Pulsmessung im Ohr: Der cosinuss° One im Test


Pulsmessung gehört für mich zum Laufen genauso dazu wie die Laufschuhe. Da ich in den letzten 10 Jahren mehrfach die Pulsuhr gewechselt habe, wechselte auch der Brustgurt – und alle waren für mich angenehm zu tragen. Freunde haben mir allerdings berichtet, dass sie sich wund reiben mit ihrem Pulsgurt – davon blieb ich glücklicherweise bisher verschont. Einziger Contra-Punkt am Brustgurt für mich ist, dass ich beim Intervalle Laufen das Gefühl habe, dass mich der Pulsgurt einschnürt und mir die Luft nimmt. Da die Profitriathletin Anja Beranek Markenbotschafterin von cosinuss° ist, bin ich über sie auf den cosinuss° One aufmerksam geworden.

„Pulsmessung im Ohr
– funktioniert das?“

Bei der Challenge Roth habe ich mich am Stand von cosinuss° informiert und bezüglich der Größe des Sensors beraten lassen. Zu diesem Zeitpunkt gab es den cosinuss° One in den Größen S, M und L. Die Beratung ergab, dass ich mich besser noch 2 Monate gedulden solle, da Größe XS zur Zeit in der Entwicklung sei und dieser der richtige wäre für mich. Gesagt getan, 2 Monate später kam der One in Größe XS zu mir. An Farben stehen zur Auswahl: Schwarz, Blau, Pink und Schwarz-Pink (die Anja Beranek Edition). Geliefert wird der One in einer runden Hartschalenbox mit Reißverschluss. Dort soll er aufbewahrt werden, da der Sensor sensibel ist und nicht lose in die Sporttasche gelegt werden soll. Auch das kompakte Ladekabel passt in die Box – so ist alles an einem Ort.




Laden

Das Laden des One gestaltet sind einfach: Den schwarzen Gummistöpsel entnehmen, Kabel mit dem Micro-USB im One einstecken und das andere Ende des Kabels in eine USB-Steckdose. Während des Ladevorgangs leuchtet die LED rot; ist der One voll geladen, geht die rote LED aus. Irritierend ist, dass der Stecker nicht ganz im One versinkt – aber das gehört so. Während dem Ladevorgang muss man einen sehr guten Platz für den Gummistöpsel finden. Er ist nicht mit dem One verbunden, da dieser nachträglich zum besseren Schutz gegen Feuchtigkeit ergänzt wurde, und kann schnell verloren gehen.

Laden Pulsmessung
cosinuss° One

Nach nur einer Stunde ist der One vollständig aufgeladen und bietet dann eine Akkulaufzeit von 10 Stunden. Diese Angabe passt auch zu unserem Test. Nach 5 Stunden Training – aufgeteilt über eine Woche – hat der One noch 45% Akku. Der Akkustatus kann nur über die cosinuss°-App angezeigt werden.

Inbetriebnahme

Zum Anschalten wird der One auf den Kopf gedreht, sodass die Ladebuchse nach oben zeigt und per „Doppel-Tapp“ auf die LED angeschaltet. Hier braucht man etwas Ruhe. Der One reagiert nicht auf die Berührung, sondern auf die Beschleunigung, die er durch den Doppel-Tapp erfährt. Spätestens beim zweiten Versuch klappt es bei mir immer. Innerhalb der ersten 3 Minuten nach dem Einschalten kann man ein Gerät koppeln. Mit meiner Forerunner 620 klappte das auf Anhieb. Auch die Kommplung mit dem iPhone lief sehr gut. Allgemein ist zu beachten, dass der One ca. 10 Sekunden benötigt, bis er einen Pulswert ausgibt. Er berechnet in dieser Zeit die Plausibilität der Messung und kann dadurch auch Lücken von 2-3 Sekunden überbrücken ohne Unterbrechung.

Sensor anlegen

Das Anlegen des Sensors ist simpel. Das Silikonschirmchen wird in den Gehörgang geschoben und mit dem Bügel (der Auswerteeinheit) hinter dem Ohr gegen Herausfallen gesichert. Die grüne LED, welche sich auf dem weißen Schirmchen befindet, muss im Ohr verschwinden. Cosinuss liefert eine App, mit welcher die Signalqualität überprüft werden kann. Diese zeigt neben dem Puls auch die Körpertemperatur an.

