Prognosetraining


Es ist Frühjahr und die ersten Wettkämpfe rücken näher – höchste Zeit also, um noch ein wenig Selbstvertrauen zu tanken und die Überzeugung zu verbessern, dass man seine Leistung im Ernstfall zu 100% abrufen kann. Techniken, die sich für diesen Zweck gut eignen, sind das Prognosetraining und das Nichtwiederholbarkeitstraining. Grundlage dieser Trainingsformen ist, dass Wettkampfsituationen per se nicht wiederholbar sind, immer mit einer Erwartung einhergehen und Konsequenzen haben. 

Prognose- und Nichtwiederholbarkeitstraining

Beim Prognosetraining wird vor der eigentlichen Übung das Ziel festgelegt. So kann der Athlet vor den Intervallen auf der Bahn oder im Schwimmbad genau seine Zwischenzeiten ansagen. Im Anschluss an die Übung findet eine Überprüfung der Prognose statt. Insbesondere soll darauf geachtet werden, ob die Prognose realistisch war und woran es gelegen hat, dass sie erreicht oder nicht erreicht wurde. Im offenen Prognosetraining findet diese Absprache nicht nur zwischen dem Trainer und Athleten statt, sondern wird mit der gesamten Trainingsgruppe kommuniziert, um den Druck zu erhöhen. 

Das Nichtwiederholbarkeitstraining zeichnet sich dadurch aus, dass der Trainer einen Zeitpunkt für die Übungsdurchführung festlegt. Es ist wichtig, dass der Zeitpunkt nicht vom Athleten selbst festgelegt wird, da dieser ihn mit Blick auf den Wettkampf ebenfalls nicht steuern kann. Im Zeitraum bis zur Ausführung kann sich der Athlet entsprechend vorbereiten und ebenfalls eine Prognose abgeben. So könnte schon beim Eintritt ins Schwimmbad eine 400m-Zeit angesagt werden, wobei der Sportler nicht weiß, wann genau die 400m im Plan auftauchen. Natürlich sollten nicht direkt vorher härteste Intervalle geschwommen werden. Auch beim Nichtwiederholbarkeitstraining ist eine Reflexion nach der Übung wichtig. 

Eine Steigerung dieser beiden Formen ist es, eine Zeitverzögerung einzubauen. Wird eine Prognose aufgestellt, jedoch erst eine halbe Stunde später überprüft, können sich störende Gedanken entwickeln oder die Konzentration fällt ab.

Eine weitere Idee zur Gestaltung von Drucksituationen möchte ich mit dem Einsatz einer Stoppuhr im Koppeltraining geben. Baut euch beispielsweise eine Wechselzone 2 mit einer Länge von 15m auf und überlegt, wie lange ihr auf dieser Strecke für einen guten Wechsel brauchen werdet. Stellt euch dann einen Timer entsprechend auf 30 oder 45 Sekunden ein und drückt mit Überqueren des Wechselbalkens die Start-Taste. Ihr könnt euch im Vorfeld eine bestimmte Anzahl an Wechseln und entsprechend eine Belohnung für eine erfolgreiche Übungsdurchführung überlegen.

Konsequenzen

Um diese Trainingsformen für den Athleten bedeutsamer zu machen, können zudem Konsequenzen vereinbart werden. So kann bei Unterteilung der Trainingsgruppe die unterlegene Gruppe z.B. die Kontrahenten bekochen.

Ob ihr nun im Training imaginär auf der Bahn rechts neben dem Kontrahenten schwimmt oder mental am Ort des nächsten Wettkampfs lauft, ihr werdet davon profitieren. Solltet ihr Ideen zur Gestaltung von Drucksituationen im Training benötigen: ich helfe euch gern!

 

Über Christian Hoverath

Christian ist unser Mann fürs Köpfchen - seine Beiträge beschäftigen sich mit dem Zusammenspiel aus Körper und Geist. Er ist nicht nur Psychologe sondern auch begeisterter Triathlet und weiß aus erster Hand: Sportler ticken anders. Durch seine Kombination aus Sport und Psychologie kann er nachvollziehen, welche Gefühle mit Sieg und Niederlage einhergehen, wie Druck von außen aber auch innen wächst, aber auch wie Begeisterung und Euphorie antreiben und dabei helfen, die eigenen Ziele zu erreichen und über sich selbst hinauszuwachsen.

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