Erste Hilfe im Sport - Zusammenfassung der wichtigsten Themen

Im Rahme unseres Erste Hilfe - Specials habt ihr eine Reihe von Situationen kennengelernt, die euch im Alltag und im Training begegnen können. In diesem Beitrag möchte ich noch einm

Geschrieben von Karina Schmidt 18. Mai 2019

Im Rahme unseres Erste Hilfe - Specials habt ihr eine Reihe von Situationen kennengelernt, die euch im Alltag und im Training begegnen können. In diesem Beitrag möchte ich noch einmal auf die einzelnen Situationen eingehen und euch auch noch einmal schriftlich erklären, wie ihr euch richtig verhaltet.  Wenn ihr darüber hinaus noch Fragen oder Unklarheiten habt, schreibt sie mir gern! Speichert euch diesen Beitrag auch ruhig in den Favoriten eures Browsers ab, damit ihr ihn im Zweifel schnell wiederfindet und noch einmal nachlesen könnt!

Unterkühlung:

Eine Unterkühlung kann schneller auftreten als man vermutet. Gerade nach dem Schwimmen in offenem Gewässer ist dieses Phänomen keine Seltenheit.

Erkennen:

  • Anfangs starkes Zittern
  • Frieren
  •  Schnelle Atmung
  • Blaue Lippen
  • kalte, blasse, evtl. noch nasse Haut
  • Müdigkeit/Teilnahmslosigkeit

Im Verlauf (wenn die Temperatur weiter absinkt)

  • Abklingen des Kältezitterns
  • Verlangsamung der Atmung
  • Bewusstseinseintrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit oder Herz-Kreislauf-Stillstand

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Maßnahmen:

  • Notruf absetzen (112)
  • nasse Kleidung, wenn möglich, entfernen
  • bei leichter Unterkühlung den Betroffenen (wenn möglich) ins Warme bringen oder zudecken. Dabei so gut es geht komplett in die Decke einhüllen, denn über Rücken und Kopf verlieren wir sehr viel Wärme. Dies gilt im Übrigen auch bei heißen Temperaturen.
  • warme Getränke anbieten, damit der Körper von Innen heraus erwärmt wird (da der Blutzuckerspiegel durch das starke Zittern abfällt, sollten die Getränke ruhig zuckerhaltig sein, dürfen aber auf keinen Fall Alkohol enthalten!)
  • ganz wichtig: kalte Extremitäten nicht aktiv mit Rubbeln/Reiben erwärmen! Das mag zunächst verwundern - der Grund ist jedoch, dass das Blut in den Extremitäten eiskalt eindicken kann und damit kälter ist als das Blut im Körperstamm. Zusätzlich ziehen sich die Blutgefäße in den Extremitäten zusammen. Wenn man jetzt anfängt, die Hände und Füße aktiv zu erwärmen, führt man durch die steigende Durchblutung das kalte Blut vermehrt in den Körperstamm zurück, wodurch die Körpertemperatur noch mehr absinkt.

Bei fortgeschrittener Unterkühlung mit Bewusstseinseintrübung:

  • die betroffene Person wenn möglich nicht mehr bewegen!
  • Bei unzureichender Bewusstseinslage keine Getränke mehr anbieten (Gefahr der Erstickung)
  • Wärmeerhalt!

Hitzeschäden:

Eine Hitzeerschöpfung entsteht durch hohe Umgebungstemperatur, meist in Verbindung mit körperlicher Anstrengung und zu wenig Flüssigkeitszufuhr, sowie luftundurchlässiger Kleidung, wodurch es zu einem Hitzestau kommt. Erkennen einer Hitzeerschöpfung:

  • psychische Erregung
  • Schwindel, ggf. Kopfschmerzen
  • Durstgefühl
  • blasse, schweißige Haut durch starkes Schwitzen
  • Erhöhte Körpertemperatur

Die stärkste Form der Hitzeerschöpfung ist der Hitzschlag, welcher ein absoluter Notfall ist!

