Herzfrequenz war gestern – Leistungsmessung ist heute!


Na ja, ganz so ist es nicht. Denn die Herzfrequenz bietet uns bei entsprechender Aufmerksamkeit die Möglichkeit bevorstehende Infekte aufzuzeigen und damit unserer Gesundheit einen großen Dienst zu erweisen. Wenn man sie richtig interpretiert und danach handelt.

Ansonsten halte ich die Herzfrequenz auf dem Rad für wenig aussagekräftig bzw. wenig geeignet, um unser Training oder unseren Wettkampf zu steuern. Die Gründe dafür sind ganz einfach.

3 Gründe, warum die Herzfrequenz wenig aussagekräftig ist

Erstens: Die Herzfrequenz unterliegt bei vielen Menschen einer großen Varianz. Denn Koffein, Schlafmangel, Allergiemedikamente, Nervosität und viele andere Faktoren beeinflussen die Herzfrequenz maßgeblich. Denn wer kennt es nicht, dass man bei einem großen Rennen bereits am Start eine deutlich höhere Herzfrequenz hat?

Zweitens: Die Herzfrequenz ist ein recht träger Parameter und kann vor allem im Radsport, bei dem es schnell verändernde Situationen gibt, kaum Aufschluss über die tatsächliche Leistung geben. Die Trainings- und Wettkampfsteuerung über die Herzfrequenz ist daher als unzuverlässig und irreführend zu bewerten.

Drittens: Je nach Trainingszustand und genetischer Veranlagung erhöht sich oder sinkt die HF sogar zum Ende von harten, langen Einheiten. So auch beim zu schnellen Angehen einer Bergetappe. Hierbei gehen die Werte zwischen HF und Leistung (Watt) deutlicher auseinander.

Steuerung über Watt in der Praxis

Auch hierzu ein paar anschauliche Beispiele.
Gerade bei Einsteigern und „Weekend-Warriors“ erlebe ich immer wieder, dass selbst im GA1-Training jede Welle mit Druck und damit meist auch oberhalb des Grundlagenbereichs GA1 gefahren wird. Die Herzfrequenz zeigt das bei kurzen Wellen meist auch gar nicht an, denn sie steigt oft erst wenn der Athlet bereits oben angekommen ist.
Wer gerade als Einsteiger seine Grundlagenausdauer und damit auch die Fettverbrennung trainieren will, sollte aber explizit auf die Einhaltung dieses Bereichs achten.

„Das Rennen wird kalkulierbar und das ist auch hinsichtlich der Motivation und Psyche ein nicht zu unterschätzender Punkt.“

Ein anderes gutes Beispiel ist die Aufholjagd. Für Kurzstrecken-Triathleten bei Windschatten-Rennen kommt es immer wieder vor, dass versucht wird, den Anschluss an einer vorderen Gruppe zu finden. Sich in einer solchen Situation auf die Herzfrequenz zu verlassen und dabei unverhältnismäßig viel Kraft zu investieren, kann sich retrospektiv als fatal erweisen. Kenne ich als Athlet aber meine „Wattwerte“, oder besser ausgedrückt – kenne ich durchs Intervalltraining ziemlich gut meine EB-Werte (Entwicklungsbereich) kann ich sehr genau die Leistung steuern ohne Angst vor einem Einbruch in der Endphase haben zu müssen. Das Rennen wird kalkulierbar und das ist auch hinsichtlich der Motivation und Psyche ein nicht zu unterschätzender Punkt.

Noch ein ganz anderes, aber nicht weniger schönes, Beispiel aus dem Profibereich aus 2012.
Damals traf ich Timo Bracht in Can Picafort (Mallorca) und da wir im Trainingslager wenig Zeit fanden um uns in Ruhe zu unterhalten, machte er den Vorschlag einer gemeinsamen Ausfahrt.

Jetzt kann sich jeder denken, au backe…. Auf dem Rad mit Timo und dann dabei noch Luft zum Reden zu haben?! Dem kam Timo zuvor, in dem er sagte „Ich fahre mindestens 5 Stunden mit 180 Watt“.
So wusste ich, dass es kein Problem wird. Da ist mehr als genug Luft zum quatschen. Was hätte ich wohl getan, wenn er gesagt hätte: „5 Stunden mit einer Durchschnittsherzfrequenz von 130 Schlägen pro Minute“ – ich glaube, ich wäre recht nervös gewesen.

Ich könnte noch eine Menge weiterer Beispiele bringen, aber ich denke im Wesentlichen sollte jetzt bereits klar sein, dass die Leistungsmessung erhebliche Vorteile mit sich bringt.
Wie einfach ich meine eigenen Werte ermittele, auch ohne Leistungsdiagnostik, und welche typischen Watt-Werte Profi-Athleten haben, dazu mehr im nächsten Kapitel.

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Über Roger Milenk

Querdenker. Autodidakt. Visionär. Seit über 2 Jahrzehnten vertreibt Roger mit seiner Firma ACS Vertrieb GmbH die Produkte namhafter Hersteller rund um den Triathlonsport und brachte bereits 1993 die ersten Energy-Gels auf den europäischen Markt. Dabei versucht er stets, nicht nur innovative Produkte zu entwickeln sondern diese auch seinen Kunden einfach und verständlich nahezubringen. Insbesondere die Themen rund um Sportlerernährung und Wattmessung liegen Roger sehr am Herzen – bei TIME2TRI sorgt er daher für das Grundlagenwissen in diesem Bereich.

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