Cosinuss° One App Cosinuss° One App Cosinuss° One App
Screenshots der cosinuss° One App

Pulsaufzeichnung

Die erste Einheit war kein Erfolg. Ich hatte beim Loslaufen Puls 80 und dann gar keinen mehr. Selbst bei einer Athletik-Einheit habe ich kein dauerhaftes Signal erhalten. Bei den nächsten Versuchen besserte es sich und die Uhr zeigte zwar realistische Werte von ca. 140 – 150 an, aber immer wieder mit Unterbrechungen.  Im Internet konnte ich nichts Negatives finden und Freunde, die den cosinuss° One schon länger im Einsatz haben, versicherten „funktioniert wunderbar bei mir“. Mit Hilfe der cosinuss°-App versuchte ich zuhause auf dem Sofa am Sitz des One im Ohr zu spielen, um das Signal zu verbessern. Weiter raus, weiter rein – ich konnte keinen Trend erkennen. Die FAQ auf der cosinuss°-Webseite brachten: Der Sensor sollte am besten im rechten Ohr und die Uhr am rechten Handgelenk getragen werden. Die Uhr trage ich zwar üblicherweise links, aber für den Test habe ich sie rechts angelegt. Seitdem (5. Einheit) erhalte ich realistische und ununterbrochene Pulsaufzeichnungen. Das Durchhalten hat sich also gelohnt.

Ein Auszug aus den FAQ von cosinuss°: „Nach unserer Erfahrung unterliegt die Anwendung des cosinuss° One Ohrsensors einer gewissen Lernkurve. Erfahrungsgemäß nimmt die Qualität der Messungen mit der Erfahrung des Anwenders zu.“

cosinuss°:
„Nach unserer Erfahrung unterliegt die Anwendung des cosinuss° One Ohrsensors einer gewissen Lernkurve. Erfahrungsgemäß nimmt die Qualität der Messungen mit der Erfahrung des Anwenders zu.“

Nachdem einige Einheiten gut und zuverlässig verliefen, startete ich den Versuch, die Uhr wie gewohnt wieder links zu tragen, was sofort zu Signalausfällen führte. Nach dem ersten Kilometer habe ich die Uhr rechts angelegt und die Aufzeichnung lief einwandfrei. Also bleibt als Option noch: Den Sensor ins linke Ohr und die Uhr wie gewohnt am linken Handgelenk. Ergebis: Die Pulsübertragung zur Uhr ist nicht konstant und der Puls erscheint teilweise nicht plausibel. Beispielsweise sprang der Puls gegen Ende der Einheit auf ebener Strecke ohne Tempoerhöhung von 140 auf 180, blieb dort für 3 Minuten und fiel dann wieder auf 140 ab.

Pulsmessung Test
cosinuss° One im linken Ohr

Bedeutet: Der One, sowie die Uhr müssen rechts getragen werden, um plausible Werte zu erhalten.

Das Feeling

Beim Laufen merkt man fast nichts von dem sechs Gramm leichten One; nur ein Gefühl im Ohr, wie wenn man einen In-Ear-Kopfhörer trägt. Irgendwie erwartet man dadurch Musik, aber diese Funktion gibt es nicht beim One. Ich hatte mich schnell an den Sitz des One im Ohr gewöhnt. Selbst in der Winterzeit beim Radfahren, also mit Mütze, Radbrille und Helm stört der Cosinuss nicht. Egal ob beim Joggen oder Mountainbiken – er rutscht nicht aus dem Ohr. Andernfalls wird seit November 2016 ein separater kleiner Haltebügel mitgeliefert, der um den Sensor gespannt wird, um ihn über die Ohrmuschel abzustützen. Für ältere Geräte kann dieser nachbestellt werden. Das Hörvermögen wird lediglich geringfügig beeinträchtigt.

Pulsmessung Test
Anja Beranek mit dem cosinuss° One

One vs. Brustgurt

Um zu sehen, wie präzise die Pulsmessung per cosinuss° One ist, bin ich los gelaufen mit einem Garmin Edge 800 mit Premium Herzfrequenzsensor von Garmin und dem cosinuss° One mit einer Garmin Forerunner 620.

Zum Test habe ich einen Dauerlauf von 40 Minuten gemacht und direkt im Anschluss 3x 50m Bergsprints. Die blaue Kurve wurde mit dem cosinuss° One aufgezeichnet, die rote Kurve mit dem Garmin Pulsgurt, die Auswertung erfolgte in TIME2TRI Athlete.

Zu Beginn zeigen sich Unterschiede, aber nach 2 Minuten pendeln sich die Linien auf dem gleichen Puls ein. Im Verlauf zeigen sich Abweichungen noch oben, sowie nach unten. Im Durchschnitt geben beide identische Pulswerte aus: Garmin-Pulsgurt: 155, cosinuss° One: 154.

Pulsmessung cosinuss° One vs. Garmin Pulsgurt
Pulsmessung cosinuss° One vs. Garmin Pulsgurt

Die drei Sprints werden in der folgenden Grafik im Detail dargestellt.  Die Kurve des One ist sehr sprunghaft, da sie mehr Messpunkte aufweist, was den Pulsverlauf realistischer wiederspiegelt. Die Kurve des Garmin Pulsgurts wird geglättet dargestellt. In der Garmin-Kurve sind die Sprints mit anschließender Erholung eindeutig erkennbar. Beim dritten Sprint entspricht die blaue Kurve in etwa der roten. Da bei solch kurzen Sprints keine Trainingssteuerung nach Puls erfolgt, ist die Messgenauigkeit hier weniger relevant.

