Langdistanz-Premiere: das war die Challenge Roth 2018


Über meinen Weg zu meiner ersten Langdistanz habe ich bereits in den letzten Tagen berichtet. Letzten Donnerstag war es dann endlich soweit: die große Vorbereitung und mein Training waren abgeschlossen, nun konnte die Reise nach Roth tatsächlich beginnen.

Wir bezogen unsere Unterkunft in Allersberg und machten uns auf den Weg nach Roth, um unsere Startunterlagen abzuholen und einmal über die Expo zu schlendern. Abends trafen wir uns dann noch mit unseren Supportern zum Essen in der legendären Bäckerei Schmidt. Eine Idee, die außer uns noch viele weitere Triathleten hatten. 😉

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Supporter und Starter bei Bäcker Schmidt

Am nächsten Morgen ging es für uns schon früh aus den Federn – um 06:30 Uhr war das Kanal-Testschwimmen geplant. Das Testschwimmen diente für uns vor allem der Orientierung, aber auch der Wahl der richtigen Schwimmbrille, abhängig vom Stand der Sonne um diese Uhrzeit.  Während einige Schwimmer wirklich große Runden durch den Kanal drehten, sprangen wir drei Langdistanz-Rookies nur für ein paar Minuten in das wirklich kühle Nass.

Mittags trafen wir uns alle auf der Seebühne von Squeezy zum Rookie-Talk mit Timo Bracht. Wir nutzten die Gelegenheit, um Timo noch einmal ein paar Tipps zu unserem ersten Start in Roth zu entlocken – vor allem die Tipps zum Thema Schlaf aber auch zur mentalen Stärke waren sehr hilfreich. An dieser Stelle danke an Timo für die tolle Talk-Runde und die Tipps! Den kompletten Live-Talk mit Timo findet ihr übrigens noch einmal hier.

Rookie-Talk mit Timo Bracht
Rookie-Talk mit Timo Bracht

Nach dem Talk mit Timo ging es auch schon gleich weiter – Roth-Rookie Thomas sowie TIME2TRI-Kreativkopf Leni starteten bei der Challenge4all über die Sprint-Distanz – für Leni war es sogar der erste Triathlon ihres Lebens. Die beiden haben die Strecke wirklich gerockt und für uns war es eine tolle Gelegenheit, uns im Vorfeld für den überragenden Support von Sonntag zu revanchieren.

Leni, Simon, Ramon, Thomas und Robin bei der Challenge4all
Leni, Simon, Ramon, Thomas und Robin bei der Challenge4all

Am Samstag wurde es dann schon langsam ernst. Nach dem Frühstück wurde ein letzter Materialcheck der Räder vorgenommen und dann gleich ein Ratschlag von Timo in die Tat umgesetzt, einen kurzen, 20minütigen Lauf mit Lauf-ABC zu absolvieren. Jeder für sich allein, um sich vor dem großen Tag auch nochmal bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen.

„Jeder hat sich vor dem großen Tag noch einmal Zeit für sich selbst genommen“

Gegen Mittag wurden dann unsere Räder eingecheckt und die Laufbeutel abgegeben. Ab hier wurde uns allen klar: jetzt gibt es kein Zurück mehr – das Auschecken der Räder und das Zurückerobern unserer Laufbeutel wäre mindestens so kompliziert und aufwändig geworden wie der Start am Sonntag. :-) Den restlichen Samstag verbrachten wir bewusst ruhig, das Ende krönte eine private Pastaparty von Chefkoch Robin.

Jeder von uns wollte früh schlafen gehen – wirklich schlafen konnten wir aber – wie von Timo prophezeit – vor lauter Aufregung natürlich nicht.

Die Challenge Roth 2018

Sonntag Morgen – oder eher Nachts – um 03:47 Uhr klingelte der Wecker und eine unruhige Nacht mit wenig Schlaf war vorbei. Still und angespannt trafen wir uns mit kleinen Augen beim Frühstück und spulten unsere übliche Morgenroutine vor einem Wettkampf ab. Keine Gespräche, dafür Kaffee und Brötchen mit Honig bzw. Nutella, ein letzter Toilettengang, ab in den Einteiler und die Schuhe und dann hieß es auch schon um 04:30 Uhr: Abfahrt zum Kanal! Just in time gelangten wir noch vor dem großen Andrang entspannt an unsere Räder und konnten die Wechselzone einrichten, die sich sehr rasch mit weiteren Athleten füllte.

Leider entsprach der Musikgeschmack des DJs an diesem Morgen so gar nicht dem unseren. Anstatt motivierenden Klängen, schnellen Beats und pushenden Rhythmen drückte seichte Klaviermusik unsere Stimmung, wir fühlten uns ein bisschen wie auf einer Beerdigung. Gott sei Dank konnten wir bereits vor dem Start einen großen Teil unserer Support-Crew noch einmal treffen und in die Arme schließen, was unsere Stimmung noch etwas auflockerte.

