Meine Challenge Roth 2019

Lange hat sich Daniel auf die Daniel auf seine persönliche Challenge Roth 2019 vorbereitet. Endlich war der große Tag gekommen: Raceday.

Lesezeit: 5 Minuten
© Foto: Daniel Welsch
Geschrieben von Daniel Welsch 15. Juli 2019

Raceday - 07.07.2019: Der Wecker klingelt um 04:30 - eigentlich schon viel zu spät … andere Athleten haben da schon 2x gefrühstückt. Aber ich kann das nicht so gut. Ich bin eher eine Eule und wenn es Eulenhausen gäbe, wäre ich sicherlich der Bürgermeister.

Wir geraten auf dem weg zur Wechselzone (natürlich) in einen Stau und parken das Auto 20 Minuten (!!!) vor dem Startschuss meiner Startgruppe. Ich muss regelrecht durch die Wechselzone pflügen um meine Startgruppe (06:50 - Startgruppe 4) noch zu erwischen. Innerhalb von gefühlten 30 Sekunden erledige ich alles, wofür ich mir sonst eine ganze Stunde Zeit nehme: Reifen aufpumpen, Flaschen anbringen und füllen, Schaltung kontrollieren, Radcomputer checken, meinen Neo anziehen etc. Von Anastasia verabschieden und LOS! Also fast ... ich laufe nochmal schnell zurück zum Rad und hänge meine Startnummer an den Lenker - das war knapp :D

"Willkommen zu deiner 10 ten Langdistanz, du Doofi"

"Willkommen zu deiner 10ten Langdistanz, du Doofi" - denke ich mir und schüttele lächelnd den Kopf über mich selbst während ich die Stufen zum Main Donau Kanal hinunter kracksele. Hat aber geklappt und nur das zählt (kann man sich auch mal schönreden).

BOOM - der Startschuß zu meinem bisher besten und schönsten Rennen fällt.

Nach 1:04 krabbele ich aus dem Wasser - safe! Zwar nicht so flott wie geplant, aber immerhin 2 Minuten schneller als im letzten Jahr. Auf dem Weg zum Wechselzelt schnappe ich mir meinen Beutel und dann geht das alles recht flott: Neo aus, Socken an, Schuhe an - go. Beim Radaufstieg zeige ich dann erstmal wie man es nicht macht und rutsche 2-3 Mal aus den Klickpedalen. Ich schaffe es schließlich unfallfrei in die Pedale und fahre los, nachdem ich Anastasia nochmal zuwinke.

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Foto: Daniel Welsch

Innerhalb der ersten beiden Kilometer merke ich schon, dass da was anders ist als sonst. Die Beine fühlen sich richtig derbe gut an. Das hatte ich bisher selten ... oder um ehrlich zu sein, noch nie. Jedenfalls nicht so.
Die folgenden 180km sind einfach nur der Hammer!
Mein Wattmesser streikt ab Sekunde 1 und habe die gesamte Strecke keine Ahnung, wo ich Leistungstechnisch liege ... aber das interessiert mich auch herzlich wenig. Dieses Rennen ist fürs Gefühl, nicht für die Wattwerte!!?
Es gibt 3 Dinge, die ich in den 5:20h immer wieder beachte: Aeroposition halten, kontrolliert fahren und die Stimmungsnester bewusst aufsaugen. Bei den Anstiegen klappe ich auch das Visier meines Aerohelmes nach hinten. Nicht nur, damit mal mehr Sauerstoff an die Birne kommt, sondern eben auch um den Supportern und Helfern in die Augen zu schauen und auch mal DANKE zu sagen. Anastasia sehe ich super oft, das freut mich immer unendlich im Wettkampf. Dazu kommen einige bekannte Gesichter und viele unbekannte Anfeuerungsrufe die mich immer weiter antreiben. Let The Good Times Roll - das ist wohl die Definition der gesamten Challenge Roth. Der Solarer Berg haut mich wie Obelix 2 mal emotional aus den Radschuhen und das radeln vergeht zum ersten Mal wie im Flug.

Ich biege in die zweite Wechselzone ein, steige vom Rad und freue mich wie ein frisch aufgepumpter Fußball. Neue persönliche Bestzeit beim Radfahren. Voller Endorphine gehts direkt ins Wechselzelt. Die Blackroll (das habe ich mir bei Franz Löschke aka. Franz Kipchoge abgeschaut) brauche ich heute nicht. Die herzliche ältere Dame, die mir beim Wechsel hilft, fragt kurz: "Wos host du denn da lustiges im Säckle - des brauchst aber heut net, oder?" Brauche ich echt nicht, mir tut nichts weh. Rein garnichts. High Five mit der Fränkin, raus aus dem Zelt.

"The Triathlete you called is temporarily not available - keine Zeit für sowas."

Ich laufe viel zu schnell an (4:30/km) und sehe vor meinem geistigen Auge schon die 10:00h Marke fallen - leider etwas zu früh gefreut, aber gepusht hat mich das allemal. Auch wenn ich schon ab Kilometer 5 zurückrudern muss und mich bei knapp 5:20/km einpendele, verliere ich kein bisschen den Spaß an diesem verdammt guten Tag. Meine Hüfte meldet sich, aber ich nehme das Gespräch nicht entgegen. The Triathlete you called is temporarily not available - keine Zeit für sowas. Das ist nur meine mini muskuläre Disbalance, die kann ich mal wegdrücken.

Auch an der Laufstrecke sage ich so oft wie möglich DANKE und klatsche mit Kiddies und Helfern ab. Ich bin glücklich - den gesamten Tag lang. Das hatte ich mir vorher vorgenommen. Kein Druck, nur Freude. Und das klappt bis ins Ziel.

Meine neue persönliche Bestzeit beträgt nun 10:18:27 aber das ist nicht das, was von diesem Tag bleibt. Was bleibt, ist die Tatsache, dass ich den mit Abstand schönsten Wettkampf meiner bisherigen Triathlonlaufbahn hatte. Danach gabs zwei vegane  Burger, eine unruhige Nacht und dicke Beine. Ich möchte keine Sekunde missen.

Das Herz dieser Sportart sitzt meiner Meinung nach genau unter dem Austragungsort der Challenge..oder von dem Challenge Roth, wie es wohl richtig heißt. Home is where you´re heart is und ROTH is where the heart of triathlon is :)


Altersklassen-Athlet
Daniel ist seit mehr als 9 Jahren Triathlet aus Leidenschaft. Er sagt: „Es geht nicht nur darum, zu schwimmen, mit dem Rad zu fahren und zu laufen – es geht um ein Lebensgefühl.“ Dabei hat er ein Ziel fest im Blick: die Teilnahme bei der IRONMAN Weltmeisterschaft auf Hawaii. Mit seinem Coach Timo Bracht hat er einen routinierten Hawaii-Profi an seiner Seite, der ihn auf diesem Weg begleiten wird.

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