, welche zur Leistungsentwicklung von Olympia- und Perspektivkaderathleten beitragen, können den Ergänzungskader-Status erreichen. Die Athleten des Ergänzungskaders tragen auch dazu bei, durch Einsätze im Mixed Team Relay (MTR) oder durch Starts in der WTS Punkte und Plätze von nationalen Quotenplätzen für die Olympischen Spiele zu sichern. Grundlage für eine Berufung in den Ergänzungskader ist das regelmäßige, gemeinsame Training an einem Bundesstützpunkt auf einem dort üblichen sportlichen Niveau. Eine Berufung in den Ergänzungskader erfolgt sofort, wenn die Qualifikation zu den WTS (World Triathlon Series) erreicht wird. Hilfreich für die Ergänzungskader-Athleten ist, dass sie die Maßnahmen der Bundesstützpunkte in vollem Umfang nutzen können. Ergänzungskader Athleten sind meist 20-26 Jahre alt.
  4. Nachwuchskader (NK) I und II Im Nachwuchskader I ist es das Ziel, dem Athleten eine umfassende sportliche Ausbildung sowie langfristige Entwicklung hin zu Weltspitzenleistungen im Erwachsenenbereich zu ermöglichen. Es gibt keine fixe Kadergröße, diese ist flexibel und wird durch die Leistungskriterien bestimmt. Das Eintrittsalter beträgt 16 Jahre, um am internationalen Wettkampfsystem der Junioren teilzunehmen. Der Schwerpunkt der zu entwickelnden Athleten liegt hier im Altersbereich von 17-21 Jahren.Zum NK II sind die talentiertesten Athleten/innen  des  nationalen  Jugend  A‐  und  Juniorenbereiches (16-19 Jahre) zugehörig, vorwiegend  auf  der  Landesebene. Wer einmalig die Nominierungskriteren erfüllt hat, erlangt diesen Status für die aktuelle Saison. Die Anzahl der Kaderathleten ist nicht festgeschrieben und hängt vom Erreichen der Kriterien ab. Es ist eine jährliche Leistungsbestätigung dieses Niveaus notwendig.

Mein Weg

Wie so oft begann auch meine Reise bereits im Kindesalter – in meinem Fall im Alter von 9 Jahren mit einem Schnuppertriathlon in Dettingen. Ich merkte schnell: das Feuer für den Triathlonsport war entfacht!

Mein damaliger Trainier (Erich Jud), der mich heute neben Dan Lorang noch betreut, erkannte mein Potenzial, forderte und förderte mich. Die ersten nationalen Erfolge und die Berufung in den BaWü E- Kader 2002 und D- Kader 2003 ließen nicht lange auf sich warten.

Anja Knapp - Bild: privat
Anja Knapp – Bild: privat

2004 schaffte ich dann meinen sportlichen Durchbruch und qualifizierte mich für meine erste Junioren EM in Lausanne/ Schweiz (18. Platz).
Es folgte die Nominierung in den Nationalkader (C- Kader).

So begann für mich die Leistungsförderung zusammen mit meiner Zwillingsschwester Julia und die Weiterentwicklung in den Leistungskader. Gemeinsam durften uns unsere Eltern dann Woche für Woche zu Wettkämpfen begleiten und das Wohnmobil zum Familienurlaub alias Trainingslager fahren.

Anja Knapp - Bild: privat
Anja Knapp – Bild: privat

In den folgenden Jahren war ich weiterhin als Triathletin parallel zu meiner beruflichen Ausbildung unterwegs. Seit 2011 starte ich als Profi.

Nach einem erfolgreichen Jahr 2012, 3 x Top 15 in der Serie, begann die Trainerzusammenarbeit mit meinem Heimtrainier Erich Jud und Bundestrainer Dan Lorang.

Weitere Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. In Madrid gelang es mir,mich zum ersten Mal in den Top 10 eines Serienrennens zu platzieren. Es folgte 2013 der Team-Europameiser Titel in Alanya.
Ebenfalls im Jahr 2013 schaffte ich beim größten Sporthighlight des Jahres in Hamburg erneut als Achte den Sprung in die Top 10 und wurde zusammen mit Anne Haug, Jan Frodeno und Franz Löschke Team-Weltmeister!

Das ist ja alles ganz schön kompliziert! Warum das alles?

Neben all den Bundeskader-Statuten, die eine Förderung mit sich bringen (bspw. Leben und Trainieren am Stützpunkt), ist der Kaderstatus vor allem eine Hilfe, um an internationalen Rennen teilzunehmen, v.a. die Europacup- (EC), Weltcup- (WC) und über all dem die Rennen der World Triathlon Series. Für einen Start bei diesen Rennen findet der jährliche Leistungstest der DTU statt.

Bildquelle: Deutsche Triathlon Union
Bildquelle: Deutsche Triathlon Union

Dieser ist jedoch nur ein Puzzlestück für die Teilnahme an den WTS-Rennen.

Neben einer Top 3 Platzierung im DTU-Test ist auch eine Platzierung im Ranking der Internationalen Triathlon Union (ITU) unter den ersten 180 Frauen vonnöten. Punkte für dieses internationale Ranking werden in Europacup, Weltcup und natürlich bei WTS-Rennen gesammelt. Die Punkteanzahl ist je nach Rennart (EC/WC/WTS) und dem dort vertretenen Starterfeld unterschiedlich. Die genaue Aufschlüsselung ist öffentlich und für jeden zugänglich.

Aktuell befinde ich mich auf Platz 239 (413 Punkte) und bin nach meinem erfolgreichem 2. Platz im DTU-Test dabei, die Saisonplanung so anzupassen, dass ich schnellstmöglich meine notwendigen Punkte für einen Start bei der World Triathlon Series zusammensammeln kann. Drückt mir die Daumen, dass mir dieses Vorhaben gelingt! Ich freue mich auf jeden Fall schon darauf, euch auf diese Reise mitzunehmen.

Eure Anja

Über Anja Knapp

Anja startet seit einigen Jahren als Profi-Triathletin auf der Kurzdistanz. Ihr Bewegungsdrang war schon im Kindesalter kaum zu bändigen, vor 20 Jahren entdeckte sie schließlich ihre Leidenschaft für den Triathlonsport, der sie bis heute nachgehen kann. Ihr großes Ziel: die Teilnahme an den olympischen Spielen. Auf TIME2TRI berichtet Anja regelmäßig von ihrem Weg dorthin.

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