Ab 06:15 Uhr bereiteten wir uns auf unseren Start um 06:45 Uhr (Ramon und ich) bzw. 06.55 Uhr (Robin) vor. Neo und Bademütze an, Schwimmbrille mitnehmen und ab zum Schwimmeinstieg. Von hier aus schauten wir den Profis bei ihrem Start um 06:30 Uhr zu und durften dann direkt nach dem Start der Profi-Frauen selbst direkt ins Wasser und an die Startlinie schwimmen.

Umgeben von Menschenmassen und einer atemberaubenden Kulisse mit strahlender Sonne und den berühmten Heißluftballonen links von uns donnerte pünktlich um 06:45 Uhr der Kanonenschlag für unsere Startgruppe und das bislang längste Rennen unseres Lebens begann.

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Ich kam gut weg, hatte schnell mein Wohlfühltempo gefunden. Bis zur ersten Wende schwamm ich zusammen mit einer größeren Gruppe, diese wurde jedoch mit der Zeit immer kleiner. Zwei Mitstreiter und ich konnten nach der Boje noch einige Athleten überholen und den Abstand nach hinten vergrößern. Nach genau einer Stunde war für mich das Schwimmen beendet. Ich bin mit dieser Zeit recht zufrieden, rückblickend hätte ich allerdings vielleicht mehr Mut haben und in die große Gruppe vor mir aufschwimmen sollen, in der sich auch Ramon befand.

Mit einem schnellen Wechsel ging es dann ab aufs Rad, um die 180km in Angriff zu nehmen. Direkt auf den ersten Metern, kurz vor der Brücke hatte ich dann den ersten richtig dicken Klos im Hals: alle Supporter standen dort, feuerten mich an und riefen mir – wie von mir vorab gewünscht – auch meinen Rückstand auf Ramon zu :-)

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Es ist ein irres Gefühl, wenn einem die Luft vor Freude einfach wegbleibt und die Emotionen hochkochen. Ich fragte mich: wenn das jetzt schon so anfängt – wie soll das erst später am Solarer Berg werden??

Weiter ging es Richtung Rothsee und zur Schleuse. Dort ein erster Schock: durch den holprigen Asphalt schleuderte es meine Aero-Gelflasche aus dem Rahmen. Vollbremsung! Ich musste umdrehen, die Flasche aufsammeln – durch mein selbstgemischtes Gel war ich auf sie angewiesen – und konnte erst danach wieder weiterfahren. Zum Glück war ich in der ersten „Sub 9“-Startgruppe gemeldet, sodass die Strecke noch ziemlich frei und dieses Manöver problemlos möglich war.

„Es ist ein irres Gefühl, wenn einem vor Freude einfach die Luft wegbleibt“

Die freie Strecke kam mir auch im weiteren Verlauf sehr entgegen – ich war nur wenig abgelenkt und konnte mich ganz auf meine Wattwerte konzentrieren. Leider war aber schnell klar, dass ich nicht den perfekten Tag, an dem einfach alles passt, erwischt habe. Der Wind wehte heftig und ich wusste schnell, dass ich mein Ziel, den Rad-Split in 05:00 Stunden zu absolvieren, nur auf Kosten zu vieler Körner schaffen würde. Also entschied ich mich schnell dafür, meine Wattwerte im Auge zu behalten und nicht zu überpacen.

Nach ca. 40 Kilometern wartete der erste richtige Berg auf mich: der Kalvarienberg mit 10% Steigung. Hier hieß es: kurz runterschalten, locker treten und nach der größten Steigung zurück in den Aufleger und drücken. Nach ca. 68km kam ein erster, kleiner Vorgeschmack auf das, was wenige Minuten später folgen sollte: der Anstieg nach Hilpoltstein ging kurz und knackig hoch – und auch hier war bereits ordentlich Stimmung angesagt. Die Zuschauer standen eng links und rechts an der Strecke und feuerten uns an. Auch hier sah ich schon viele mir bekannte Gesichter und hatte prompt den nächsten Freuden-Klos im Hals. Nach Hilpoltstein ging es dann zum legendären Solarer Berg.

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Simon am Solarer Berg

Man fährt einfach nur auf eine Wand voller Menschen zu. Unten am Eingang zum Solarer Berg war noch etwas Platz, ich hörte aber schon den Lärm der Moderatoren und der Zuschauer. Sobald ich in die Menschenmenge eintauchte, war alles vorbei. Die Zuschauer und Supporter standen dicht gedrängt und machten nur den allernötigsten Platz frei. Sogar die Luft wurde dünner! Was für ein Feeling!

