Natural Running: Laufschuhe von TOPO im Test

Natural Running: die junge Laufschuhmarke TOPO erobert den deutschen Markt. Wir haben uns die Laufschuhe genauer angesehen.

Geschrieben von Stephanie Päthe 30. April 2019

Als ich die letzen Male gefragt wurde, ob ich nicht Lust hätte, einen neuen Laufschuh auszuprobieren, habe ich stets schnell und energisch abgeblockt. Ich entspreche, was Laufschuhe angeht, nicht wirklich dem durchschnittlichen Läufer. Ich mag keine Experimente und laufe auch nicht zig verschiedene Modelle, um meinen Füßen Abwechslung zu bieten oder neue Reize zu setzen. Ich beschäftige mich nicht mit den Spezifikationen von verschiedenen Schuhen und bin kein "Daten und Fakten-Nerd". Sicher mag es viele versiertere und professionellere Menschen geben als mich, wenn es um das Thema Laufschuhe geht.

Ich bin bis dato ein reiner Gefühlsmensch. Wenn ich etwas gefunden habe, was mir gefällt, bleibe ich in der Regel so lange dabei, wie es nur geht. Seit 6 Jahren laufe ich daher konstant ein Modell von Newton Running (immer in einer ziemlich runtergelaufenen und einer weniger runtergelaufenen Variante :-)) - einer Marke die viel diskutiert und von vielen aufgrund von Übelastungsgefahr und Reizungen an der Achillessehne und dem Schienbein kritisch gesehen wird.

"Insgeheim weiß ich: auf Dauer kann das so nicht weitergehen"

Lustigerweise habe ich aktuell genau anders herum zu kämpfen meine Füße haben sich in den vergangenen Jahren zu sehr an meine Newtons gewöhnt. Ich hatte nie ein Problem mit den Schuhen - jedoch hat mir bisher jeder Wechselversuch zurück auf "normale" Schuhe diverse Überlastungen in Achillessehne, Schienbein, Wade und Knie beschert, sodass ich die letzten Jahre getreu dem Motto "never change a running system" keine Experimente mehr gewagt habe. Nichtsdestotrotz weiß ich insgeheim: auf Dauer kann das so nicht weitergehen - was, wenn irgendwann keine Newtons mehr produziert werden? Kann ich dann nicht mehr laufen? Deshalb halte ich immer mal wieder die Augen nach einer möglichen Lösung für mein Problem offen.

Im Sommer war ich lediglich auf der Suche nach einem reinen Freizeit-Schuh, den ich auf Messe-Einsätzen und auch bei Wettkämpfen am Streckenrand über mehrere Stunden hinweg bequem tragen kann und der optisch nicht ganz so schrill und grell ist wie es bei den meisten Sportschuhen heutzutage üblich ist. Bei der Challenge Roth ist mir an den Füßen einer Athletin ein Schuh aufgefallen, der mir extrem gut gefallen hat: es war ein Schuh der noch jungen Marke TOPO Athletics einer neuen Marke aus den USA, die erst seit Kurzem auf dem deutschen Markt verfügbar ist. Die Schuhe sahen anders aus und fühlten sich auch anders an als alles, was ich bislang an meinen Füßen hatte. Motiviert durch das sehr offene Gespräch mit den TOPO-Experten vor Ort war ich bereit, den Schuhen eine Chance zu geben, mich auch beim Laufen als neuer, treuer Begleiter zu überzeugen und meine Newtons zumindest zu ergänzen.

die Laufschuhe habe ich mehrmals geschnürt - bis zum Test hat es aber ein wenig gedauert
Die Laufschuhe habe ich mehrmals geschnürt - bis zum Test hat es aber ein wenig gedauert

Krankheitsbedingt musste ich meinen Test leider mehrmals verschieben, sodass ich nun tatsächlich erst seit dem Winter regelmäßig in meinen TOPO Schuhen gelaufen bin. Dafür aber so richtig.

Ich habe versucht, den Test sehr gewissenhaft zu machen und bin verschiedenste Strecken mit den Schuhen gelaufen. Kurze Strecken, längere Strecken, auf Asphalt sowie auf unbefestigten Wegen - hier kommt mein Fazit.