Erkennen eines Hitzschlags:

  • Heiße, trockene Haut (kein Schwitzen mehr, somit kein körpereigener Kühlmechanismus mehr - dies bedeutet Lebensgefahr!)
  • Bewusstseinseintrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit
  • Schocksymptomatik im Verlauf
  • Stark erhöhte Körpertemperatur über 40 Grad

Die Maßnahmen bei einem Hitzschlag variieren je nach Zustand:

  • HELD-Regel: Notruf absetzen (112), den Betroffenen schnellstmöglich aus der Sonne bringen und betreuen - d. h. Oberkörper leicht hochlagern, Luft zufächeln, Kleidung öffnen / entfernen
  • Wenn der Betroffene bei vollem Bewusstsein ist: kühle Getränke anbieten (keine eiskalten Getränke)
  • Kühle Umschläge
  • Bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage

Schock

Ein Schock kann unterschiedliche Ursachen haben. Er kann aufgrund eines Unfalls oder erschreckenden Ereignisses auftreten, genauso wie als Folge eines Blutverlustes oder einer allergischen Reaktion. Bei einem Schock kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen benötigter und verfügbarer Blutmenge im Körper, wodurch es zu einem Sauerstoffengpass kommt (Blut transportiert Sauerstoff) - sprich: euer Körper würde eigentlich mehr Sauerstoff benötigen, als er bekommen kann. Durch diesen Sauerstoffmangel konzentriert sich euer Körper auf die Versorgung der wichtigsten Organe - was fatale Folgen für andere Organe bzw. den gesamten Organismus haben kann. Wichtig: ein Schock kann unbehandelt tödlich enden - daher ruft unbedingt die 112, wenn ihr Schock-Anzeichen bei einer Person feststellt! erstehilfe (3 von 4)

Erkennen eines Schocks:

  • blasse, kalte Haut (evtl. Kaltschweißig)
  • schnelle, flache Atmung
  • Person ist unruhig oder ängstlich und wird im Verlauf ruhig/aphatisch, bis hin zur Bewusstlosigkeit
  • Zittern

Maßnahmen:

Denkt bei einem Schock an die HELD-Regel, das heißt: - Notruf wählen (112) - Betreuung der Person, ermutigen und trösten - Wärmeerhalt durch eine Decke Zudem solltet ihr die Person in Schocklage bringen, d.h. die Beine hochlagern. Es sei denn, es liegen Kopfverletzungen, Herzschmerzen oder Atemnot, Verletzungen an Bein, Bauch, Becken oder Rücken vor - in diesen Fällen solltet ihr die Person am Besten flach lagern. WICHTIG: Bei Bewusstlosigkeit KEINE Schocklage sondern stabile Seitenlage!

Bewusstlosigkeit und Wiederbelebung

Findet ihr eine bewusstlose Person bzw. verliert jemand in eurer Gegenwart das Bewusstsein, dann ist schnelles Handeln gefragt. Auch hier kommt die HELD-Regel zum Einsatz. erstehilfe3 (2 von 3)-2

  • Sprecht die Person an und fasst sie an (z.B. durch sanftes Rütteln an den Schultern) - erhaltet ihr keine Reaktion, ruft um Hilfe!
  • überstreckt den Kopf und haltet ihn in der überstreckten Position. Dann kontrolliert 10 Sekunden lang die Atmung, indem ihr das Ohr über das Gesicht des Bewusstlosen haltet. Schaut auch auf seinen Brustkorb (hören, fühlen und sehen): senkt er sich regelmäßig? Wenn ihr eine Atmung feststellt, dreht die Person in die stabile Seitenlage. Erst danach wählt ihr den Notruf über die 112.

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  • stellt ihr keine Atmung fest, müsst ihr eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen. Diese beginnt ihr, nachdem ihr den Notruf abgesetzt habt. Denkt in diesem Fall daran: eine Herz-Lungen-Wiederbelebung müsst ihr bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes durchführen. Solltet ihr euch in einem geschlossenen Raum aufhalten, solltet ihr daher den Weg für den Rettungsdienst bereits frei machen (Haustür öffnen, wenn möglich Einweiser abstellen).
  • Für eine Herz-Lungen-Wiederbelebung benötigt ihr einen harten Untergrund, z.B. Asphalt, sowie einen freien Oberkörper. Entfernt auch eventuell vorhandene Pulsgurte, bei Frauen auch den BH.
  • Sucht euch die Mitte des Brustkorbs auf Höhe der Brustwarzen - dies ist euer Druckpunkt.

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  • Nun beginnt ihr mit einem immer gleichen Rhythmus mit der Wiederbelebung. Diese müsst ihr so lange durchführen, bis der Rettungsdienst eintrifft, eine andere Person die Wiederbelebung übernimmt oder die Person wieder anfängt, selbständig zu atmen. Hört auf keinen Fall vorher auf! Für die Wiederbelebung gilt: 30x auf den Druckpunkt drücken mit beiden Händen/Handballen mit einem Tempo von ca. 100* Drücken pro Minute, 5-6cm tief.

