Es geht nicht höher, schneller, weiter? Krisen clever durchleben


Wer kennt sie nicht, die ups and downs des Lebens? Jeder sitzt mal auf Wolke 7 und jeder hängt mal in den Seilen. Der Unterschied ist nur: wie lange verweile ich dort? Ich möchte bewusst keine Tipps geben, wie du schnellstmöglich von Wolke 7 auf den Boden der Tatsachen zurückkommst. Vielmehr geht es darum, wie du die Tiefflüge in deinem Leben in wertvolle Ergebnisse umwandeln kannst.

Schritt #1: Erkenne, benenne und akzeptiere deine Situation

Die meisten Krisen sind klar erkennbar. Sie verlaufen entweder zurückgezogen und still oder offensiv und lautstark. Egal wie – sie sind wertvoll. Die Krise erfreut sich wenig Beliebtheit und ist fast schon verpönt in unserer Leistungsgesellschaft. Schließlich hat der Mensch von heute keine Schwächen. Und wenn doch, weiß er sie zu übertünchen. Deshalb ist es wichtig, seine Situation zu erkennen, zu benennen und letztendlich zu akzeptieren, um sich von der idealisierten Welt „da draußen“ zu distanzieren, sich einzugestehen: „Mir geht es gerade nicht gut.“ Das ist ok. Das ist vollkommen ok.

„es ist vollkommen ok, sich einzugestehen: mir geht es gerade nicht gut.“

Dies gelingt am besten mit einer Affirmation, die fast schon wie eine Selbstentschuldigung klingt, dir aber Kraft und Verständnis für deine derzeitige Situation gibt.

Beispiele:

  • Ich darf auch mal in den Seilen hängen. Das ist ok.
  • Ich muss nicht immer fröhlich sein.
  • Es ist ok, Fehler zu machen.
  • Weniger ist manchmal mehr.
  • Mut zur Lücke.
  • So gut wie möglich, so gut wie nötig.
  • Ich gebe mein Bestes und achte auf mich.
  • Ich sorge für mich selbst.
  • Ich darf „nein“ sagen.
  • Ich darf auch mal Aufwand verursachen.
  • Ich muss nicht alles selbst machen.

Diesen Satz kannst du dir beliebig oft sagen oder laut kommunizieren. Die laute Kommunikation nach außen wirkt wie ein Ventil, das den Druck mindert. Akzeptiere, dass es dir gerade mies geht, und erlaube dir diese Zeit.

Schritt #2: Wachsam stehenbleiben

Wie schon angedeutet, hat unsere Leistungsgesellschaft ein Akzeptanzproblem mit Krisen. Wir bekommen beigebracht, Krisen so schnell wie möglich verlassen zu müssen, uns helfen zu lassen oder mit Mittelchen für bessere Stimmung zu sorgen. Allerdings reift man gerade in der Zeit der Krise – mit klarem Geist und wachen Sinnen – am schnellsten und intensivsten. Oder kennst du erfolgreiche Menschen, die kerzengerade und schnurstracks auf ihren Erfolg zugesteuert sind? Die meisten erfolgreichen Menschen haben etliche Versuche unternommen und haben mehrmals Schiffbruch erlitten, um ihre Erfolgsstrategie verfeinern zu können. Und hier kommen wir zum zweiten wichtigen Schritt im Umgang mit Krisen: wer immer wieder Anlauf nimmt, hat gute Chancen zu siegen.
Eine Krise verlangt nicht nur Durchhaltevermögen, sondern auch Wachsamkeit. Je wachsamer du bist, desto mehr kannst du daraus lernen. Daher: bleibe stehen, halte das Rad der Zeit an und beobachte dich.

Vogelperspektive
Vogelperspektive

Vielleicht hilft dir die Vogelperspektive dabei, vielleicht die Zuschauerperspektive. Beobachte dich, dein Umfeld und deine Umstände, um zu lernen und Auswege zu identifizieren. Das ist keine Sache von fünf Minuten. Eher eine Sache von zehnmal fünf Minuten. Vielleicht auch noch mehr. Mehr ist sogar noch besser und wird weitere Erkenntnisse zutage bringen.

