Training Paratriathlon #wirbleibenzuhause

Eine Kraft, die Menschen vereint

16. April 2020 | Lesezeit: 5 Minuten

Werden die Olympischen und Paralympischen Spiele im Sommer 2021 in Tokio stattfinden? Wenn ja, um welchen Preis? Unter welchen Bedingungen? Werden wir vor leeren Zuschauerrängen unsere Wettkämpfe bestreiten? Werden alle immer noch Abstand halten müssen? Kann das funktionieren – vor allem in Sportarten, die ohne Körperkontakt gar nicht möglich sind?

Viele Athleten müssen sich noch qualifizieren. Schaffen es die Länder für Sportler und Verbände die nötigen Voraussetzungen zu schaffen? Sind Fairplay und Chancengleichheit möglich, wenn in Zeiten von Lockdown und ungewisser Zukunft in jedem Land unterschiedliche Trainingsbedingungen herrschen? Wenn Dopingkontrollen ausfallen? Werden Sportstätten wieder rechtzeitig öffnen können? Ab wann können wieder Wettkämpfe stattfinden?

In den Wintermonaten müssen viele Athleten wärmere Regionen aufsuchen, um Trainingslager zu absolvieren. Ab wann und in welchem Umfang wird man wieder fliegen bzw. reisen können?

Was mir sehr schnell klar wird: Die olympischen und paralympischen Werte bekommen in Zeiten wie diesen eine völlig neue Bedeutung.

Es fällt mir schwer, auf nur eine einzige dieser Fragen eine Antwort zu finden. Stattdessen schwirren noch mehr Fragen durch meinen Kopf. Was mir allerdings sehr schnell klar wird: Die olympischen und paralympischen Werte bekommen in Zeiten wie diesen eine völlig neue Bedeutung.

Streben nach Höchstleistungen

Wir Sportler wollen gewinnen – keine Frage. Wir trainieren ehrgeizig und diszipliniert für unseren persönlichen Erfolg. Für mich spielen die Paralympics eine große Rolle,

  • weil ich diesen unbedingten Siegeswillen habe,
  • weil ich Lust darauf habe, mich mit anderen zu messen,
  • weil ich meine emotionale Stärke ausspielen,
  • und zu den Besten der Welt gehören möchte.

Vor allem aber liebe ich an den Paralympics diese unglaublich große Vielfalt an Sportlern und Sportarten, auf die ich bei den Spielen treffe.

Doch was ist all das wert, wenn während einer weltweiten Pandemie Menschen einfach nur darum kämpfen, gesund zu bleiben? Höchstleistungen bringen zurzeit vor allem diejenigen, die in Berufen arbeiten, die das System am Laufen und die Menschen am Leben halten: Ärzte, Pflegekräfte, LKW-Fahrer und viele andere. Ihr Ziel hat wenig mit Siegeswillen zu tun. Ihr Antrieb und ihr persönlicher Erfolg ist ein anderer, ein für die Weltgemeinschaft enorm wichtiger.

Freundschaft und Völkerverständigung

Freundschaft und Völkerverständigung sind olympische Werte, die seit 1992 immer wieder Anlass dazu geben, für die Zeit der Spiele eine weltweite Waffenruhe zu fordern. Schon mit Beginn der neuzeitlichen Spiele im Jahr 1894 gilt die Friedenstaube als vereinendes Symbol.

Während der vergangenen Wochen musste ich mit ansehen, wie sehr Freunde in aller Welt unter der Pandemie leiden. Wie groß ihre Angst ist, sich oder ihre Liebsten anzustecken. Ich finde es gut, dass Deutschland extrem betroffenen Ländern wie Italien hilft. Trotz aller Kürzungen haben wir (noch) eines der stabilsten Gesundheitssysteme weltweit. Gemeinsam gegen den unsichtbaren Feind antreten. Nur so – im Sinne von Völkerverständigung – haben wir eine Chance, dieses Virus einzudämmen und vielleicht irgendwann zu besiegen.

