Trainingssteuerung – Interview mit Utz Brenner


Bei den meisten von euch neigt sich die Saisonpause vermutlich langsam dem Ende zu und ihr seid bereits schon hochmotiviert für die Vorbereitungen auf eine erfolgreichen Saison 2019?! Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die vergangene Saison nochmal Revue passieren zu lassen. Was lief gut, wo schlummern mögliche Potentiale und an welchen Stellschrauben ist zu drehen?

Ein Verbesserungspotential bei der Vielzahl der Sportler stellt meines Erachtens die Trainingssteuerung dar. Mindestens genauso wichtig wie die Planung des Trainings, ist die Auswertung der absolvierten Einheiten. In der heutigen Zeit eröffnet uns die IT-Technologie mit ihren zahlreichen Tools vielerlei Möglichkeiten, Trainingseinheiten systematisch zu planen bzw. auszuwerten. Mein Trainer Utz Brenner konnte durch seine mehrjährige Anwendung von Training-Software-Programmen bereits viele Erfahrungen sammeln und hat mir hierzu einige Fragen beantwortet.

Foto: Elisabeth Kellerer

Warum macht es Sinn innovative Tools wie die Plattform TIME2TRI für die Trainingssteuerung zu nutzen?

UB: Wir wissen heute mehr denn je, dass jeder Athlet sehr individuell auf Trainingsreize reagiert. Hier schafft ein gutes Feedback des Athleten die Basis jeder Zusammenarbeit. Um sowohl die Entwicklung zu verfolgen, als auch das Feedback des Sportlers richtig einschätzen zu können, ist ein Monitoring über eine Plattform wie TIME2TRI für eine professionelle Zusammenarbeit unabdingbar.

Welchen Mehrwert bietet dir die Software im Vergleich zur herkömmlichen Excel-Tabelle?

UB: Die Auswertungen der Trainingseinheiten gestalten sich durch das sogenannte ,,drag & drop“ über beispielsweise Garmin Connect sehr einfach. Die Daten werden synchron in die Trainingssoftware TIME2TRI hochgeladen und es ist keinerlei zeitraubendes Eintragen in Excel-Tabellen notwendig. Durch die TIME2TRI-Coach-Funktion hat der Trainer direkten Zugriff auf die Trainingsdaten, das Feedback des Athleten u.v.m., kann jederzeit Änderungen vornehmen und über die Plattform in direkten Kontakt mit seinen Athleten treten.

Durch die Trainingsaufzeichnungen, kann der Trainer Vergleiche von ähnlichen Einheiten aus der Gegenwart zu Trainingseinheiten in der Vergangenheit (Herzfrequenz, Watt, Intensität etc.) aufstellen und Entwicklungen exakter beobachten.

Welche Parameter spielen deiner Meinung nach bei der Trainingssteuerung von Altersklassen-Athleten eine bedeutende Rolle? Worauf achtest du bei deinen Athleten?

UB: Als wesentliche Parameter sehe ich die Belastung-/Entlastung. Altersklassen-Athleten gehen neben dem Sport einem Beruf nach, haben Familie, und noch ein Leben neben dem Sport. Ziel sollte sein, dass der Athlet nicht über- allerdings auch nicht unterfordert wird. Die Aufgabe jedes Trainers besteht darin, das Trainingsziel der Einheit zu prüfen. Wurde dieses Ziel auch erreicht?! Hier ein Beispiel: Es soll eine Grundlageneinheit mit technischen Elementen (z.B. einbeiniges Fahren auf dem Rad) absolviert werden.

Der Sportler hielt sich bei der Einheit allerdings größtenteils in Level 3 und 4 (Schwelle und darüber) auf. Das Trainingsziel wurde infolgedessen nicht erreicht, da das Training zu intensiv ausgeführt wurde. Dies kann der Trainer z.B. anhand von Puls- oder Watt-Werten erkennen, entsprechend reagieren und gegebenenfalls weitere Einheiten anpassen. Bei Altersklassen-Athleten spielt die Trainingssteuerung eine wichtige Rolle, da zusätzlich zur Trainingsbelastung die Belastung des full-time-jobs, der Ausbildung oder des Studiums hinzukommt (dadurch Überforderung vermeiden).

