Macht eine Uhr im Schwimmtraining Sinn?


Beim Radfahren und Laufen sind Sportuhren längst nicht mehr wegzudenken. Die hochwertigen und modernen Triathlonuhren sind seit einiger Zeit auch treue Begleiter einiger Athleten beim Schwimmen. Bei mir stieß das anfangs auf totales Unverständnis. Die Gesamtdistanz des Trainings steht doch auf dem Trainingsplan und für die Pace hängt in nahezu jedem Hallenbad eine große Sportuhr – mehr brauchten wir früher beim täglichen Schwimmtraining doch auch nicht?

Schwimmbad Uhr
Schwimmbad Uhr

Mit Kopfschütteln betrachtete ich lange die Triathleten im Schwimmbecken, die hektisch mit einer Hand an den Beckenrand anschlagen und gleichzeitig mit der anderen Hand die richtige Taste auf der Uhr drücken, um das Intervall zu dokumentieren. Die Triathlon- und Schwimmuhren von Garmin, Polar, Suunto, Finis und Co. dokumentieren neben Zeit und Distanz auch Schwimmart, Zugzahl, Zugeffizienz (SWOLF bei Garmin) und können vorher eingespeicherte Trainings vorgeben. Doch macht die Nutzung einer Uhr mit solch umfangreicher Dokumentation einen Athleten schneller im Wasser?

Seit ich Besitzer einer Garmin Fenix3 bin, nutze ich auch die Schwimmfunktion der Uhr und kann ihr mittlerweile einige Vorzüge abgewinnen.



Die Vorteile einer Sportuhr während dem Schwimmen

Was mir bereits vorher klar war: Im Freiwasser-Training ist eine Schwimmuhr sehr viel wert, denn jegliches Distanzgefühl aus dem Becken ist nicht übertragbar. Um also eine Aussage über Pace und Distanz zu bekommen, ist eine Uhr unumgänglich.

Besonders gut finde ich eine Schwimmuhr zur exakten Einhaltung von vorgegebenen Pausen. Wenn ich ohne Uhr z.B. 8×100 Meter schwimme mit 15 Sekunden Pause, werden meist bei 1:13 min 17 Sekunden Pause daraus, um zu einer „glatten Zeit“ auf der großen Uhr wieder loszugehen oder bei 1:16 min eher 14 Sekunden. Mit der Uhr entfällt das – sie zeigt an, welche Zeit man geschwommen ist und seit wann die Pause läuft. Die Pause kann immer exakt eingehalten werden.

Sehr praktisch ist eine Uhr auch zum Einhalten fester Abgangszeiten (Beispiel: 10x50m). Mit einer Schwimmbaduhr funktioniert das gut bei runden Abgangszeiten alle 1 Minute oder alle 50 Sekunden. Aber wer seine Abgangszeiten detaillierter berechnet und z.B. alle 58 Sekunden abgehen möchte, dem hilft eine Sportuhr sehr, da sie neben der geschwommenen Zeit und der laufenden Pause auch die gesamte verstrichene Zeit, also die Abgangszeit anzeigt.

Schwimmen mit Uhr seitlich
Schwimmen mit Uhr seitlich, Fotograf Marco Müller

Was mit Sicherheit schon jedem beim Schwimmen passiert ist: Man hat sich verzählt. Die Anzeige meiner Uhr ist groß genug, so dass ich bei der Rollwende einen kurzen Blick auf die Distanz der aktuellen Runde werfen kann. Das ist für mich äußerst praktisch, da ich das Talent habe, mich auch schon auf 200m zu verzählen 😉

Für eine große Anzahl an Wiederholungen, wie z.B. 50x50m ist es hilfreich, vorher ein Programm auf die Uhr zu spielen. Hier werden dann die Intervalle mit einer separaten Anzeige hochgezählt. So kann man sich während der Einheit voll und ganz auf das Schwimmen konzentrieren.

„Wie habe ich das Schwimmtraining früher überlebt?“

Ich frage mich: Wie habe ich das Schwimmtraining früher überlebt? Ganz klar: Mein Coach stand draußen am Beckenrand und hat für mich gezählt, Abgangszeiten vorgegeben, Intervallzeiten mit der Stoppuhr in der Hand genommen und aufgeschrieben. Daher gilt für alle Athleten, die das Glück eines Coaches am Beckenrand haben: Die eigene Uhr hat Ruhetag. Es kann auch mal vorkommen, dass der Trainier aus strategischen Gründen die geschwommene Zeit nicht nennt, erst am Ende der Serie oder taktisch schummelt.

Das Wichtigste ist, dass es im Training weiterhin um Themen wie Wassergefühl, Technik und Geschwindigkeit gehen sollte und das Knöpfe Drücken und auf das Display Schauen nicht vom eigentlichen Schwimmen ablenkt. Vor allem in den Teilen des Trainingsplans, in denen die Zeit völlig irrelevant ist, wie z.B. Technikübungen, Ein- und Ausschwimmen. Besonders bei Technikblöcken lasse ich den Übungsmodus einfach durchlaufen. Das bedeutet, dass die Zeit zwar läuft, aber keine automatischen Bahnen, Schwimmarterkennung oder Zugzahl dokumentiert wird. Nach Beenden des Übungsmodus wähle ich die geschwommene Distanz direkt über die Uhr aus.

Fazit

Nutze eine Uhr für:

  • Freiwassertraining
  • Intervalltraining
  • Freiwasser-/Triathlonwettkampf

Lass die Uhr weg bei:

  • Anleitung eines Trainers vom Beckenrand
  • Regenerationseinheiten
  • Techniktraining
Über Sandra Schlichenmaier

Als Leistungssportlerin mag Sandra Abwechslung beim Sport und nutzt TIME2TRI, um Struktur in ihr Training zu bringen. Sandra ist die Disziplin in Person, aber wenn bei ihr morgens ein Nüchternlauf auf dem Plan steht, fällt er öfters mal auf dem Weg vom Bett zum Frühstückstisch dem Hunger zum Opfer. Da die Athletin in ihrer Karriere mit zahlreichen Trainern zusammen gearbeitet hat und selbst als Trainer aktiv ist, hält sie bei uns den Kontakt zu den Coaches.

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