Äußere Werte: TOPO ist anders

Bereits optisch fällt auf: TOPO ist anders. Die sehr breite Zehenbox des Schuhs sticht einem sofort ins Auge. Gerade  von oben betrachtet unterscheiden sich die Schuhe in ihrer Form sehr von der meiner bisherigen Schuhe die Form macht aber durchaus Sinn. Meine Zehen können sich gerade beim Abdrücken während des Laufens komplett frei bewegen und werden nicht, wie in meinen bisherigen Laufschuhen, durch eine nach vorn spitz zulaufende Zehenbox eingeschränkt. Das Prinzip von TOPO lässt sich sehr leicht veranschaulichen. Legt einmal eure Hand mit geschlossenen Fingern flach auf den Tisch und versucht nun, auf den Vorfuß zu kommen, indem ihr das Gewicht auf eure Fingerspitzen verlagert die Finger immer noch dicht zusammen. Macht nun die gleiche Übung, nur mit dem Unterschied, dass eure Finger leicht voneinander abgespreizt sind. Was fällt euch auf? Richtig in der zweiten Variante seid ihr deutlich stabiler und könnt deutlich mehr Kraft übertragen.

 

Topos von oben
Topos von oben

Auf den ersten Metern fühlt sich dieser viele Platz um die Zehen sehr fremd und ungewohnt an - dieses Gefühl legt sich jedoch sehr schnell und es fühlt sich einfach nur komfortabel und gut an.

Bei TOPO steht – ihr ahnt es sicherlich bereits – das Natural Running im Fokus.

Der Firmengründer von TOPO, Tony Post, war seinerzeit maßgeblich an der Entwicklung der Barfuß-Schuhe von Vibram beteiligt und weiß daher sehr genau, wie viel Platz der Fuß bzw. die Zehen während des Laufens benötigen.

Trotz der breiten Zehenbox vorn gibt es in den Schuhen kein Rutschen, der Halt an Ferse und Spann ist durch die schmal geschnittenen Leisten überragend. Diese Kombination aus Zehenfreiheit vorn und stabilem und sicherem Halt hinten sorgt für einen perfekten Abdruck beim Laufen. Übrigens: in ihrem Heimatland, den USA, sind TOPO-Schuhe mit dem Prädikat „best fit in the industry“ ausgezeichnet!

Auf die inneren Werte kommt es an

Unabhängig von der äußeren Hülle - wir alle wissen: auf die inneren Werte kommt es an! Und die überzeugen beim TOPO selbst mich als alten Newton-Runner.

In Sachen Sprengung bietet das Sortiment von TOPO bei den Straßen-Laufschuhen eine Bandbreite von 0, 3 und 5mm an. Hier ist wirklich für jeden etwas dabei.

Topos von unten
Topos von unten

Für schnelle Läufe auf Asphalt gibt es den Minimal Running Schuh ST-2 mit Zero Drop und einem Fliegengewicht von nur 196g, in der Frauen-Variante sogar nur 156g. TOPO empfielt diesen Schuh Sportlern, die einen sehr schnellen Schuh suchen und bereits erste Erfahrungen mit Natural Running und Zero-Drop gesammelt haben.

Ich selbst bin primär den Magnifly 2 gelaufen ein komplexerer Schuh, der ebenfalls Zero-Drop, jedoch eine EVA-Zwischensohle in 3 verschiedenen Härtegraden aufweist. Der softere Zehenbereich geht zum Mittelfuß hin in eine Dämpfung mit höhere Dichte über.  Er verfügt über eine hervorragende Führung am Mittelfuß und unterstützt das Abrollen auf dem Vorfuß. Diese Konstruktion kam mir sehr entgegen, da ich es durch meine Newton-Vergangenheit gewohnt war, Support auf dem Vorfuß zu erhalten und bei herkömmlichen Schuhen mit dem Fehlen von genau diesem Support extrem muskulär und bei Sehnen und Bändern zu kämpfen hatte. Der „Push“ nach vorn ist zwar deutlich geringer aber dennoch spürbar vorhanden, sodass meine Fuß- und Wadenmuskulatur zwar mehr gefordert wurde als bislang, es jedoch zu keinen Überlastungen oder Reizungen kam. Für mich ist dieser Schuh eine wirkliche Offenbarung. Mit einem Gewicht von 235g in der Frauenvariante bzw. 284g in der Männer-Variante ist der Schuh zudem immer noch extrem leicht.

topo (2 von 6)

