Training in der Höhe – ein Erfahrungsbericht

Ich habe mich nach langer Zeit dafür entschieden, wieder ein Höhentrainingslager zu absolvieren. Dafür bin ich für drei Wochen in die Sierra Nevada gereist um meine Saison spezifisch vorzubereiten – ein Erfahrungsbericht!

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Geschrieben von Anja Knapp 08. Juli 2019

Ein Höhentrainingslager zu absolvieren liegt bei Leistungssportlern zunehmend im Trend. Immer mehr Athleten nutzen das Training unter diesen extremen Bedingungen um auf natürlichem Weg Ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Auch ich habe mich nach langer Zeit dafür entschieden wieder ein Höhentrainingslager zu absolvieren. Dafür bin ich für drei Wochen in die Sierra Nevada gereist um meine Saison spezifisch vorzubereiten. 

Details zur Trainingssteuerung könnt ihr im Blog auf meiner Homepage nachlesen. An dieser Stelle will ich mit euch meine persönlichen Erfahrungen teilen und kurz auf die Anpassungsreaktionen des Körpers eingehen, die dafür sorgten, dass mein Höhentrainingslager anders verlief als geplant und mein Körper nach der Rückkehr aus dem Trainingslager erst einmal bei den folgenden beiden Wettkämpfen streikte.

"…nach der Rückkehr aus dem Höhentrainingslager streikte mein Körper bei den folgenden beiden Wettkämpfen."

Genau dieser Effekt war meiner Einschätzung nach Ursache für eine negative Entwicklung meiner Leistungsfähigkeit im Anschluss an das Trainingslager. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass Höhentraining auf Grund der zuvor beschriebenen Anpassungsreaktionen des Körpers per se vorteilhaft ist – ohne jedoch mögliche Risiken in Betracht zu ziehen.

Auf mich persönlich bezogen muss ich mir mit etwas Abstand eingestehen, dass ich meinem Körper nicht genügend Energie zugeführt habe und mich entsprechend in ein Energiedefizit trainiert habe, verbunden mit Gewichtsverlust und einem Rückgang von Muskelmasse.

Symptome während des Höhenaufenthalts waren direkt eigentlich nicht ersichtlich. Müdigkeit und unruhiger Schlaf habe ich der Anpassung an die Höhe zugeschreiben, vereinzelt Kopfweh nicht weiter beachtet.

"Erst im Nachgang, nach einer Analyse meiner Blutwerte, wurde das Ausmaß der Unterversorgung deutlich."

Leider war das Essen in der Sierra Nevada nicht das Beste und hat zu dieser Problematik zusätzlich beigetragen. Nach drei Wochen im Wechsel Reis und Pasta mit Tomatensauce wird vermutlich der Appetit automatisch weniger. Dennoch muss ich mir als Athlet selbst an die Nase fassen, denn ich bin für meinen Körper verantwortlich.

Beim Training in der Höhe steht uns weniger Sauerstoff zur Verfügung als noch im Tal. Als Reaktion auf diesen Sauerstoffmangel produziert der menschliche Körper zusätzlich rote Blutkörperchen, um die Sauerstoffaufnahme und den Sauerstofftransport zu erhöhen.

Bereits von der ersten Stunde des Höhenaufenthaltes an wird von den Nieren ein Hormon abgegeben, welches die Blutbildung anregt: Erythropoetin.

"Der Reiz des Hormons sorgt dafür, dass sich die sauerstofftragenden, roten Blutkörperchen vermehren."

Zudem verschiebt sich bei Belastung der Energiestoffwechsel in Richtung Kohlenhydratverbrennung. Dadurch werden die Glykogenvorräte im Körper stärker beansprucht und somit schneller verbraucht. 

Das Thema Nahrungsergänzung hat bisher für mich keine wichtige Rolle gespielt. Nach meinen Erfahrungen der letzten Woche jedoch muss ich darauf zukünftig größeren Wert legen. 

Seit dem Höhentrainingslager sind mittlerweile 7 Wochen vergangen und noch immer kämpfe ich damit, mein Energiedefizit auszugleichen und hoffentlich bald meine 100%-ige Leistungsfähigkeit wiederherzustellen.

Das Training verläuft in der Regel wieder ganz gut, im Wettkampf jedoch bin ich noch nicht in der Lage mein Maximum abzurufen

Entsprechend waren meine Rennergebnisse der letzten Wochen nicht zufriedenstellend. Das Training verläuft in der Regel wieder ganz gut, im Wettkampf jedoch bin ich noch nicht in der Lage mein Maximum abzurufen und habe immer noch mit Kraftlosigkeit und mentaler Müdigkeit zu kämpfen.

Deshalb: Geht vorsichtig mit dem Thema Höhentraining um und habt auch immer noch die Risiken des Ganzen im Hinterkopf! 

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Profi-Triathletin
Anja startet seit einigen Jahren als Profi-Triathletin auf der Kurzdistanz. Ihr Bewegungsdrang war schon im Kindesalter kaum zu bändigen, vor 20 Jahren entdeckte sie schließlich ihre Leidenschaft für den Triathlonsport, der sie bis heute nachgehen kann. Ihr großes Ziel: die Teilnahme an den olympischen Spielen. Auf TIME2TRI berichtet Anja regelmäßig von ihrem Weg dorthin.

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