Friedlicher Leistungsvergleich und Fairplay

Im Wettlauf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus' muss meiner Meinung nach eines ganz oben stehen: Der Kampf gegen die Krankheit darf kein Kampf gegeneinander werden. Abschottung einzelner Länder ist sicherlich richtig – doch sie muss sich auf die Schließung der Landesgrenzen beschränken. In unseren Köpfen müssen wir offen bleiben für unsere Mitmenschen.

Wir müssen ganz im Sinne des Fairplay-Gedankens unseren Egoismus beiseite legen. Angefangen bei Hamsterkäufen über Diebstähle von medizinischen Gesichtsmasken bis hin zum versuchten Abwerben (oder ist es der Versuch der Bestechung?) von Forschern, um sich die „Rechte“ an einem möglichen Impfstoff zu sichern. Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen, geduldig und diszipliniert bleiben und versuchen, das wachsende Miteinander, das ich trotz aller sozialer Distanz wahrnehme, mit in die Zeit nach der Pandemie zu nehmen.

Und trotzdem: Bei aller Solidarität sollten wir unsere eigenen Interessen und Ziele nicht komplett der Krisensituation unterordnen. Es ist gut und richtig, persönliche Ziele zu haben. Mit diesen trägt jeder seinen Teil zu einer funktionierenden Gesellschaft bei. Ich gehe viel bewusster durch die Welt, nehme die Menschen bewusster wahr. Wertschätzung, Solidarität und Rücksichtnahme sollten künftig eine größere Rolle spielen. Wir sollten eine neue Normalität finden.

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Welche Rolle spielen da die Olympischen oder Paralympischen Spiele?

Ich denke, eine große – jedoch weniger in finanzieller Hinsicht oder unter Aspekten sportlicher Erfolge und Ruhm. Die Olympischen Spiele haben die Kraft, Menschen zu vereinen. Sie sind ein gemeinsames Ziel vieler Athleten auf der ganzen Welt. Sie sind einfach gigantisch und die Teilnahme für mich ein unbeschreibliches Gefühl! Doch genauso unbeschreiblich ist zurzeit das Gefühl, trotz der Isolation nicht allein zu sein. Wir sollten unser sportliches Ziel nicht aus den Augen verlieren, doch wir sollten unseren Fokus jetzt erst einmal auf ein anderes legen: Ganz im Sinne der olympischen Werte, sollten wir durch unser eigenes Verhalten dazu beitragen, dass wir gesund bleiben, unseren Mitmenschen helfen und solidarisch handeln. Völkerverständigung und Fairplay können vor allem in der eigenen Hausgemeinschaft, in der eigenen Stadt und in jedem von uns stattfinden.

Und wenn dann die Zeit gekommen ist, können wir auch wieder über Olympische und Paralympische Spiele nachdenken. Denn im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass die Olympischen und Paralympischen Spiele 2021 wirklich so stattfinden können, wie wir sie kennen. Aber vielleicht soll der neue Termin im kommenden Jahr ja auch einfach nur Hoffnung vermitteln – ein Ziel, für das es sich lohnt, die aktuellen Einschränkungen zu akzeptieren.

Das Olympische Feuer brennt. Kann es die positiven Werte, die der Mensch diesem Element von jeher zuschreibt, auch in Zeiten vermitteln, in denen so viele Menschen auf der Welt leiden und sterben?


Profi-Triathletin
Live your dream - no limits! Das ist das Motto von Paratriathletin Christiane Reppe. Christiane ist eine echte Powerfrau und gehört zu den erfolgreichsten deutschen Spitzensportlerinnen. Wer Christiane kennenlernt, der merkt schnell: Trübsal blasen passt so gar nicht zu diesem gut gelaunten Energiebündel, deren Bewegungsdrang schier keine Grenzen zu kennen scheint. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie bereits heute, im Alter von 31 Jahren, auf eine steile Karriere zurückblicken kann. Zusammen mit ihren Kollegen der deutschen Paratriathlon-Mannschaft bereitet sie sich aktuell auf die Teilnahme bei den Paralympics in Tokyo 2020 vor. Bei TIME2TRI berichtet sie von ihrer Reise.

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