Der große Paddles-Test Teil 2: Antwort auf euer Feedback


Unser erster großer Paddles-Test war kaum veröffentlicht, schon trudelten bei uns die ersten Fragen, Anmerkungen und Unsicherheiten ein.

Für uns Grund genug, den Paddles-Test um einen zweiten Teil zu ergänzen, der sich all diesen Punkten widmet und genauer darauf eingeht. Doch zuallererst: es freut uns sehr, dass unsere Knowledge Base von euch gelesen wird und ihr euch mit den Themen auseinandersetzt! Danke dafür!

Der große Paddles-Test: FAQs

Eigentlich hätten wir erwartet, dass ein Thema wie Nüchternlauf das am kontroversesten diskutierte Thema im Triathlonsport sein würde. Dass Schwimmpaddles dem jedoch in nichts nachstehen, kam für uns zugegebenermaßen überraschend. Aber grade auch deshalb möchten wir auf die meist gestellten Fragen näher eingehen. Falls ihr euch noch tiefer mit dem Thema Paddles beschäftigen wollt, erhaltet ihr zudem ein paar gute Lesetipps.

Thema „Paddels“: Eure Fragen, unsere Antworten.

Sind Paddles nur für Profis geeignet?

Paddles können bei richtiger Anwendung auch ein hilfreiches Trainingsmittel für Einsteiger sein. Bei jedem Leistungsniveau ist bei der Verwendung von Paddles zu beachten, dass eine gute Kraultechnik zwingend nötig ist, um dem Körper, speziell den Gelenken, keinen Schaden zuzufügen. Gerade für Einsteiger empfiehlt es sich, zum korrekten Erlernen der Kraultechnik einen Trainer aufzusuchen.

Welche Größe sollten Paddles korrekterweise haben bzw. können gute Schwimmer deutlich größere Paddles schwimmen?

Für Einsteiger und den Kauf der ersten Paddles ist die Größe der Hand definitiv das richtige Maß. Maximal einen Zentimeter sollten die Paddles über die Finger herausragen. Gute Schwimmer haben eine ausgeprägtere Muskulatur und ausreichend Kraft, um größere Paddles mit sauberer Technik durchs Wasser zu ziehen. Allerdings verfügen auch gute Schwimmer nicht unmittelbar über stärkere Gelenke, weshalb zu große Paddles auch bei guten Schwimmern zu Verletzungen, insbesondere Überlastungen im Schulter-Bereich führen können. Die Physik des Hebelgesetzes schlägt hier zu: Je größer die Kraft am Ende des Hebels (Hand), um so größer ist das Moment, das auf den Drehpunkt (Schulter) lastet. 

Diese Meinung teilen auch Sportler, Redaktionen und Autoren wie z.B.der spomedis Verlag in seiner Triathlon Bibel oder die Hersteller unserer getesteten Paddles, die uns bei der Auswahl der richtigen Größe mit Rat und Tat zur Seite standen.



Wie häufig sollte ich mit Paddles trainieren?

Am Anfang sollten Paddles nur sehr dosiert zum Einsatz kommen. Konkret heißt das: maximal 50m oder 100m am Stück. Den Einsatz der Paddles langsam steigern – in Summe solltest du nicht mehr als 20% des Trainingsumfangs pro Einheit mit Paddles schwimmen. Diese Meinung teilen viele Trainer z.B. bei swim.de, SV Limmat.

Habt ihr Tipps, wie ich am Besten in das Training mit Paddles einsteige?

Ein Beispiel-Programm für den Einstieg mit Paddles:  Schwimme abwechselnd 50m mit und 50m ohne Paddles. Das Ganze 5x wiederholen.
Dieses Programm kannst du in weiteren Trainingseinheiten langsam steigern. Auch hier gilt: achte darauf, dass du nie mehr als 20% deines Trainingsumfangs mit Paddles schwimmst. Gerade beim Einstieg ist es durchaus sinnvoll, dich von einem kompetenten Schwimmtrainer betreuen und korrigieren zu lassen.

Bereits nach wenigen Bahnen bemerke ich ein Ziehen in meiner Schulter, wenn ich mit Paddles schwimme. Woran kann das liegen?

Dem Thema „Schulterschmerzen beim Schwimmen“ haben wir einen eigenen Beitrag gewidmet – du findest ihn hier.

Soll die Hand möglichst flach und ohne Wölbung durchs Wasser gezogen werden, da sonst die Druckfläche verkleinert wird?

Es ist richtig, dass der projizierte Querschnitt der Druckfläche durch ein leichtes Wölben der Handfläche verkleinert wird, allerdings errechnet sich der fluiddynamische Widerstand aus dem Flächenwiderstand und dem Formwiderstand. So wird beim Wölben der Handfläche der projizierte Querschnitte zwar kleiner, aber die Strömungsablösung an der Handfläche erzeugt bei einer geraden Handstellung ein größeres Nachlaufgebiet (Totwasser), was einen Unterdruck erzeugt und der Strömungsrichtung entgegenwirkt. Somit muss man mit durchgestreckter Hand zusätzlich zur erhöhten Querschnittsfläche der Hand dem Unterdruck entgegenwirken. Für die Technik-Fans wird dies umfangreich erklärt im Buch Technische Fluidmechanik

