Der große Paddles-Test


Neben dem Pullbuoy sind Paddles das am Weitesten verbreitete Trainingsgerät im Schwimmtraining.

Paddles werden hauptsächlich beim Techniktraining und als Kräftigungstraining eingesetzt, da mit Hilfe der Kunststoffplatten die Handfläche künstlich vergrößert wird. Elementar wichtig für die Verwendung von Paddles ist eine gute und saubere Schwimmtechnik. Ansonsten kann es durch die größere Belastung schnell zu Gelenkschäden kommen.

Beim Kauf von Paddles gibt es selten Beratung. Daher wollen wir euch einige wichtige Tipps geben und haben Paddles von verschiedenen Hersteller getestet.

Welche Größe brauche ich?

Paddles gibt es üblicherweise in den Größen S/M/L/XL, doch viel entscheidender ist die Angabe der Paddlesgröße in Zentimetern. Die Paddles sollten in der Länge maximal 1 Zentimeter über die Fingerspitzen stehen. Bei Top-Schwimmern können sie auch mal größer ausfallen, aber prinzipiell zählt hier nicht „viel hilft viel“. Sind die Paddles zu groß, fällt es schwer, den Armzug überhaupt noch sauber auszuführen, was zu Überbelastung der Gelenke führen kann.

Zoggs und Aqua Sphere bieten die Paddles in zwei verschiedenen Größen an, Head und Finis in drei Größen. Sport-Thieme bietet sogar sechs Größen, wodurch für jeden die richtige Größe dabei ist. Athleten mit kleinen Händen werden bei Zoggs, Head, Finis und Sport-Thieme fündig – obwohl Zoggs dem Paddle die Größe „Medium“ gegeben hat, fällt er klein aus. Bei Head ist der Sprung zwischen S und M sehr groß. Die Sport-Thieme Paddles sind eher breit geschnitten, wodurch die Paddlelänge hier am besten der Handlänge entsprechen sollte. Analog zu Zoggs und Head in S wäre hier XS zu wählen. Die Finis Paddles sind auch eher breit und messen sich laut Hersteller-Größentabelle nicht nur an der Länge, sondern auch an der Breite der Hand. Für mich passt daher Größe S, auch wenn der Paddle nicht über meine Fingerspitzen übersteht.

Paddles-Test
Paddles-Test

Unser Test befasst sich mit folgenden Paddle-Modellen (von links nach rechts):

Alle aufgelisteten Paddles sind sehr gut zum Kraulschwimmen geeignet; für Könner auch zum Delfin-, Rücken- und Brustschwimmen.

Auspacken und Justieren

Als erstes fällt mir die Verpackung auf. Die Aqua Sphere Paddles sind ökologisch nur in Pappe verpackt, die restlichen Hersteller liefern ihre Paddles in Kunststoffverpackungen.

Head und Aqua Sphere liefern die Paddles bereits zusammengebaut, wohingegen Zoggs und Sport-Thieme Einzelteile liefern. Besonders bei den Paddles von Sport-Thieme macht dies Sinn, da sie sehr viele Löcher für verschiedenste Einstellungen bieten.

Vom Hersteller angedacht ist die Befestigung der Paddels mit einem Gummiband um das Handgelenk und einem Band um den Mittelfinger. Meine Empfehlung hierzu ist, auf das Band am Handgelenk zu verzichten. So erhält man beim Schwimmen eine deutlichere Rückmeldung über die Präzision der Schwimmtechnik.

„Der Paddle darf beim Zug unter Wasser nicht flattern.“

Bei falscher Technik kann es sogar dazu führen, dass man den Paddle komplett verliert. Das gilt auch beim Beenden der Druckphase. Wird diese nicht mit zum Ende durchgeführt, stellt sich der Paddle gegen das Wasser, wenn die Hand das Wasser verlässt. Daher habe ich als erstes bei allen Paddles das große Gummiband entfernt oder nur das kleine eingezogen. Bei den Zoggs Paddles gestaltete sich das etwas schwieriger, da diese dafür nicht ausgelegt sind, aber mit etwas Kreativität klappte auch das.

Zoggs Matrix Hand Paddles
Zoggs Matrix Hand Paddles

Aqua Sphere verwendet keine 0815-Gummibänder, sondern ergonomisch geformte flache Bänder, die am Mittelfinger leider nicht einstellbar sind und bei Frauen mit schmalen Fingern etwas zu groß sind. Falls eines der Bänder kaputt sein sollte, muss Ersatz beim Hersteller erfragt werden. Für die anderen Modelle gibt es im Baumarkt Gummischläuche günstig als Meterware. Finis hebt sich hier deutlich ab – es gibt gar keine Gummibänder. Der Daumen schlüpft in ein ergonomisch geformtes Loch im Paddle. Im Trocknen erscheint er zunächst unmöglich, so zu schwimmen.

Finis Agility Paddles
Finis Agility Paddles

Tragekomfort an Land

Die Paddles von Zoggs, Head, Finis und Aqua Sphere setzen auf Ergonomie. Sie sind geformt wie eine leichte Schaufel, welche die Hand während des gesamten Armzugs (auch ohne Paddles) bilden sollte. Die Schaufel bei Head ist am stärksten ausgeführt. Auffällig ist, dass die Flex Paddles von Aqua Sphere – wie der Name schon sagt – aus einem flexiblen Material hergestellt sind. Sport-Thieme versetzt mich in Nostalgie-Stimmung. Meine ersten und nach über 15 Jahren immer noch treuen Paddles gibt es tatsächlich noch auf dem Markt. Ergonomie wurde damals allerdings noch nicht so groß geschrieben – es ist eine gerade Kunststoffplatte mit vielen Löchern.