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  • Achtet darauf, dass ihr nach jeder Kompression den Brustkorb genug entlastet
  • Nach jedem 30. Mal drücken wechselt ihr an den Kopf des Bewusstlosen und beatmet ihn 2x. Für jede Beatmung müsst ihr den Kopf überstrecken, da sonst kein Sauerstoff in den Körper gelangen kann. Haltet dann die Nase an den Nasenflügeln zu, umschließt den Mund des Betroffenen mit dem eigenen Mund und atmet 2x kurz aus.
  • -Tipp: Nach den Atemspenden kurzer Blick auf den Brustkorb. Wenn dieser sich nach der Atemspende senkt, muss er sich auch gehoben haben. Bei der Atemspende reicht es, wenn ihr 1x einatmet und diese Luft 2x ausatmet. Die Ausatemluft enthält noch genügend Sauerstoff.

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  • Wenn keine Beatmung möglich ist ( aufgrund von Gesichtsverletzung, Atemwegsverlegung oder persönlichen Gründen, wie Ekel, Angst vor Infektion etc.) Kontinuierliche Druckmassage ohne Beatmung!Wichtig ist: jedes Handeln ist besser als gar kein Handeln! Bevor man NICHTS tut, sollte man in jedem Falle eine kontinuierliche Herzdruckmassage durchführen, denn meist reicht die vorhandene Sauerstoffmenge im Blut noch aus, um das Gehirn bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit Sauerstoff zu versorgen. Die optimale Maßnahme für den Betroffenen ist und bleibt allerdings die Herzdruckmassage in Verbindung mit einer Mund zu Mund Beatmung!
  • Keine Panik: lasst nicht nach und hört nicht auf, wenn ihr ein Knacken hört oder spürt! Gerade bei älteren Menschen kann es sein, das durch eine effektive Herzdruckmassage Rippen brechen. Habt davor keine Angst - das ist normal!Solange euer Druckpunkt nicht zu weit nach links oder rechts abweicht, macht einfach weiter. Solltet ihr doch nicht mehr in der Mitte des Brustkorbs komprimieren, korrigiert euren Druckpunkt. Hört aber NICHT AUF!Solltet ihr mindestens zu zweit sein, wechselt euch spätestens alle 2 Minuten mit der Herzdruckmassage ab. Der Grund: Nachweislich lässt unsere Kraft kontinuierlich nach, auch wenn wir selbst davon vielleicht nichts merken.

Herzinfarkt:

Ein Herzinfarkt kann plötzlich auftreten und Personen jeden Alters betreffen. Ihr erkennt ihn klassischerweise an Schmerzen hinter dem Brustbein, die in den linken Arm ausstrahlen. Sie können aber auch in Kiefer, Schulter, Rücken oder Oberbauch strahlen bzw. ganz fehlen. Die Haut ist grau und aschfahl, oftmals leiden die Personen unter kaltem Schweiß und Atemnot. erstehilfe2 (6 von 7) Panik/Todesangst  sowie Übelkeit und Erbrechen sind möglich. Wichtig bei einem Herzinfarkt ist: Betroffene haben nicht immer die klassischen Symptome, daher ist es wichtig sich den Erkrankten genau anzuschauen und wenn möglich zu befragen:

  • hat der Betroffene so etwas schon einmal gehabt, oder liegen bereits Vorerkrankungen vor?
  • Kennt ihr den Betroffenen und sieht er jetzt verändert aus? (z.B Blaufärbung der Lippen, Blässe etc.)Wenn ihr euch unsicher seid ( das gilt übrigens für alle Notfälle), wählt die 112! Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig!

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Maßnahmen

  • Notruf absetzen (112)
  • Betreuung und Beruhigung
  • ggf. Wärmeerhalt anbieten
  • Oberkörper Hochlagerung / atemerleichternde Lagerung - beengte Kleidung lockern. In jedem Fall Anstrengungen vermeiden die betroffene Person nicht laufen lassen.
  • Im Falle einer Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage. Im Fall eines Herz-Kreislauf-Stillstandes: Herz-Lungen-Wiederbelebung

Notfallsanitäterin
Seit 2009 ist Karina hauptberuflich im Rettungsdienst tätig. Als Notfallsanitäterin weiß die 29-jährige, wie wichtig es ist, dass im Ernstfall schnell Hilfe geleistet wird. Um ihr Wissen weiter zu vermitteln, ist sie Ausbilderin im Sanitätsdienst beim DRK und arbeitet dort ehrenamtlich. Auch im Sport kommt es für Karina auf jede Sekunde an - denn sie ist Triathletin mit Herz und Seele.

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