Das Ressourcen-ABC


Manchmal läuft es nicht wie gewünscht und das Selbstvertrauen bröckelt. Dabei ist es ein zentrales Thema für gute Leistungen im Sport. An anderer Stelle (Der Gewinn durch Selbstvertrauen) bin ich bereits darauf eingegangen. Wie können sich Athletinnen und Athleten in einen selbstbewussten Zustand bringen? Eine effektive und leicht anzuwendende Methode kann das sogenannte Ressourcen-ABC sein. 

Erst einmal ist es wichtig zu verstehen, was Ressourcen sind. Ressourcen sind Kraftquellen und damit alles, was uns gut tut oder helfen kann. Es können wichtige Menschen sein, aber auch persönliche Eigenschaften, Fähigkeiten, Kompetenzen und Stärken. Es können Hobbys sein oder wichtige Ziele im Leben, Überzeugungen, für die man eintritt. Es können Vereine oder Gruppen sein, aber auch materielle Dinge.  Ihr merkt: Ressourcen sind sehr individuell und von Mensch zu Mensch und Situation zu Situation verschieden. Für Sportler sind häufig Erinnerungen, Erfahrungen in der Vergangenheit oder Hoffnungen und Träume für die Zukunft Kraft- und Motivationsquellen, ebenso wie Filme, Lieder oder Bilder. Überlegt euch: Auf welche gemeisterten Leistungen bzw. Situationen bin ich stolz? Was mache ich gern, was habe ich als Kind oder Jugendlicher gern gemacht? Was hilft mir in schwierigen Momenten? Was tut mir gut?

„Eure Ressourcen sind nicht auf den Sport begrenzt. Lernt, eure Stärken für euch zu nutzen.“

Natürlich sind diese Ressourcen nicht nur auf den Sport begrenzt. Nutzt eure Stärken in anderen Situationen! Setzt euchvon Zeit zu Zeit hin, versetzt euchin die Situationen oder genießt Zeit mit für euch wichtigen Menschen. Tankt Kraft und setzt eure Ressourcen bewusster ein als ihr es bisher getan habt. Dazu kann das Ressourcen-ABC helfen, frühere und ungenutzte Ressourcen zu aktivieren.

Nehmt einen Zettel und schreibt je einen Buchstaben des Alphabets in eine Zeile. Findet zu jedem Buchstaben ein Stichwort (oder auch mehrere) mit dem jeweiligen Anfangsbuchstaben. Helfen können Fragen wie „Was kann ich gut?“ und „Welche Ressourcen habe ich?“

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Seid spontan und kreativ. Verbleibt nicht zu lange bei einem Buchstaben, hört auf eure erste Intuition! Ihr müsst diese Liste auch nicht am Stück ausfüllen. Lasst euch  Zeit und vervollständigt die Liste ruhig von Zeit zu Zeit. Bedenkt, dass auch auf den ersten Blick negativ erscheinende Begriffe in bestimmten Situationen positiv sein können. Ungeduld ist hier ein Beispiel. Zunächst klingt Ungeduld negativ. Sie kann jedoch dabei helfen, Dinge voran zu treiben und Fortschritte zu erzielen.

In eine weitere Zeile könnt ihr dann hinter jede Ressource schreiben, wann euch die jeweilige Ressource hilft und wie ihr diese einsetzen könnt. In eine dritte Zeile tragt ihr dann die Stärke der Ressource ein. Dies könnt ihr zum Beispiel mit Sternchen, auf einer Skala von 1 – 10 tun, aber auch auf jede eigene Art und Weise.

Setzt diese Übung nicht mit positiver Psychologie gleich! Natürlich ist es auch wichtig, dem Problem die nötige Aufmerksamkeit zu schenken und die Ressourcen zur Lösung einzusetzen. Ressourcenaktivierung ist nicht als positives Denken misszuverstehen. Es geht nicht darum Schwierigkeiten auszublenden, sondern seine Kompetenzen und Stärken zu aktivieren und zu nutzen.

Über Christian Hoverath

Christian ist unser Mann fürs Köpfchen - seine Beiträge beschäftigen sich mit dem Zusammenspiel aus Körper und Geist. Er ist nicht nur Psychologe sondern auch begeisterter Triathlet und weiß aus erster Hand: Sportler ticken anders. Durch seine Kombination aus Sport und Psychologie kann er nachvollziehen, welche Gefühle mit Sieg und Niederlage einhergehen, wie Druck von außen aber auch innen wächst, aber auch wie Begeisterung und Euphorie antreiben und dabei helfen, die eigenen Ziele zu erreichen und über sich selbst hinauszuwachsen.

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