She Moves

Für meine Mum

06. Februar 2020 | Lesezeit: 5 Minuten

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich diesen Artikel schreiben möchte oder mir dieses Thema schlichtweg zu privat ist. Nachdem ich auch mit meiner Mum darüber gesprochen hatte, fiel der Entschluss, diese Erfahrung mit euch zu teilen - einerseits kann ich eventuell so dem ein oder anderen helfen seine/ihre Sicht der Dinge zu ändern, andererseits trage ich hoffentlich dazu bei, dass auch Ihr ein Projekt unterstützt, dass mir sehr am Herzen liegt (v.a. deshalb den Text bitte bis zum Ende lesen ☺).

Das Ende jeder Saison bedeutet auch Reflexion. Es ist wichtig, dass ihr euch darüber Gedanken macht, was gut lief, was nicht so gut lief, in welchen Bereichen ihr Verbesserungspotential seht ... Nur dadurch kann man sich meines Erachtens persönlich weiter entwickeln, und auch seine Leistung weiterhin steigern. 

Wenn ich auf meine Saison zurückblicke, denke ich auch an meinen persönlichen Tiefpunkt dieses Jahres – dem Ironman 70.3 Luxembourg. Jeder kennt bestimmt die Momente, in denen man hin und wieder ins Grübeln gerät, und Vieles hinterfragt. Bereits vor dem Rennen setzte ich mich ziemlich unter Druck, da ich allen anderen und vor allem mir zeigen wollte, was in mir steckt. Das führte irgendwie zu einem Gefühl der Überforderung und Ohnmacht. Oft sieht man alles schwarz, dann wieder weiß, oder eben grau. ;-)
In solchen Situationen bin ich sehr dankbar über mein Umfeld, welches mir bedingungslos den Rücken stärkt, und sehr viel Kraft gibt. 

Laura beim IRONMAN Barcelona - Foto: Getty Images for IRONMAN

Zurück zum IM 70.3 Luxembourg.

Die Tatsache, dass nach dem Schwimmen der Zipper meines Wettkampfeinteilers riss, und ich mir über die Konsequenzen der fehlenden Aerodynamik bewusst war, war dieser kleine Tropfen, der das volle Fass zum Überlaufen brachte. Noch heute frage ich mich, wie ich es mental schaffte, das Rennen bis ins Ziel zu bringen. Die Radfahrt ähnelte einer Sonntagsausfahrt auf gesperrten Straßen. Beim abschließenden Lauf konnte ich meine Wut darüber, mich schon so frühzeitig im Rennen komplett aufgegeben zu haben, in Energie ummünzen, und so einen echt zügigen Halbmarathon auf den Asphalt zaubern. Die Zeit nach dem Rennen fühlte ich mich leer, energielos, und war extrem frustriert. Einerseits wollte ich meine erste Saisonhälfte auf diese Art und Weise nicht abschließen, andererseits fühlte ich mich zu leer, um noch ein weiteres Rennen zu bestreiten.

Nach ein paar Tagen Gedenkzeit, kam die ,,Scheißegal-Einstellung“ zu Tage, und ich entschied mich spontan dazu, beim Chiemsee Triathlon auf der Mitteldistanz zu starten. Das Starterfeld war durch den Aufmarsch der Sutton-Crew stark, mir jedoch einfach alles egal. Rückblickend kann ich sagen, dass ich selten so entspannt vor einem Rennen war, und ich mich bei diesem Hitze-Rennen so unglaublich gequält habe, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Belohnt wurde ich neben dem 2. Platz hinter Caroline Steffen, vor allem mit dem Gefühl von Glück und Zufriedenheit. 

So das war die Vorgeschichte von dem, was ich eigentlich erzählen wollte. 

Nach einer 2-wöchigen Pause mit Bewegung nach Lust und Laune, war ich motiviert und voller Feuer, die 2. Saisonhälfte anzugreifen. Die Vorbereitungen liefen gut, der Wettkampfplan stand fest. Doch dann kam der Tag, an dem sich alles änderte...

Die Vorbereitungen liefen gut, der Wettkampfplan stand fest. Doch dann kam der Tag, an dem sich alles änderte...

Meine Mutter erhielt nach 17 Jahren die erneute Diagnose Brustkrebs. Erinnerungen aus meiner Jugend kamen hoch, und ich war einfach nur endlos traurig. Es fiel mir schwer, auf andere Gedanken zu kommen. Mein Training zog ich weiterhin eisern durch, mit dem Kopf immer bei meiner Mum. Gedanken wie "sie kämpft jetzt, also kämpfe ich auch!“, "nur wenn ich das jetzt schaffe, schafft sie es auch.“ etc. trieben mich an, härter als je zuvor zu trainieren. Das Wichtigste, was ich durch diesen erneuten Rückschlag für mich gelernt habe ist, dass Triathlon im Endeffekt so egal, unwichtig und nicht-entscheidend ist. Sport ist eine schöne Nebensache - im Leben gibt es allerdings so viel Wichtigeres! Die Tatsache, dass für meine Mutter und meine Familie nun wieder der ganze Kampf von vorne begann, veränderte meine Einstellung komplett. Meine geplanten Wettkämpfe trat ich an – mein Gefühl von Druck und Nervosität verwandelte sich auf einmal in ein Gefühl von Dankbarkeit und Lockerheit. Meine Rennen der 2. Saisonhälfte liefen so gut wie noch nie - mental fühlte ich mich sehr stark. Ein Moment, an welchen ich mich jetzt noch oft erinnere, ist der Zeitpunkt, als bei km 33 meines Ironman Debuts in Barcelona die Oberschenkel extrem anfingen zu schmerzen. So gerne hätte ich neben meinem Trainer und Freund auch meine Eltern bei meiner ersten Langdistanz an der Strecke dabeigehabt. Da meine Mutter allerdings 2 Tage vor dem Rennen ihre zweite Chemo erhielt, war dies leider unmöglich. Während ich durch die Straßen Barcelonas rennend daran dachte, wie schlecht es meiner Mutter gerade durch die Nebenwirkungen der Chemo gehen muss, war ich einfach nur dankbar darüber, gesund und so fit zu sein, dieses Ereignis erleben zu dürfen. Als mir mein Trainer dann zudem noch zurief "Denk an deine Mum!", liefen mir die Tränen die Wange hinunter. 

Foto: Christoph Jorda

Bei meinem Rennen in Barcelona trug ich die echt schicken Socken von der kleinen aber feinen Stiftung TEAM SARAH – TRIPLE NEGATIVE BREAST CANCER. 

Steffen verfolgt das Ziel, für die Thematik Brustkrebs mehr Bewusstsein zu generieren, sowie Spenden zu sammeln, und somit die Brustkrebsforschung zu unterstützen. Auch ich würde mich riesig darüber freuen, wenn ihr euren Beitrag dazu leistet. 

Die Socken kosten euch 20 Euro und der Erlös wird gespendet. Schaut einfach auf dem Instagram-Account @teamsarah_tnbc vorbei, sendet Steffen dort eine Nachricht oder schreibt ihm direkt an steffen.dettling@gmail.com eine Email. 

Vielen lieben Dank euch!
Eure Laura


Profi-Triathletin
Laura ist die Frau, die man im Wettkampf nur von hinten sieht. Die Durchstarterin aus dem Allgäu gilt in ihrer Heimat als die größte Triathlon-Hoffnung bei den Frauen und sammelt neben ihrem Job als Zahnärztin Podiumsplätze wie andere Leute Briefmarken. Bei TIME2TRI ist Laura mit vielen Tipps, Tricks und Einblicken rund um den Triathlon-Alltag mit an Bord.

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