Etwas mehr Dämpfung und eine Sprengung von 3mm  bietet der Fli-Lyte 2 und wird als Allrounder auf allen Streckenlängen mit harten Böden angeboten. Er erfordert nur wenig Natural Running Erfahrung und ist sowohl für Trainings- als auch Wettkampfeinsätze ein toller Begleiter. Das Gewicht in der Damen-Variante beträgt 196g, bei den Herren 238g. Auch diesen Schuh bin ich gelaufen – leider hatte ich mich hier für die falsche Größe entschieden, sodass ich ihn nur auf kürzeren Strecken tragen konnte – auf langen Strecken hat er mir etwas zu sehr an meinen Zehenspitzen gescheuert. Das war jedoch meine eigene Blödheit - ich werde ihn mir definitiv noch einmal eine halbe Nummer größer bestellen - denn gerade bei langen Läufen habe ich gemerkt, dass mir etwas mehr Sprengung gut tut. Der Schuh läuft sich ansonsten wirklich super, Bodenkontakt und Abrollverhalten sind überragend.

Für alle, die etwas mehr Support möchten, gibt es den Ultrafly 2 mit 5mm Sprengung. Er  wiegt 235g in der Frauenvariante und 281g in der Herrenvariante und wird einerseits beim Übergang von Schuhen mit viel Sprengung hin zum Natural Running empfohlen, andererseits ist er ein wirklicher Allrounder für verschiedene Untergründe und Distanzen. Spannend: ein neuartiges Mesh-Obermaterial sorgt nicht nur oben sondern auch unter dem Fuß für eine gute Durchlüftung.

"Der TOPO ist überragend"

A propos Material. Hier gibt es wirklich nichts zu meckern. Nachdem ich bei sämtlichen Laufschuhen in meinem Leben nach nur wenigen hundert Kilometern immer irgendwo ein Loch im Obermaterial hatte muss ich sagen: die TOPOs toppen alles, was ich bisher an meinen Füßen hatte. Sie sind extrem hochwertig verarbeitet. Der Stoff, v.a. rund um Spann und Ferse fühlt sich sehr weich an, sodass es zu keinem Scheuern kommt. Das Obermaterial wurde an den richtigen Stellen verstärkt, sodass es einen sehr langlebigen Eindruck macht. Selbst die Schnürsenkel fühlen sich hochwertiger an als die meiner bisherigen Laufschuhe. Daumen hoch, da wurde definitiv nicht am falschen Ende gespart!

Fazit

Ich bin wirklich froh, das Experiment TOPO gewagt zu haben. Ich durfte zwei wirklich tolle Schuhe für alle Lebenslagen kennenlernen, die mir großen Spaß machen und sich einen festen Platz in meinem Schuhregal erlaufen haben. Werde ich meine Newtons komplett an den Nagel hängen? Noch nicht ganz. Denn im Grunde genommen mag ich meine Newtons ja trotz der Probleme noch sehr gern. Aber sie bleiben mittlerweile deutlich öfter im Schrank stehen, während ich mit meinen TOPOs noch eine flotte Feierabendrunde oder einen entspannten Longrun am Main drehe. Ich glaube tatsächlich, für einen kompletten Wechsel steht mir primär mein Kopf im Weg aber: es muss im Leben ja auch nicht immer ein entweder, oder“geben ein sowohl, als auch“ fühlt sich in diesem Fall absolut gut und richtig an.

TOPO - ich bleib euch treu!
TOPO - ich bleib euch treu!

Rein optisch könnten gerade die Herren-Modelle noch etwas bunter oder moderner werden - das ist aber auch wirklich das einzige, was einen kleinen, halben Punkt Abzug rechtfertigt.

Liebes TOPO-Team: Danke für die Möglichkeit, die Schuhe zu testen - ich bleibe euch treu!


CMO & Co-Founder @ TIME2TRI
Steffie ist die Frau für schöne Dinge. Weil sie gutes Design und das Besondere liebt, gestaltete sie ihren Trainingsplan bis zur Geburt von TIME2TRI mangels gefallender Trainingssoftware noch kreativ per Hand. Steffie macht Sport nicht nur aus Spaß an der Bewegung sondern auch, weil sie Herausforderungen liebt. Apropos: Unsere Kreative liebt das Abhaken von To-Do-Listen und gesundes Essen - ihre Schwachstelle ist allerdings der Ritter Sport-Fabrikverkauf...

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