Der Armzug im Wasser

Die Paddles von Zoggs, Head und Sport-Thieme halten gut am Mittelfinger, wodurch die Konzentration ganz der Technik gilt. Die Paddles von Aqua Sphere können bei dünnen Fingern schon mal verloren gehen. Finis überrascht hier, dass der Paddle sehr gut an der Hand hält, soweit die Unterwasserphase mit konstantem Druck ausgeführt wird.

Die Paddles von Aqua Sphere verhalten sich insgesamt unruhig im Wasser. Die Handhaltung ist gut, aber gefühlt muss mit den Fingerspitzen gegen den Paddle gedrückt werden, da er durch sein flexibles Material nach oben gewölbt wird. Dies wirkt irritierend, kann zu Krämpfen in den Fingern führen und nimmt die Konzentration vom sauberen Zug.



Mit allen weiteren Modellen kann eine saubere Technik ohne „Flattern“ der Paddles umgesetzt werden. Durch provokante falsche Technik zeigt sich, dass vor allem die Paddles von Sport-Thieme, Finis und Zoggs schnell Rückmeldung geben, indem diese auf der Handfläche verrutschen bzw. bei Finis komplett von der Hand fallen. Head und Aqua Sphere gleichen kleine Fehler durch die Schaufelform aus, reagieren dann aber auch durch Flattern – ein Wegrutschen war schwer zu erreichen. Die ergonomische Form zwingt die Hand zu einer Schaufel, die zwar korrekt ist, aber dennoch ungewohnt. Vor allem beim Head-Paddle hatte ich den Eindruck, ich würde mit zwei Müslischüsseln in der Hand schwimmen. Durch die Schaufel werden beim Eintauchen sehr viele Luftblasen unter den Paddle gezogen, welche nur durch eine lange Gleitphase entweichen. Mit Luftblasen in der Schaufel wäre der Zug ineffektiv und unruhig. In der Gleitphase wirkt der Paddle auch nicht ruhig, da die Schaufel viel Verwirblung bringt – beim Schwimmen ohne Paddle wäre die Handfläche hier deutlich flacher.

Diese beiden Phänomene treten bei Zoggs, Finis und Sport-Thieme nicht auf. In der Gleitphase liegt der Paddle sehr ruhig im Wasser und selbst mit geringer Gleitphase lässt sich ein sauberer Zug mit viel Druck schwimmen, wie zum Beispiel beim Sprint.  Die Paddles von Zoggs sind deutlich schmaler geschnitten als die von Sport-Thieme. Wer eher breite Hände hat, hat das Gefühl, mit Daumen und kleinem Finger am Rand zu liegen und läuft Gefahr, den Paddle mit diesen zwei Fingern festhalten zu wollen oder die Finger verkrampft zusammenzuhalten. Dies passiert beim Sport-Thieme Paddle nicht.

Beim Schwimmen mit den Finis-Paddles muss der Armzug zwingend bis zum Ende durchgeführt werden, da man den Paddle sonst verliert. Dies fördert eine gute Kraultechnik, da die Druckphase beim Kraulschwimmen den größten Vortrieb bringt und bei Ermüdung meist als erstes verkürzt wird. Anfangs ist man vor allem in der Überwasserphase dazu geneigt, mit dem Daumen, den Paddle zu klammern, aber nach kurzer Zeit vertraut man, dass man ihn nicht verliert. Praktisch ist zudem, dass die Paddles sehr schnell an- und ausgezogen werden können, wodurch keine großen Pausen im Training entstehen.

Wassergefühl

Alle Paddles außer den Aqua Sphere und Finis haben viele kleine Löcher, welche der Hand das Gefühl von vorbeiströmendem Wasser zu geben sollen. Diese fehlen beim Aqua Sphere vollständig, bei Finis befindet sich nur der Daumen im direkten Kontakt mit Wasser.  Aus meiner Sicht gibt es hier gefühlt kaum Unterschiede, da die vorhandenen Löcher sehr klein sind. Bei Head gehen die Enden der Gummibänder nach oben weg, weshalb diese beim Armzug stark zwischen den Fingern flattern. Ein Kürzen der Gummibänder brachte etwas Abhilfe.

Unser Testsieger

Die Paddles von Finis bieten aus meiner Sicht die besten Bedingungen, um eine saubere Kraultechnik mit Paddles durchzuführen, da die Paddles durchgängig eine saubere Kraultechnik fordern. Daher sollte man mit dieser bereits gut vertraut sein.

Finis Agility Paddles
Finis Agility Paddles

Für Einsteiger sind die Paddles von Zoggs und Sport-Thieme zu empfehlen, wobei Zoggs nur bei schmalen Händen geeignet ist. Sport-Thieme bietet durch die vielen verschiedenen Größen die perfekte Auswahl. Beide zeigen gute Schwimmeigenschaften unter Wasser.

Über Sandra Schlichenmaier

Als Leistungssportlerin mag Sandra Abwechslung beim Sport und nutzt TIME2TRI, um Struktur in ihr Training zu bringen. Sandra ist die Disziplin in Person, aber wenn bei ihr morgens ein Nüchternlauf auf dem Plan steht, fällt er öfters mal auf dem Weg vom Bett zum Frühstückstisch dem Hunger zum Opfer. Da die Athletin in ihrer Karriere mit zahlreichen Trainern zusammen gearbeitet hat und selbst als Trainer aktiv ist, hält sie bei uns den Kontakt zu den Coaches.

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