„beobachte dich, dein Umfeld und deine Umstände!“

Wie das konkret geht, ist von Fall zu Fall unterschiedlich, daher hier mal ein paar Beispiele aus dem Leben gegriffen.
Fall A – wie Austausch: Sollten deine Sinne vor lauter „Depristimmung“ zugemacht haben und du kannst nur noch abwärts denken und fühlen, öffne dich. Sprich mit Menschen, denen du vertraust und die es gut mit dir meinen, über dein Thema und deine Gedanken. Du wirst erstaunt sein, wie fruchtbar und inspirierend die Rückmeldungen sein können.
Fall B – wie Belohnung: Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, sich „bei Laune“ zu halten. Versuche, kleine Erfolge in den Tag einzubauen, d.h. vervollständige ein Gemälde, ein Gedicht, koche dir etwas Feines oder schaffe dir ein kleines Alltagserlebnis.
Fall C – wie Check: Analysiere deine Situation in alle Himmelsrichtungen. Wenn möglich, denke auch mal out-of-the-box. Vielleicht gerätst du über eine abgefahrene Idee zu der tatsächlich umsetzbaren Lösung deines Problems. Löse dich von Konventionen, Glaubenssätzen, Anerzogenem. Denke: „Wenn alles möglich wäre, was würde ich tun?“
Fall D – wie Depp: ja genau, Depp. Lässt du dich gehen und fühlst dich als Depp vom Dienst oder hast du dein Leben selbst in der Hand? Wer ist verantwortlich für das, was du fühlst, bist, kannst und tust? Du. Du selbst. Ich kenne keine Opfer, die es aufs Treppchen, ins Guinness Buch der Rekorde, auf die Leinwand oder in die Charts gebracht haben. Erfolgreiche Menschen nehmen ihr Leben in die Hand und gestalten es selbst, so düster ihre Vergangenheit auch gewesen sein mag. Löse dich von dem Übel, das dir widerfahren ist, um es zu entmachten. Solange Vergangenes über dich herrscht, hat es Macht, weil du es zulässt.
Fall E – wie Elan: Vielleicht gelingt es dir, Krisen in etwas Positives, Schöpferisches umzudefinieren. Du musst das Positive noch nicht genauer definieren können. Rein die Annahme, dass Krisen zu etwas Positiven führen werden, verändert deine Grundeinstellung und weckt Handlungsfähigkeit. Denn ohne Elan kein Vorankommen.

Schritt #3: Auf zu neuen Ufern

Wie sagt man so schön: ‚im Nachhinein weiß man mehr‘. Die eine oder andere Krise hat dir bestimmt schon zu Neuem verholfen. Wenn es dir hilft, führe dir solche Situationen aus deiner Vergangenheit vor Augen und hole dir Mut. Wer weiß, wozu deine Krise gerade gut ist. Vielleicht konntest du durch Schritt #2 einen Ausweg, ein lohnendes Ziel, oder Ähnliches eruieren und nimmst Kurs darauf. Falls du derzeit kein Ziel identifizieren kannst, male dir eins aus.

Auf Zu Neuen Ufern
auf zu neuen Ufern

Kreiere dir ein Zielbild, das dich zuversichtlich und gestärkt in die Zukunft schauen lässt. Auch das ist viel einfach geschrieben als getan. Ohne Schritt #3 bleibst du bei #2 hängen….und hängen…..und hängen.
Nicht selten ändern Menschen in tiefen Krisen radikal die Richtung ihres Lebensdampfers. Schmeißen alles hin, verkaufen Haus & Hof und ziehen los, oder lassen alte Kontakte wiederaufleben, oder packen doch noch eine Ausbildung oder ein Studium an. Deshalb ist es wichtig, ab und zu stehenzubleiben. Das Tempo zu drosseln, um Auswege, so verrückt sie im Moment noch klingen mögen, zu erkennen.

Über Astrid Ecke (sportsbirne)

Astrid hat ihre eigenen Triathlon-Disziplinen: Mountainbiken, Bergsteigen und Tennis. Als alpine Ausdauersportlerin hat die Mentaltrainerin schon so manche Extremsituation gemeistert. Bei TIME2TRI sorgt Astrid mit vielen Tipps und Tricks für Kopfarbeit und mentale Stärke - und Bestleistung, wenns drauf ankommt.

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