Pulsmessung cosinuss° One vs. Garmin Pulsgurt - Detail
Pulsmessung cosinuss° One vs. Garmin Pulsgurt – Detail

Weitere Erfahrungen aus dem täglichen Gebrauch

Vor allem im Winter ärgert man sich, wenn man sich gerade für das Training in der Kälte vollständig eingepackt hat und dann beim Schuhe anziehen feststellt: Mist, Pulsgurt vergessen. Das ist mit dem cosinuss° One nun kein Problem mehr. Ein weiterer angenehmer Vorteil ist, dass das unangenehme Anlegen eines nassen, kalten Pulsgurts wegfällt, wenn man zum Beispiel vormittags laufen war und nachmittags noch auf das Rad steigt. Die Pulsmessung per LED und Fotozelle im Ohr funktioniert identisch zu den Pulsuhren, die eine Pulsmessung am Handgelenk bieten. Bei diesen Uhren ist der Nachteil im Winter, dass die Uhr nicht über dem Ärmel getragen und unter dem Ärmel nicht abgelesen werden kann. Dies ist ein großer Vorteil des cosinuss° One. Garmin-Geräte zeichnen Laufeffizienzwerte über den Brustgurt auf – diese Daten fehlen bei der Verwendung des One genauso wie bei der Aufzeichnung des Puls am Handgelenk.

Fazit

Gewicht, Passform, Tragekomfort und Kopplung bekommen volle Punktzahl. Da die Startphase sich etwas schwieriger gestaltete und die Positionierung sehr eingeschränkt ist (One und Uhr müssen rechts getragen werden), gibt’s hier leider Punktabzug. Wenn man dies beachtet, funktioniert der cosinuss° One zuverlässig und ist einfach zu bedienen. Die Zuverlässigkeit der Pulsmessung ist bei Dauerläufen gut, aber bei kurzen Sprints nicht ausreichend, was aus meiner Sicht wenig relevant ist, da man hier nicht pulsgesteuert trainiert. Für längere Intervalle funktioniert die Pulsmessung im Ohr gut. Über allem steht für mich das Gefühl, auch bei Tempoeinheiten oder Wettkämpfen wieder frei atmen zu können. Daher gibt es 4 von 5 TIME2TRI-Sternen.

stars_4

Summary
Review Date
Reviewed Item
cosinuss° One
Author Rating
4
Über Sandra Schlichenmaier

Als Leistungssportlerin mag Sandra Abwechslung beim Sport und nutzt TIME2TRI, um Struktur in ihr Training zu bringen. Sandra ist die Disziplin in Person, aber wenn bei ihr morgens ein Nüchternlauf auf dem Plan steht, fällt er öfters mal auf dem Weg vom Bett zum Frühstückstisch dem Hunger zum Opfer. Da die Athletin in ihrer Karriere mit zahlreichen Trainern zusammen gearbeitet hat und selbst als Trainer aktiv ist, hält sie bei uns den Kontakt zu den Coaches.

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3 Kommentar(e) zu “Pulsmessung im Ohr: Der cosinuss° One im Test”

  • Danke für den Test! Was mich noch interessiert: welchen Mehrwert bringt die Körpertemperaturmessung? Geht das in Richtung HRV, ließe sich das z. B. als ein weiterer Kennwert für die Trainingssteuerung verwenden? Und wo speichern Forerunner oder Edge die Körpertemperaturwerte, in dem Feld in dem sonst die Außentemperaturwerte gespeichert werden (was z. B. bei den am Handgelenk getragenen Uhren ein völlig unnützes Feld ist und ich gut entbehren kann). Danke!

    • Hallo Maksi.

      Ein Mehrwert kann es sein, dass du bei extremen Temperaturen kontrollieren kannst, dass dein Körper nicht überhitzt bzw. unterkühlt.

      Da das FIT-Format bei Aktivitäten derzeit die Speicherung eines Körpertemperaturwertes nicht vorsieht, kannst du den Wert mit der aktuellen Garmin Firmware nicht in deiner Forerunner bzw. deinem Edge angezeigt bekommen. Du kannst hier aber zB eine Garmin IQ App nutzen, um das benötigte Datenfeld zu deinem Gerät hinzufügen zu können (https://apps.garmin.com/de-DE/apps/c5b90b8f-ccbe-4fd8-a90b-0988bbc8eb6b).

      Aber selbst mit dem Datenfeld werden die dort angezeigten Werte nicht von der Uhr im FIT-Format gespeichert. Daher findest du sie auch nicht in irgendwelche Auswertungen bei Garmin Connect bzw. auch nicht in unserer Trainingssoftware TIME2TRI Athlete. Hier müssen meines Erachtens erst noch Anpassungen am FIT-Format vorgenommen werden, damit solche Werte korrekt transportiert werden.

      Viele Grüße,
      Sören

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