Aus meiner Sicht ist sowohl ein vertrauter Dialog zwischen Trainer und Athlet, als auch ein verantwortliches Handeln beider Seiten sehr wichtig und die Basis einer erfolgreichen Zusammenarbeit.

Welche Trainings-Philosophie verfolgst du?

UB: Die Strategie des Trainings orientiert sich zu 100% am Athleten. Beispiel: Ein Athlet, der erst seit 2 Jahren Triathlon betreibt und bislang nur auf der Olympischen Distanz unterwegs war, muss anders trainiert werden, als ein Athlet der bereits seit 10 Jahren aktiv ist und erfolgreich Langdistanzen absolviert hat. Um einen Athleten richtig einschätzen zu können, interessieren mich beispielsweise dessen Trainingsjahre und bisherigen Trainingsinhalte (z.B. viel oder wenig Ausdauer, niedrig oder hohe Intensität). Der Trainingsplan wird demnach und anhand der zeitlichen Kapazitäten erarbeitet. Grundsätzlich sollte jeder Trainings-Block (von 4-8 Wochen) mit einem bestimmten Trainingsziel durchgeführt werden. Das Ziel der Werte leitet sich aus den gemeinsam festgelegten Zielen und des aktuellen Training-Standes ab.

Nach jedem Trainingsblock werden die Daten, unter anderem mittels des persönlichen Feedbacks des Athleten, überprüft und ggf. angepasst. Meine grundsätzliche Überzeugung liegt in der Anwendung des „polarisierten Models“ mit einer Verteilung von 80:20 (Level 2 vs. Level 4/5).

Foto: Elisabeth Kellerer
Foto: Elisabeth Kellerer

Bevor wir nun zum Abschluss kommen – was kannst Du unseren Lesern/Athleten noch mitgeben?

UB: Wir leben in einer Zeit, in welcher die „Trainingszeit“ sehr rar gesät ist. Es ist kaum möglich, sich noch weitere Stunden in der Woche freizuschaufeln. Deshalb ist aus meiner Sicht ein wertvoller Tipp, die Qualität der Einheiten zu erhöhen. Damit meine ich z.B. ein gutes „Warm-Up“, um die Muskulatur und Gelenke zu aktivieren (z.B. Arbeit mit einem Theraband vor dem Schwimmen). Im Hauptteil sollte man das jeweilige Trainingsziel kennen und sich hinterfragen, ob dieses erreicht werden kann (Beispiel: Es stehen beim Laufen koordinative Übungen an, mit seinen Gedanken ist man allerdings noch im Büro. Diese hochanspruchsvollen Übungen benötigen volle Konzentration und machen demnach unter diesen Voraussetzungen wenig Sinn!).

Noch ein finaler Hinweis zur Qualitätssteigerung – wichtige Einheiten sollten vorbereitet werden. Steht am nächsten Tag beispielsweise eine wichtige Radeinheit an, empfiehlt sich am Vorabend noch eine kurze, 15-20-minütige Radeinheit mit beispielsweise ein paar Frequenz-Übungen.

Wir wünschen Euch Allen eine verletzungsfreie Vorbereitung und tolle Erlebnisse in unserem traumhaften Sport.

Passt auf euch auf!

Utz und Laura

Über Laura Zimmermann

Laura ist die Frau, die man im Wettkampf nur von hinten sieht. Die Durchstarterin aus dem Allgäu gilt in ihrer Heimat als die größte Triathlon-Hoffnung bei den Frauen und sammelt neben ihrem Job als Zahnärztin Podiumsplätze wie andere Leute Briefmarken. Bei TIME2TRI ist Laura mit vielen Tipps, Tricks und Einblicken rund um den Triathlon-Alltag mit an Bord.

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