Als weiteres nicht-technisches Argument ist es beim Schwimmen prinzipiell einfacher, die Hand in einer natürlichen neutralen Position zu halten, um keine Energie ins Ausstrecken der Finger zu vergeuden. Die neutrale Handhaltung ist, wenn du an Land die Hand ganz locker nach unten hängen lässt und dann fixierst, es zeigt sich die bekannte leichte Schaufelform. Beim Durchstrecken der Hand besteht die Gefahr, dass die Hand überstreckt wird, wodurch deutlich weniger Druck ins Wasser gebracht werden kann. Ebenfalls zeigt sich, dass die Finger nicht aneinander gepresst sind, sondern einen leichten Spalt aufweisen. Dieser Spalt wird durch die Dichte des Wassers geschlossen, wodurch der Druckkoeffizient um bis zu 9% vergrößert werden kann. Man schwimmt dadurch nicht automatisch 9% schneller, aber ein Gewinn ist durchaus zu verzeichnen.  Im Detail ist dies nachzulesen im Buch Triathlon Speed oder bei triathlon-tipps.de

Ein gutes Beispiel für die richtige Handhaltung findet sich im zudem im Buch Techniktraining für Triathleten aus dem spomedis Verlag – die rechte Hand zeigt deutlich eine leichte Wölbung:

Eintauchen
Referenz: Techniktraining für Triathleten, spomedis Verlag

“Die Finis Agility Paddles verleiten dazu, mit dem Daumen einzutauchen, wodurch die Hand nach dem Eintauchen abfällt”

Hier muss unterschieden werden, wie man mit dem Daumen eintaucht. Mit dem gestreckten Arm von oben nach unten? Dann fällt der Arm natürlich ohne Gleitphase nach unten ab – das liegt aber nicht daran, dass der Daumen zuerst eintaucht. Taucht man mit leicht gebeugtem Arm ein und schiebt danach die Hand nach vorne in die Gleitphase, bleibt die Hand oben. Beim Eintauchen ist darauf zu achten, so wenige Blasen wie möglich zu bilden, was durch eine leicht schräge Handhaltung ermöglicht wird.

Diese kann man besser so beschreiben, dass Daumen und Zeigefinger gemeinsam als erstes eintauchen. Dies ist allerdings eine Feinheit, da die Hand in der Gleitphase flach nach vorne geschoben wird und somit potentielle Luftblasen von der Handfläche weichen. Diese Meinung teilt auch Annette Gasper in einem Bericht für triathlon.de. Für die Finis Agility Paddles gilt – wie bereits in unserem Testbericht erwähnt – dass man bereits mit einer guten Kraultechnik vertraut sein sollte. Einsteigern empfehlen wir die Paddles anderer Hersteller. 

Brauche ich zwingend Paddles mit Löchern?

Üblicherweise sind die Löcher in den Paddles dafür da, dass sie kontrollierbar bleiben. Bei flachen Paddles sind Löcher unerlässlich, da die Strömungsvektoren gleichmäßig auf die Paddle-Fläche wirken und diese somit dazu neigen “wegzurutschen”. Das Wasser, welches durch die Löcher strömt, stabilisiert den Paddle durch Reduzierung des Totwassers hinter dem Paddle. Bei leicht gewölbten Paddles sammeln sich die Strömungsvektoren tendenziell in dem mittleren Bereich, in dem sich auch die Hand befindet. Er ist somit auch ohne Löcher gut kontrollierbar.

Über die Vorteile, das Wasser durch Löcher in den Paddles zu spüren, gibt es keine wissenschaftlich fundierten Aussagen. Das Wasser trifft meist nur punktuell oder bei einzelnen Modellen über einen mittigen Ausschnitt auf die Hand auf, was nicht der Realität beim Schwimmen ohne Paddles entspricht. Durch den ausgiebigen Test verschiedener Paddles-Modelle im Wasser, komme ich persönlich zu dem Schluss, dass keine Verbesserung der Kraultechnik zu erzielen ist, wenn die verwendeten Paddles Löcher aufweisen.

Zu meiner Person

Ich war bereits in meiner Kindheit und Jugend als Leistungssportlerin im Schwimmsport aktiv. Den Großteil meines Lebens habe ich im Wasser verbracht, um mich auf Starts bei Süddeutschen & Deutschen Meisterschaften, sowie in der 2. Bundesliga vorzubereiten. Einige meiner Highlights waren u.a. ein 4. Platz bei der Deutschen Meisterschaft Staffel 4×200 m Freistil, der 2. Platz bei der Süddeutschen Meisterschaft 400 m Freistil sowie der Ba-Wü Rekord über 10×100 Freistil. Bis heute bin ich viele Stunden pro Woche im Wasser anzutreffen – und wenn ich nicht gerade im Becken bin, stehe ich als Triathlon-Trainerin und Schwimm-Coach am Beckenrand und verhelfe seit Jahren vielen Schwimmern und Triathleten zu neuen Bestleistungen.

Sandra Schlichenmaier

Ihr habt weitere Fragen oder Anmerkungen? Nehmt gerne mit uns Kontakt auf, wir helfen euch gerne weiter!

Übersicht hilfreicher Literatur

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Der große Paddles-Test Teil 2: Antwort auf euer Feedback
Über Sandra Schlichenmaier

Als Leistungssportlerin mag Sandra Abwechslung beim Sport und nutzt TIME2TRI, um Struktur in ihr Training zu bringen. Sandra ist die Disziplin in Person, aber wenn bei ihr morgens ein Nüchternlauf auf dem Plan steht, fällt er öfters mal auf dem Weg vom Bett zum Frühstückstisch dem Hunger zum Opfer. Da die Athletin in ihrer Karriere mit zahlreichen Trainern zusammen gearbeitet hat und selbst als Trainer aktiv ist, hält sie bei uns den Kontakt zu den Coaches.

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