Mentaltraining: vom richtigen Umgang mit schrägen Blicken

Lesezeit: 9 Minuten

Schräge Blicke können schnell verunsichern. Sportmentaltrainerin Eva Helms gibt euch wertvolle Tipps für mehr Selbstbewusstsein.

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Geschrieben von Eva Helms 24. Juli 2019

August 2016. In den sozialen Medien wird er heftig diskutiert, der "etwas andere Rennbericht" von Christina, aka "Die Rennschnecke". Eine junge Frau, die zutiefst beleidigende und schlicht und einfach saudumme Sprüche im Wettkampf hinterhergerufen bekommt und dadurch sogar (beinahe) die Lust am Laufen und am Triathlon verliert. Sie schreibt einen Blog darüber, rappelt sich wieder auf und hat sich glücklicherweise am Ende trotzdem nicht abhalten lassen, Triathlon und Laufen weiter zu genießen!

Vielleicht nicht in dieser wirklich krassen Form, aber bekommt ihr sie auch manchmal, diese schrägen Blicke und dummen Sprüche? Und fühlt euch dadurch verunsichert, gekränkt oder sogar demotiviert?

Dieser Artikel soll euch Mut machen, euren Weg weiter zu gehen, euch nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Euch selbstbewusst zu zeigen, egal, was andere sagen oder schreiben. Dazu werfe ich mit euch zusammen einen Blick darauf, wie wir unsere Umwelt und Mitmenschen wahrnehmen und was dabei in unseren Köpfen passiert. Am Ende gebe euch ein paar nützliche Tips, wie ihr in solchen Situationen selbstbewusster reagieren könnt!

Wie wir wahrnehmen

Unser Gehirn ist ein ausdauernder Hochleistungssportler! In jeder Sekunde des Tages greift es Billionen von Wahrnehmungen über unsere Sinnesorgane auf, bewertet und selektiert diese. So entstehen im Laufe eines Lebens sehr individuelle Muster - unsere ganz persönliche Wirklichkeit. Diese formt sich aus all unseren Erfahrungen, Annahmen, Erwartungen und Vorstellungen. Es werden allerdings nur bestimmte Reize aus der Außenwelt in unser Bewusstsein übernommen. Die Auswahl richtet sich danach, ob ein bekanntes Muster gefunden wurde. Dabei werden viele andere Reize unterdrückt - unser Gehirn wäre schlicht und ergreifend überlastet.

Unsere Sinne dienen also nicht der 1:1 Abbildung einer realen Wirklichkeit, sondern sind eine Art Trigger für eine bereits vorhandene Vorstellung der Wirklichkeit!

Ein sehr schönes Beispiel für unsere selektive Wahrnehmung ist das kurze und vielen von euch bestimmt bekannte Video des US-Psychologen Daniel Simmons: zu sehen sind 2 Basketballmannschaften, die gegeneinander spielen. Aufgabe ist es, die Anzahl Pässe der eine der beiden Mannschaften zu zählen. Macht das mal - ich verrate nichts. ;-)

Wie wir reagieren

Unser Gehirn ist aufgrund seiner enormen Arbeitsleistung darauf aus, seine Denkprozesse ökonomisch zu gestalten, vereinfacht gesprochen: Energie zu sparen. Wie macht es das? Es konstruiert uns eine schnelle Lösung, eine schnelle Geschichte, eine, die genau in unsere persönliche Vorstellung der Wirklichkeit passt. Ihr ahnt es bereits: allzu gerne nehmen wir dieses Angebot dankend an und verzichten darauf, weiter nachzudenken. Schade eigentlich. Denn dies hätte das oben beschriebene Leid von Christina verhindern können.

Schräge Blicke und doofe Kommentare - mal anderes gesehen

Die Augenbrauen der Freundin wandern kritisch nach oben. Euer Nachwuchs hat Mist gebaut, die Wohnung hätte mal wieder einen Frühjahrsputz nötig und Ihr habt zum zweiten Mal eine Verabredung verschwitzt.