Robin am Solarer Berg
Robin am Solarer Berg

Immer und immer wieder standen Teile unserer Support-Crew den kompletten Solarer Berg hoch verteilt – ich konnte nicht mehr zählen, wer wie oft meinen Namen gerufen hat. Es war einfach nur geil – an dieser Stelle ein fettes Dankeschön!  Oben am Berg wartete die Verpflegungsstation – auch für meine Eigenverpflegung. Hier fand ein schneller und problemloser Austausch meiner Gel-Flasche mit Supporter Thomas statt und weiter ging es über eine kleine Schleife wieder zurück nach Hilpoltstein und über den Kanal zurück auf die zweite Runde. Auch hier war wieder Gänsehaut-Feeling pur: weitere Teamkollegen standen an der Strecke und pushten mich nach vorn.

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Ramon am Solarer Berg

Auf der zweiten Runde wurde die Strecke schon voller, die meisten Athleten und Staffeln befanden sich mittlerweile auf dem Rad. Hier war nun Konzentration angesagt, um nicht in einen Pulk zu geraten und am Ende noch eine Penalty zwecks Windschattenfahren zu kassieren. Wobei: Windschatten wäre manchmal schon toll gewesen – der Wind wehte wirklich stark und ohne Erbarmen. Dennoch konnte ich relativ unbeirrt auch die zweite Runde mit den vorgenommenen Wattwerten absolvieren.

Nach 05:10 Stunden konnte ich mein Rad in der T2 parken und mit einem super Gefühl und guten Beinen auf die Laufstrecke wechseln. Hier ging es zunächst bergab in Richtung Kanal. Mein Freund Flo überraschte mich direkt am Ausgang zur T2 und feuerte mich an, nach ca. 5km konnte ich dann Ramon einsammeln und mit einer gefühlt lockeren Pace weiterlaufen.

Simon raus aus der T2
Simon raus aus der T2

Durch eine konsequente Verpflegung hoffte ich, den Einbruch soweit wie möglich nach hinten zu verschieben – was mir leider nur bis ca. Kilometer 18 gelang. Ab hier merkte ich, wie mir die Beine schwerer wurden. Bis zum Passieren der Halbmarathon-Marke war ich aber noch in meiner Ziel-Pace und meinem Zeitplan für meinen ersten Marathon unterwegs. Es folgte ein konstantes Auf und Ab mit einem wechselseitigen überholen zwischen einzelnen Athleten. Ab Kilometer 28 fand ich dann einen französischen Athleten, mit dem ich den Lauf zu Ende bringen wollte.

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Die Strecke von Roth über den Marktplatz rüber nach Büchenbach zog sich gefühlt extrem in die Länge. Dort dann kam dann schließlich der lange Anstieg bis zur Wende. Hier wurde es zäh und hart. Immer bergauf, um den See herum und bergab wieder zurück. Nach 33 Kilometern bergab zu laufen ist wirklich knackig. Doch gemeinsam mit meinem französischen Laufpartner ging es immer weiter Richtung Marktplatz in Roth und auch immer weiter, dem Ziel entgegen.

Kurz vor Erreichen des Marktplatzes waren meine Beine leer – und auch meine Lust befand sich auf ihrem Tiefpunkt. Hierzu gesellte sich noch ein wirklich fieser Abschnitt mit Kopfsteinpflaster, was meine Stimmung nicht wirklich hob. Doch dann kam zum Glück nochmal die „zweite Luft“ und ich konnte mein Tempo final noch einmal forcieren. Dann stand auch schon mein Zieleinlauf bevor: nach 09:31 Stunden war meine erste Langdistanz geschafft – nicht ganz das Ziel, was ich eigentlich erreichen wollte aber dennoch war ich einfach nur glücklich.

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Direkt hinter dem Zielbogen wartete ich dann zusammen mit einem Teil meiner Support-Crew auf Robin und Ramon – zusammen ging es dann ab in die Zielverpflegung.

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Danke an alle, die Teil unserer #roadtoroth waren – an Familie und Freunde, an Supporter, Trainingspartner und Mitfieberer – ihr alle habt euren Beitrag zum gestrigen Tag geleistet! Danke!

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Über Simon Schlichenmaier

Simon ist Triathlet aus Passion und will nicht nur sportlich immer besser werden. Sein Ziel ist es, durch TIME2TRI diese Leidenschaft an andere Athleten weiterzugeben. Als User der ersten Stunde ist er bei TIME2TRI besonders kritisch und will die perfekte Software als Trainingsbegleiter. Privat ist Simon ein "Mitesser" und spekuliert immer darauf, dass andere ihre Portion nicht schaffen.

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