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Lasst euch nicht verunsichern

Also merkt sie an: "So viel Sport? Ist das denn gut? Mh, ist ja schon klar, dass dann einiges liegenbleibt und schiefgeht..."

Ihr geratet ins Grübeln: hat sie vielleicht doch irgendwie recht?? Nein, hat sie natürlich nicht!

Statt euch nun schlecht zu fühlen, könntet ihr die Perspektive mal wechseln und versuchen, einen Blick in die Wirklichkeit eures Gesprächspartners zu werfen: Wohnung picobellö Kids brav und ordentlich? Dafür aber eher unsportlich? (und wahrscheinlich geplagt von dem nagenden Gefühl, sich doch endlich mal wieder aufraffen zu müssen) Natürlich wandert die Aufmerksamkeit genau zu diesem einen Punkt des Mangels: na klar, es kann ja nur der viele Sport sein, dass bei euch was schiefläuft, was denn sonst? Eine subjektive Bewertung, die aber nur in der Wirklichkeit des Kommentierenden Bestand hat. Die Wirklichkeit eines anderen hingegen kann man nur mit Empathie und Nachdenken betreten.

Was kann ich tun, um mein Selbstbewusstsein zu stärken?

  • Kommt mal ein schräger Blick oder dummer Kommentar: einmal durchatmen, bis drei zählen, aufrichten, lächeln, dann erst antworten
  • Legt euch eine selbstbewusste Antwort in Gedanken vorab bereits zurecht: „mein Leben ist vielleicht nicht perfekt, aber es fühlt sich sehr echt an!“
  • Konzentriert euch auf eure Stärken! Notiert euch jeden Abend etwas, was euch an diesem Tag besonders gut gelungen ist.
  • Wisst ihr genau, warum ihr euren Sport so liebt? Macht euch eure Beweggründe immer wieder bewusst - das stärkt das Selbstvertrauen.
  • Umgebt euch mit Gleichgesinnten und feiert gemeinsam eure Erfolge!
Selbstbewusstsein heiß, sich seiner selbst bewusst zu sein
Selbstbewusstsein heiß, sich seiner selbst bewusst zu sein

Selbstbewusstsein heißt, sich seiner selbst bewusst zu sein

Der Begriff Selbstbewusstsein wird häufig in einer ausschließlich positiven Richtung verwendet. Wer selbstbewusst ist, ist mental stark. Oder umgekehrt: wer nicht selbstbewusst ist, ist schwach. Aber ist Selbstbewusstsein wirklich eine Charaktereigenschaft? Nein - es sind erlernbare Fähigkeiten! Im Mentalcoaching trainiere ich mit meinen Klienten genau diese: Wertfreie Wahrnehmung des eigenen Zustandes und Aktivierung eigener Ressourcen. Mit dem Ziel, sich selbst in den gewünschten Zustand versetzen zu können!

Ich wünsche euch ein verletzungsfreie und gute Vorbereitung - fast ist es geschafft!  


Sportmentalcoach & Triathletin
Eva vereint die Leidenschaft für den Triathlonsport mit ihrer Faszination für die mentalen Anforderungen des Ausdauersports. Als Sportmentalcoach und Triathletin beschäftigt sie sich intensiv mit der Frage: wie kann es gelingen, mit Freude und Leichtigkeit nicht nur monatelang ein Ziel zu verfolgen und zu trainieren, sondern auch im Wettkampf selbst das gesteckte Ziel zu erreichen? Eva begleitete in den letzten Jahren viele Athleten auf ihrer ganz persönlichen sportlichen Reise und gibt neben vielen Tipps aus ihrer beruflichen Ausbildung auch viele Erfahrungen aus ihrem Leben als leistungsorientierte Altersklassenathletin an ihre Klienten weiter.

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